domingo, 2 de diciembre de 2007

Infusion statt Torte

Ich hinke schon wieder den Ereignissen hinterher, dieser Berich hätte vor zwei Monaten erscheinen sollen...nunja.
Mein Geburtstag stand dieses Jahr unter keinem guten Stern: Erst einmal hatte ich tagelang überlegt ob ich überhaupt feiern soll. Würde jemand kommen? Wenn ja, mehr als zwei Leute? Nach einigem hin und her hat Seba mich dann überredet zu feiern, und halbwegs überzeugt, dass bestimmt alle kommen würde, denn inzwischen hätten sie mich ja hier in den Freundeskreis adoptiert.

Die zweite Sache war, dass ich mir ja in San Pedro de Atacama derart den Magen und anhängende Organe verdorben hatte, dass an Essen nicht zu denken war. Also erstmal Party von Freitag, 21. auf Samstag, 22. verschoben. An meinem Geburtstag sollte ich für den Fall der Fälle dass sich keine Besserung einstellt, noch einmal zum Arzt kommen.
Natürlich hat sich keine Besserung eingestellt und ich habe den Abend meines Geburtstags mit Hunger, Bauchweh und nicht allzuguter Laune von 7.00 bis 11:00 im Krankenhaus verbracht. Seba hat die Situation lieberweise gerettet, indem er mit dem Laptop und "Oliver Twist" aus der Videothek erschienen ist, so dass es nich so langweilig war.
Als Gebutstagsgeschenk hat mir der Arzt dann am Ende einen Zettel überreicht, auf dem stand was ich in der folgenden WOche essen durfte: Reis ohne alles, Hühnersuppe, Haferbrei, trockene Kekse, Wackelpudding, Wasser, Tee. WOW!!!

Ich nutze die Gelegenheit um mich ein wenig über das Gesundheitssystem aufzuregen:
(Ich habe eine gute KV keine Sorge Mama, aber trotzdem kann ich mich nicht daran gewöhnen, immer mit Geld zum Arzt zu gehen). Das erste, was man in der Notaufnahme sieht, ist eine grosse Preistafel. Da ist man dann schon fast wieder gesund. Die KV bezahlt hier immer nur einen Teil der Kosten (je nach dem, 70-90%), und das schliesst Material nicht mit ein. Infusionen, Verbände usw. bezahlt man also selbst. Es sei denn, man wird eingeliefert und bleibt über Nacht, dann ist alles eingeschlossen. Es lohnt sich also eher, richtig krank zu werden ;-)
Wenn man zum Arzt geht, wird an an der Rezeption darüber informiert, wie viel die KV abdeckt und gebeten, den Rest zu bezahlen, das heisst einen "Bono" zu kaufen. Wenn der Azt danach noch weitere Untersuchungen anordnet, kauft man dafür neue Bonos. Beispiel: Eine normale Untersuchung kostet 25-30 Euro, die KV bezahlt 70%, d.h. der Patient kauft erst einen Bono für 30%, bevor er vorgelassen wird. Wenn es "etwas mehr wird", z.B. bei einer OP, muss man einen Blankoscheck als Garantie dalassen, sonst wird man nicht behandelt.
Zahnarzt ist übrigens in keiner KV enthalten, das wäre zu teuer... Die KVs haben aber eigenen Zahnärzte, bei denen man dann für die Hälfte vom regulären Preis behandelt wird. Es gibt auch ganz skurrille Verbindungen: Lade Deine Metro-Fahrkarte für mehr als 4 Euro auf und Du bekommst 55% Rabatt bei dem und dem Zahnarzt oder 25% für eine Behandlung von Übergewicht!
Zum Glück haben die KVs einen Katastophenplan: Wenn man sich was wirklich teures zuzieht, bezahlt man bis zu einem festgelegten Betrag (x-mal seinen Monatsbeitrag) und alles andere zahlt die KV, auch wenn dann die 90% überschritten werden.
Es beschwere sich also niemand mehr über die Gesundheitsreform und die 10 Euro in Deutschland!!!

Ok, genug gemeckert, ich könnte mich noch seitenweise über das Gesundheitssystem auslassen (wir nutzen nämlich ein praktisches Hintertürchen, damit ich für meine teure KV nur ganz wenig bezahlen muss), aber das würde ewig dauern...
Zurück zum Geburtstag: Ich hatte also Essverbot und am nächsten Tag sollte die Party sein. Ich wollte schon alles hinschmeissen, aber Seba meinte nee, jetzt haben wir schon alle eingeladen, jetzt können wir nicht mehr ausladen. Ok, laso am Samsatg morgen ab in den Supermarkt und Partyeinkauf tätigen: Bier, Cola, Chips, Schoki, Pizza etc. Das schlimmste war noch für die Rasselbande Kuchen zu backen ohne den Teig naschen zu dürfen!!!
Trotzdem war dieser Geburtstag ein voller Erfolg: Nach und nach tummelten sich über 20 Leute auf unseren 15qm Wohnzimmer-Küche, sie haben mich mit Schokolade für die nächsten 2w Monate aysgestattet, brav alles aufgegessen und lauthals Happy Birthday gesungen. als ich erwähnt habe, dass ich dachte es kommt keiner, hätten sie mich fast verhauen. So gegen 2:30 nachts bin ich dann hungrig und nüchtern mit einem Haufen angeheiterter und teilweise recht peinlicher (weil totaaal luschtiger) Gestalten losgezogen, zum Salsa tanzen...
Ich würde sagen,das war meine bis dahin beste Geburtstagsfete!

sábado, 20 de octubre de 2007

Fiestas Patrias zwischen Sand und Salz


Das wichtigste Fest in Chile, noch vor Weihnachten, ist der 18. September, der Nationalfeiertag. Der 19. September ist auch Feiertag, der Tag der glorreichen Armee (oder so ähnlich) und dieses Jahr hat die Regierung das Meisterstück fertiggebracht, den 17. September immer dann zum Feiertag zu machen, wenn er auf einen Montag fällt, so dass man 5 Tage in Folge frei hat. Das ist in Chile wichtig, denn viele Familien wohnen hier weit verstreut und man hat nur Gelegenheit sich zu besuchen, wenn es ein langes Wochenende gibt.

Die Nationalfeiertage zeichnen sich dadurch aus, dass erstmal elles blau-weiss-rot geschmückt wird. Per Gesetz muss an jedem Haus eine chilenische Flagge hängen. Dann werden "Fondas" aufgebaut, das sind Hütten aus Zweigen, in denen dann die Cueca, der Nationaltanz, getanzt und gegrillt wird. Tanzen, singen, grillen, tanzen, singen, grillen... man ernährt sich fast nur von Fleisch in diesen Tagen.


Da wir noch keinen Urlaub kriegen und ich gerne mehr von Chile sehen wollte, habe ich Seba überzeugt, über die Feiertage in den Norden zu fahren, nach San Pedro de Atacama. Hier ein kleiner Reisebericht:

Tag 1) Wir stehen mitten in der Nacht auf, ich habe noch einen Kater von der "Vor-18.-Betriebsfeier", und fahren zum Flughafen. Gut eingepackt, denn in Santiago ist es noch frisch. Wir fliegen nach Calama, dem nächsten Flughafen an San Pedro, wo uns eine von Sebas ca.1000 Cousinen abholt. Den Tag verbringen wir bei der Familie in der angeblich hässlichsten stadt Chiles.
Hm... Ok, sie ist mitten in der Wüste, aber aufgeräumt und sauber. Nicht spektakulär, aber es gibt Schlimmeres. Das besondere an Calama ist, dass diese Stadt eigentlich nur existiert weil dort Chuquicamata liegt, die grösste Kupfermine der Welt. Praktisch alle die dort leben, arbeiten in der Mine und die wenigen anderen sind deren Bäcker, Frisöre, Ärzte usw. Die Angestellten der Mine verdienen sehr gut, und damit die Leute in die Wüste kommen, lässt sich die Firma nicht lumpen: Sie stampft ganze Stadtviertel hübscher gleicher Häusschen aus dem Boden und subventioniert sie, so dass die Angestellten für wenig Geld ein schönes Eigenheim bekommen. Dabei sind die Viertel nach Gehaltsklassen getrennt: Die LKW-Fahrer kriegen ein einfacheres Modell, die Mechaniker ein paar Quadratmeter mehr und die Ingenieure noch ein grösseres.
Nach einem Tag in Calama verlassen wir abends die wirklich supernette Familie von Sebas Cousine Miriam (die drei Mädels wollten uns gar nicht gehen lassen).
In San Pedro angekommen haben wir dann abends erstmal die dortigen Fondas erkundet und unsere ersten Fleischspiesschen verdrückt, immer umrundet von Hunden mit Hundeblick die auch gerne eins gehabt hätten. Die Fondas von San Pedro waren allerdings nicht der Renner, wegen Holzmangel waren sie eher aus Plastikplanen und viel getanzt wurde auch noch nicht. Dafür zogen Musikgruppen dirch die Strassen, so dass wir an einer staubigen Ecke doch noch eine schöne Cueca und dazu Wein gratis abbekommen haben.

Tag 2) Ausschlaaaaaaaafen!!! San Pedro erkunden, lecker essen und Ausflug machen, wie sich das im Urlaub gehört. San Pedro hat ca.1800 Einwohner und ist sehr überschaubar. Die Häuser sind aus Lehmziegeln und die Strassen haben keinen Asphalt (siehe FOTOS). Echt schnuckelig. Die Häuser von San Pedro dienen vier verschiedenen Zwecken: a) Hostal, b) Reiseagentur, die Touren in die Umgebung veranstaltet c) Restaurant/Bar und d) Souvenirgeschäft.
Wir haben uns dann nachmittags einer Tour zur Lagune "Cejar" angeschlossen. Die liegt ganz nah bei San Pedro und ich eigentlich ein Wasserloch mitten in einen Salzgebiet. Das Besondere daran ist, dass unterirdisch heisses Süsswasser zuströmt, während oben kaltes Salzwasser ist und das heisse Wasser nicht aufsteigen lässt. Wir waren drin schwimmen und haben oben vor Kälte gebibbert und uns unten die Füsse fast verbrannt. SELTSAM!!!
Dazu ist der Salzgehalt so hoch, dass man auf dem Wasser treibt wie im Toten Meer. Leider habe ich es wegen der Kälte oben nur 10 min ausgehalten und konnte das nicht richtig geniessen.

Tag 3) Ausflug zu den Lagunas Altiplanicas: Um 6 Uhr morgens ab in den Touri-Bus zum Flamingos anschauen und Hochlandlagunen besichtigen...schaut euch besser die FOTOS an statt viel zu lesen.

Tag 4) Wieder ausschlaaaaaaaafen. Abgesehen davon mussten wir noch "nebenbei" die Bewerbung für Sebas Doktorprojekt weitermachen, das bis zum 28.09.fertig sein musste. Nachmittags haben wir dann ein Fahrrad ausgeliehen und sind damit ins berühmte "Valle de la Luna" gafahren, um den Sonnenuntergang anzusehen, der da besonders schön ist, weil die ganze Gegend die Farben wechselt, wenn die Sonne weg ist.
Abends bin ich dann noch krank geworden, weil wir den "Fehler" gemacht hatten, anstatt Fleisch zu Abwechslung mal Salat zu essen, der aber mit Leitungswasser gewaschen war, was im Norden von eher zweifelhafter Qualität ist.
Der Rückflug am nächsten Tag war dementsprechen fürchterlich und als Ergebnis des Ganzen war ich drei Tage krank und habe meinen Geburtstag beim Arzt verbracht.
Aber ansonsten: Der Norden ist echt eine Reise wert, wir werden wiederkommen müssen, weil wir längst nicht alles gesehen haben.

martes, 11 de septiembre de 2007

9/11 mal anders

Der elfte September ist in Chile ein besonderer Tag, aber die wenigsten denken dabei an den Ground Zero. Am 11. September 1973 fand nämlich hier der Militärputsch von Pinochet gegen den Präsidenten Salvador Allende statt.
An diesem Tag (bzw. am nächstgelegenen Wochenende) erinnern die Hinterbliebenen Pinochet-Opfer traditionell daran, dass noch immer niemand für die Verbrechen dieser Zeit bestraft wurde. Sie (zusammen mit Sozialisten, Kommunisten, Gewerkschaften etc.) organisieren dann Erinnerungsmärsche und fragen immer wieder, wo ihre Leute geblieben sind, denn viele sind bis heute nicht offiziell tot, sondern nur "verschwunden". Da wir die Strasse zum Hauptfriedhof, wo Salvador Allende begraben ist und es ein riesiges Denkmal für alle Verschwundenen gibt, von unserem Balkon aus sehen können, haben wir am Sonntag schon einiges mitbekommen. Leider waren (wie immer) einige Idioten und Krawallschläger im Zug, so dass es am Sonntag auf dem Friedhof ein ziemliches Chaos gab.
Für heute hatte Seba mir geraten, lieber nicht mit dem Rad zu fahren, für den Fall dass es Krawalle gibt, also bin ich brav mit der U-bahn zur Arbeit und wir haben auch alles verrammelt, wegen möglichem Tränengas.

Auf der Arbeit habe ich dann von nichts was mitbekommen und alles sah auch aus wie immer. Heute abend in den Nachrichten haben sie dann gesagt, dass dies der ruhigste 11. September seit dem Putsch war. Es gab Demonstrationen vor dem Regierungspalast, denn dort steht das Allende-Denkmal (Seba arbeitet direkt davor und konnte alles mitbekommen). Die Gegend war absolut abgeriegelt und die Polizei hat immer nur jede Demonstrationsgruppe für eine begrenzte Zeit an das Denkmal gelassen und dann die nächste. Einige Ausschreitungen gab es dann doch, in den Wohngegenden ausserhalb des Zentrums und auf einer wichtigen Strasse, aber laut der Leute hier war im Vergleich zu sonst alles sehr ruhig.

Das wirklich seltsame an der ganzen Sache war für mich die Berichterstattung und wie geteilt die Gesellschaft immernoch ist (zumindest kommt es so herüber). Im Fernsehen nimmt niemand das Wort Diktator in den Mund, wenn er von Pinochet spricht (die Fernsehsender sind bis auf einen alle leicht rechts angehaucht, ebenso die grossen Zeitungen (Berlusconi lässt grüssen). Es wurden heute auch zwei Messen gefeiert: Eine für Allende und die Pinochet-Opfer, unter Teilnahme der Präsidentin Bachelet und vieler Politiker. Die andere im High-End Santiagos in Erinnerung an den "grossen General Pinochet", den viele noch verehren, weil er das Land angeblich vor den Kommunismus und dem Zerfall gerettet hat.
Patrioten sind sie hier alle, nur versteht das jede Gruppe anders und es geht immernoch ein tiefer Riss durch die Gesellschaft, im normalen Leben gut zugeklebt und abgedeckt. Das ist eine Frage von Macht, Geld und Weltbildern und wird sich auch so schnell wohl nicht ändern.

jueves, 9 de agosto de 2007

Endlich!

Der Seba ist jetzt offiziell Inschenjör, und an der Universidad Técnica Federico Santa María geht das so:
Der Kandidat macht sich schick und hält einen schlauen Diplomvortrag, den
ausser der Prüfungskomission niemand versteht. Die muss allerdings genügend beeindruckt werden.

Die Prüfungskommission war begeistert und vergab 100% mit Extra-Lob!!!

Danach darf man sich gebührend gratulieren und fotografieren lassen... und Mama und Papa sind stolz auf den Junior. In Chile ist ein erfolgreiches Studium ein Verdienst der ganzen Familie und auch der Freunde, denn die Unis sind sch...teuer und Bafög gibt es nicht. Da müssen sich alle unter die Arme greifen.

Dann ist die Diplom-Krawatte dran. Seba hatte dummerweise nicht daran gedacht und seine Beste angezogen :-(

Der neue Ingeniuer muss getauft werden... im Schwimmbecken der Uni, das sich praktischerweise mitten im Innenhof befindet.

Ein Fläschchen Sekt darf natürlich nicht fehlen und bevor nicht angestossen ist, darf der begossene Pudel sich auch nicht umziehen. Nur gut, dass das Wetter mitgespielt hat, obwohl Winter ist.

Während er sich danach umzieht, fabrizieren die angereisten Freunde schnell ein Plakat mit Namen, Titel und Note, auf das alle einen Gruss schreiben können. Die abgeschnittene Krawatte wird da draufgeklebt und das Ganze im Schaukasten des Fachbereichs aufgehängt.
Die nächsten paar Tagen kann jeder, der vorbeikommt und den Absolventen kennt, noch seine Grüsse hinterlassen. Danach wird es abgenommen und von den Freunden per Post geschickt.
Am Schluss noch ein letzte Foto vor der "U" (so nennen sie hier die Uni) und dann ab zum wohlverdienten Mittagessen in einem von Valparaisos berühmt-berüchtigten Fischlokalen. Ich möchte noch lobend erwähnen, dass ich mich für dieses Foto auf dem Boden gewälzt habe ;-)

sábado, 14 de julio de 2007

Winter spielen

Seit einigen Wochen befinden wir uns mitten im chilenischen Winter. An manchen Tagen merkt man das auch und wir haben nachts ein paar Grad unter null, an anderen Tagen ist es fast sommerlich. Auf jeden Fall spielen die Chilenen Winter, packen sich in dicke Jacken, Schals und Mützen und leiden ungemein. Wenn es noch dazu regnet gibt es kein anderes Thema als den ach-so-strengen Winter.
Regen macht Santiago wirklich unangenehm, denn die Strassen verwandeln sich grossteils in Flüsse weil es so wenige Gullis gibt. Dann muss man sich auf den Bürgersteigen an die Hauswände drücken, wenn man nicht von den vorbeifahrenden Autos und Bussen geduscht werden will. In öffentlichen Gebäuden und Läden wird dann der Boden mit Sägemehl bestreut um den Matsch und das Wasser von den Schuhen zu binden und damit man nicht ausrutscht. Allerdings verwandelt sich diese Mischung schnell in einen fiesen Papp, den man dann überall hinträgt.

Regen in Santiago hat allerdings auch seine guten Seiten, denn er bedeutet Schnee in den Anden und seit einiger Zeit haben wir einen wirklich spektakulären Blick aus dem Fenster:






An den wenigen besonders kalten Abenden, wenn es nach Frost, Schnee und Rauch aus den Kaminen riecht, komme ich richtig in Weihnachtsstimmung. Das ist wirklich komisch: Wir zünden Kerzen an, essen Orangen, treffen und mit Freunden zum Glühwein trinken oder machen heissen Kakao, es wird früh dunkel und spät hell, aber weit und breit ist nichts von Weihnachten in Sicht. Meiner Meinung nach könnte man es hier aus stimmungstechnischen Gründen auf den 24. den Juni verlegen.
Wie gesagt, ist der Winter hier verglichen mit unserem sehr mild un dich habe mir keine Winterjacke gekauft, denn mit Pullover und Schal tut es auch die Sommerjacke. Allerdings habe ich auch noch nie in einem Winter so gefroren wie hier: und zwar DRINNEN! Draussen kann man es mit der erwähnten Kleidung gut aushalten, aber drinnen friert man sich den A... ab. Das liegt daran, dass die Häuser erstens lausigst isoliert sind und es zweitens kaum irgendwo eine (gescheite) Heizung gibt. Und wenn man ein Elektroöfchen anmacht ist das zwar schön und gut, aber die Wärme bleibt nicht lange weil die Fenster nicht 100% dicht sind und es an allen Ecken und Enden reinzieht. Und dabei wohnen wir in einem neuen Haus!!!

Also ist der wärmste Winter den ich erlebt habe auch der kälteste, nämlich in der Wohnung und das einzige was da hilft sind dicke Socken, Wollpullover, eine Extra-Decke zum schlafen und viiiiiiiiiiiel Tee.

domingo, 10 de junio de 2007

Meeresfrüchte und Gesang

Man soll es ja nicht glauben, aber ich habe die Meeresfrüchte für mich entdeckt und in einer Woche so viele Meeresbewohner verschlungen, wie davor mein ganzes Leben lang nicht. Allerdings nicht ganz ohne ein bisschen Nachhilfe:

Unser Freund und Nachbar Felipe hatte uns samt meiner GTZ-Kollegin Antje aus Rostock, die gerade zu einem Praktikum angekommen war, zu seinem Geburtstag in das Haus seiner Eltern in einen Vorort von Valparaíso eingeladen. Das kleine neue Häuschen war gerammelt voll und auf dem noch kahlen Betonhof brannte in Feuer, aber nicht zum Grillen, sondern mit einem riesigen Topf drauf. Und in dem Befand sich meine Weltpremiere im Meeresfrüchte-Essen: "Curanto". Für ein gutes Curanto befülle man den grossen Topf in verschiedenen Lagen mit: Hühnchen, geräucherten Würstchen, Schweinefleisch, Speck, Miesmuscheln (die hier riesig sind), Jakobsmuscheln, Krebsen und noch zwei weiteren Muschelarten, die ich nicht übersetzen kann und Kartoffeln. Dann wird alles mir Kappesblättern abgedeckt, mit Literweise Weiswein begossen und so auf dem Feuer gekocht. Das Ergebnis ist allerleckerstens!!! Das liegt bestimmt auch daran, dass das meiste Getier am Morgen der besagten Feier noch im Pazifik geschwommen ist.

Zur Vorspeise gab es zu meinem nur sehr kurz währenden Entsetzen einen Salat aus rohem Lachs mit Zwiebeln und Zitrone (Seviche), mit Shrimps gefüllte Avocados und Brot mit Pebre. Die absoluten Vitamin- und Omega-3-Bomben.

Bei so einer netten Einladung und so viel Arbeit seitens der kochenden Eltern kann man sich ja essenstechnisch nicht anstellen und siehe da: Ich mochte alles!!! Am nächsten Tag haben wir mit Antje eine Tour durch Valparaíso (siehe Fotos) gemacht und sind zum Mittagessen schnurstrackts in ein von Seba heiss empfohlenes Fischlokal gelaufen...mnjam!

Bevor wir allerdings den nächsten Tag Valpo ansehen konnten, stand noch die typische chilensiche Feier bevor. Zumnindest, was die Chilenen angeht, die ich kenne. Die sind nämlich alle grosse Musiker vor dem Herrn und ich kenne im Ernst fast keinen, der nicht singen kann, und zwar richtig gut und das nicht auch gerne, oft und laut tut. So ein Geburtstag bietet sich dazu an und so sassen bald alle mit Schal, Mütze und Glühwein (wir sind hier gerade zwischen Herbst und Winter) um das Feuer und sangen lauthals, mehrstimmig und sehr gut Volkslieder. Sowas finde ich immer sehr romantisch und wunderbar und so auch diesmal, bis Antje und ich uns überlegten, wie es wohl wäre, solche Feiern in Deutschland zu machen: Man stelle sich eine Gruppe von Leuten zwischen 25 und 35 vor, die die Steroanlage ausschaltet um Volkslieder zu singen, mit Gitarre und Flöte. Dem am nächsten kommt man bei uns noch bei den Pfadfindern oder in anderen Ferienlagern, aber eine Woche später bot sich auf Sebas Geburtstagsfeier in unserer Hochhauswohnung das gleiche Bild: Gitarre, Flöte und Volkslieder. Eigentlich schade, dass die bei uns so gut wie ausgestorben sind.

Als ob die Chilenen Gedanken lesen könnten, kam dann irgendwann der Moment, in dem es hiess, Antje und ich sollen was auf deutsch singen. Au Backe. Nach einer Schrecksekunde versuchten wir dann, uns damit rauszureden, dass ja keiner unsere Lieder auf der Gitarre begleiten kann und wir keine Gitarre spielen. Keine Wirkung. Dann mussten wir feststellen, dass ich, der katholische Niederrheiner und Antje, die in Rostock zur Jugendweihe gegangen ist, so gut wie kein gemeinsames Liedgut aufweisen konnten (Juni, Juli etc. und die Ärtze klingen ja ohne Band nicht und konnten wir auch nicht auswendig) . Letztendlich haben wir dann "Über den Wolken" gesungen...mit genug Glühwein für Passion und Lautstärke und ein bisschen Heimweh in der Stimme waren die Chilenen auch ohne Gitarre begeistert.

ICH HAB SIE!!!

Oh, habe ich schon lange nicht mehr geschrieben...aber das hatte seinen guten Grund und der kann sich sehen lassen: Seit Anfang Mai gehöre ich nicht mehr zu jenen unglücklichen Wesen, die auf der Frage nach der RUT-Nummer verlegen zu Boden blicken müssen, weil sie keine haben. Ich bin jetzt stolzer Besitzer eines chilenischen Personalausweises samt besagter Nummer, die ich jetzt mein ganzes Leben lang behalten werde, egal wie oft und wie lange ich wieder aus Chile verschwinde. Ich bin jetzt also auch hier ein richtiger Mensch! ;-)

Und das war eine Menge Arbeit, obwohl es hier in Chile verglichen mit anderen Ländern noch extrem einfach ist, legaler Einwohner zu werden. Nicht zu verwechseln mit Staatsbürger, auf meinem Perso steht "Ausländer" und meine Nationalität drauf. Hier die Kurzversion des Thrillers "Wie legalisiere ich meinen Aufenthalt":
Man suche sich einen guten Grund im Land zu bleiben, BEVOR das Toruistenvisum abläuft. Verliebt sein zählt leider nicht, aber ich hatte ja zum Glück das Praktikum bei der GTZ ergattert. Dann fülle man ein Formular aus, lege den schriftlichen Beweis des Daseinsgrundes (natürlich notariell beglaubigt), 3 Passfotos, die Kopie von Ausweis und Touristenvisum bei und schicke es an die Ausländerbehörde. Dem geht selbstverständlich voraus, dass man sich vorher bei selbiger mittels Schlange stehen und Zettel lesen informiert hat, wie das geht. Dann heisst es warten, und zwar bis zu 4 Monate. Nach ca. 5 Wochen kommt ein Schrieb in dem steht, dass das Visum in Arbeit um man somit legal im Land ist. Wieder warten.

Dann kommt irgendwann ein Wisch, Brief kann man ihn nicht nennen, in dem man aufgefordert wird, mit dem Ausweis zum Stempeln zu kommen. Man stehe also so früh auf wie man nur kann, um als erster bei der Ausländerbehörde zum Stempeln anzustehen und dann festzustellen das ca. 50 Leute noch früher aufgestanden sind. Man ziehe ein Nümmerchen und warte 2 Stunden. Dann bekommt man von einem äusserst freundlichen Stemplebeamten einen Stempel in den Pass gedrückt und gesagt, dass man jetzt sich bei der Internationalen Polizei registrieren muss. Aha. Auf die Frage wo das denn sei, kriegt man mit etwas Glück einen Zettel mit der Adresse der Polizeistelle und noch einigen anderen Adressen, die weiteres Schlangestehen erahnen lassen. Man begebe sich also zu Internationalen Polizei und...richtig: ziehe eine Nümmerchen und warte 2-3 Stunden. Da das bei uns um die Ecke ist, bin ich erstmal zum Mittagessen und duschen nach Hause gegangen. Im Zentrum zu wohnen erweist sich immer wieder als vorteilhaft.
Bei der Polizei wird also das Visum im Pass begutachtet, man wird auf einer Registrierkarte erfasst (mit Foto, wer hinkommt und keins dabei hat, kann am nächsten Tag nochmal anstehen...allerdings sagen nicht alle Beamten, dass man noch ein Foto braucht...ich hatte Glück) und von dort zum Einwohnermeldeamt geschickt, um seinen Ausweis zu beantragen. Das Einwohnermeldeamt hat aber leider nur morgens auf, so dass man da dann an einem anderen Tag hindackeln darf.

Beim Einwohnermeldeamt musste man zu meinem grossen Erstaunen weder eine Nummer ziehen, noch ein Foto mitbringen. Es gab nur eine Schlange und das Foto für den Ausweis wurde direkt vom jeweiligen Sachbearbeiter an seinem Schreibtisch geschossen: "Bitte in die Kamera schauen, Augen geradeaus und nicht lachen." Zum krönenden Abschluss dann noch eine Hommage an Herrn Schäuble: Man muss ALLE ZEHN Fingerabdrücke dalassen. Da steht man dann hinterher auf der Strasse mit zehn schwarzen Fingern und kommt sich ziemlich bescheuert vor. Der Abdruck des rechten Daumens erscheint digitalisiert auf dem Ausweis und niemand findet etwas dabei.
Wenn man sich schön brav in die Verbrecherkartei hat aufnehmen lassen, kriegt man eine Bescheinigung ausgehändigt, auf der steht, dass zwei Wochen später der Ausweis fertig ist. Dann kommt man wieder, gibt sie ab und stellt ich in einen grossen Pulk von Leuten. Nach und nach werden dann alle aufgerufen und bekommen ihren Ausweis, der eher wie eine Scheckkarte aussieht. Allerdings muss man als Ausländer mit einem nicht-spanischen Namen höllisch aufpassen, damit man seinen Namen erkennt: Ich höre ihr auf etwas, das so ähnlich klingt wie "Berra Nittän".

Mein nächstes Visum ist auch schon gesichert (ja, ich darf die ganze Prozedur in ein paar Wochen nochmal machen, da mein Visum nur bis 30.06. geht). Ich habe nämlich tatsächlich einen Job ab 1.7. gefunden und bin somit keinen einzigen Tag arbeitslos!!! Das ist nicht die grosse Karriere, aber ein ganz netter Laden, über den es einen Extra-Eintrag gibt, wenn es soweit ist. Yeah, der Mai war ein ziemlicher Glücksmonat!!!

lunes, 7 de mayo de 2007

Ab in den Süden...

...dem Regen hinterher!

Nachdem die letzten Wochen mit Diplomarbeit fertigschreiben (Seba) bzw. Visum hinterherlaufen, Bestimmungen lesen, informieren und Bewerbungen schreiben (meine Wenigkeit) und Pläne schmieden (beide) doch ziemlich an die Nerven gegangen sind, haben wir uns den 30.04. freigenommen und sind am Freitagabend vorher einfach mal ein paar Tage verschwunden. Aus Santiago zumindest. Da Sebas ganze Sippschaft aus Chiles grünem Süden kommt, war das Ziel schon klar, denn dort war sicher, dass wir gefüttert werden und ein trockenes Plätzchen zum Schlafen kriegen würden. Die Campingsaison ist dann doch vorläufig vorbei, es sei den man steht auf Schnupfen und Frostbeulen oder hat Zeit und Geld um gaaaaaanz weit in den Norden zu fahren.

Also ab in den Nachtbus und 11 Stunden absitzen bis Puerto Varas (das könnt ihr jetzt mal im Atlas suchen!!!). Dabei muss ich immer wieder sagen, dass die Reisebusse hier echt erste Sahne sind: Man kriegt Kopfkissen, Decken, Filmchen und Morgens Kaffee und Kekse. Für den Fall dass einer an Bord eine Seuche weiterverbreitet werden von allen Passagieren die Telefonnummern eingesammelt, damit man sie zur Not anrufen und zum Arzt schicken kann. Ist angeblich mal vorgekommen und seitdem machen sie das auf Fahrten, die länger als 4 oder 5 Stunden dauern.

Am ersten Tag sind wir erstmal mit Apfelstrudel und gebratenem Fisch verwöhnt worden und haben dann am zweiten in einem Mietauto die Flucht ergriffen, um die Gegend von Hornopirén (das ist WIRKLICH der AdW!!!) genauer unter die Lupe zu nehmen. Ich bin mal wieder zu dem Hüsch-Ergebnis gekommen: Schön, sehr schön, aber wohnen möchte ich da nicht. Im Süden auf dem Land wohnen die Leute nämlich in Holzhäusern von denen viele Ähnlichkeit mit deutschen Gartenhäuschen haben, aber schlechter in Schuss sind. Die Häuser sind hier fast alle aus Holz, die Aussenwände bestehen aus einer Art Sperrholzplatten, auf die dann zur Isolierung Styropor kommt. Darüber dann die äussere Holzplattenschicht und fertig, zu bewundern im Fotoalbum. Da es hier auch so gut wie keine Handwerksausbildung gibt (wofür denn, ein bisschen hämmern, sägen und pinseln kann ja jeder), könnt ihr euch vorstellen, wie doll vor allem die älteren Häuser sind. Gut die Hälfte der Häuser steht auch noch auf Stelzen oder sowas, weil ein Fundament aus Beton teuer ist und ein Holzboden auf der Wiese schnell weggammelt...von unten ziehts also auch noch. Isolierung usw. kann man total vergessen und das bei der Kälte im Winter. Ausserdem regnet es hier immer und es gibt keine Heizung...Feueröfen sind ja romantisch, aber auf Dauer, nunja. Manche Gegenden sind auch so abgelegen, dass es entweder gar keinen Strom gibt, oder pro Dorf ein Dieselgenerator rattert, was die Sache teuer macht. Noch dazu kamen wir ausserhalb jeder Saison in Hornopirén an, so dass man nicht übernachten und nur mit sehr viel Mühe etwas Essbares finden konnte. Wo wir schliesslich doch noch was gefunden haben, mussten wir uns beeilen, weil das ganze Dorf zum Pferderennen ging und die Besitzerin des Restaurants natürlich nicht fehlen wollte.
So, damit ihr nicht denkt, dass der Süden von Chile ein totales Desaster ist, jetzt zu den schönen Dingen: Die Landschaft!!!


Um Puerto Varas herum sieht es exakt aus wie am Niederrhein, die haben sogar die gefleckten Kühe. Der Unterscheid ist der, dass sich eben diese die Wiesen mit Ñandus (eine Art Vogelstrauss) teilen und ab und zu immer mal wieder ein schneebedeckter Vulkan aus dem Boden wächst, nämlich dann, wenn die Regenwolken wegziehen und die Sicht freigeben. Das ist dann immer wieder ein Aha-Effekt. Die Gegend um Hornopirén ist voller Wald, kalter Regenwald. Das sind richtige Urwälder und man kann davon ausgehen, dass da abseits einiger Wanderwege selten bis nie ein Mensch hingetreten hat. Unterwegs findet man immer wieder Wasserfälle, verstreute Holzhütten und Fischerbuchten und die Fjorde kann man mit Autofähren überqueren.Da ist es wirklich wund-der-schön!

Hier werden auch viele Lachse gezüchtet, das ist superinteressant, weil die runden Lachsbecken, die im Meer abgetrennt sind, nachts beleuchtet werden, damit die Lachse denken, es sei immer Tag und sich schnell fettfuttern. Diese Lichter unter Wasser sehen aus wie Szenen aus Akte X oder sowas.

Am nächsten Tag haben wir die Pläne geändert, das Mietauto abgegeben und sind dafür bei strömendem Regen mit Sebas Eltern und seinem Bruder Pablo plus Familie an den Lago Puyehue gefahren und haben und dort Hütten mit Seeblick gemietet. Dann bin ich erstmal mit Pablo und den Seinen im nah gelegenen Thermalbad verschwunden (ein Becken heisses Wasser für 9 Euro, nix Karolus-Thermen!) während Seba, der nicht sooooo gerne nass wird, das nötige tote Tier fürs abendliche Grillen herbeigeschafft hat... Das war mal Entspannung, erst im heissen Wasser tummeln, und dann auf der Veranda mit Blick auf den See in einer alten Schubkarre Fleisch brutzeln. Noch dazu einen Pisco Sour und ein Bierchen und Santiago ist vergessen. Am nächsten Morgen haben wir dann mit den Kiddies Mariana, 11 Jahre und Alvaro, 7 Jahre (Hilfe, sie nennen mich Tante!!!) das Gelände erkundet und ein paar Prachtexemplare von Fliegenpilzen gefunden. Nach einem letzten Trip in den Wald mussten wir leider am Dienstag abend wieder rein in den Bus und ab nach Santiago, wo wir dann um 7:30 morgens angekommen sind...und um 9 Uhr auf der Arbeit waren (gähn!). Aber es hat sich gelohnt.

PS: Sorry, ich habe wirklich keine Ahnung, warum die Schrift manchmal schön und manchmal eng erscheint...habe alles versucht und gehe jetzt schlafen. Falls jemand einen HTML-Code für 1,5-fachen Zeilenabstand oder sonst eine Lösung kennt, bitte melden.

sábado, 21 de abril de 2007

Umzug

Anfang April sind wir auf die andere Strassenseite umgezogen, in einen neuen Wolkenkratzer, der gerade fertig geworden ist. Von aussen kann man geschmacklich drüber streiten...


...aber von innen bringt er enorme Vorteile mit sich: 10qm mehr, Kellerraum, Balkon, Kinosaal, Gemeinschaftsräume und auf dem Dach Swimmingpool, Fitnessraum und Sauna. So lässt es sich im Zentrum vom Zentrum von Santiago doch ganz gut aushalten. Das einzige was immernoch stört, ist der Lärm.

Dafür haben wir jetzt eine spektakuläre Aussicht und werden jeden Morgen von der Sonne geweckt, wenn sie erstaunlich schnell über die Anden klettert.


Der Umzug an sich war auch ziemlich lustig und wir haben es leider versäumt, Fotos zu machen, weil der Fotoapparat gut verstaut war. Wenn man von einer Strassenseite auf die andere wechselt, kann man sich ja zum Glück den LKW sparen und so viele Sachen, dass sich einer gelohnt hätte, haben wir ja auch nicht. Trotzdem kann man ja nicht jedes Buch und jede Tasse einzeln rübertragen. Zum Glück gibt es hier in den grossen Mietshäusern überall Tiefgaragen. Und für die Leute, die da mit dem Auto vom Einlaufen ankommen, stehen in jeder Tiefgarage Einkaufswagen bereit, damit sie ihre Einkäufe im Aufzug in die Wohnung transportieren können. Also haben wir zwei davon für einen Tag ausgeliehen und unsere Sachen reingepackt. Da kam ich mir schon ganz schön blöd vor: Beim Umzug zieht man sich ja nicht gerade fein an und dann kamen wir mit den rumpelnden Einkaufswagen und unseren Sachen zum Schutz vor Dreck und Schlägen (wegen der Schlaglöcher auf der Strasse) in Decken eingepackt so ziemlich als erste Bewohner in ein neues schickes Haus mit Springbrunnen im Foyer. Hm. Da die Hausmeister bzw. Consierges hier alle Hemd und Krawatte tragen, war der Kontrast natürlich noch grösser. Wir sind aber nicht die einzigen, die über die Strasse umziehen und die Anderen haben sich die Einkaufswagenmethode schon bei uns abgeschaut.

Wie auch immer, nach zwei Tagen war alles eingeräumt und wir fühlen uns hier pudelwohl. Und noch können wir Krach machen und singen so viel wir wollen, denn es gibt auf unserer Etage noch sehr wenige Bewohner und bisher keine direkten Nachbarn. Alle Fotos von innen und aussen gibt es hier. Und allen, die das dekadent finden, sei gesagt: Alle neuen Häuser werden jetzt so gebaut und alle mit chilenischer Qualität, was ich jetzt nicht weiter ausführen möchte...

martes, 3 de abril de 2007

Marzitis

Marzitis ist eine schlimme Krankheit, die viele Chilenen jedes Jahr im März befällt (daher auch der Name).
Die Symptome haben je nach persönlicher Lebenssituation des Einzelnen unterschiedlich starke Ausmasse:
  • Ein bisschen klammer als sonst
  • Chronisch leeres Portemonaie, keinerlei Spass und Luxus im März
  • Familienkrach auf Grund von leeren Konten und Schulden
  • Depressionen
  • Ernsthafte Existenzsorgen
  • Schuldenfalle
  • In Extremfällen Selbstmord

Die Ursachen dieser Seuche sind vielfältig und häufig nicht nur bei der bösen bösen Welt zu suchen, aber vor allem da: Erstens fängt im März die Schule wieder an, was bedeutet, dass die Kinder Schulsachen brauchen, eventuell muss Schulgeld gezahlt werden, bei älterem Nachwuchs sind die Studiengebühren fällig und die Kinder brauchen Schuluniformen. Das mag sich für unsere Ohren nicht so schlimm anhören, aber dem chilenischen Arbeiterhaushalt mit 2-3 Kindern macht das schon extrem zu schaffen. Schuluniformen für drei Kinder können schon mal einen halben bis einen Monatslohn ausmachen, von Material reden wir gar nicht.

Zweitens muss man ausgerechtnet im März die so genannte Fahrerlaubnis bezahlen. Das ist nämlich hier so, dass man nicht regelmässig Kfz-Steuern bezahlt, sondern einmal im Jahr sein Kennzeichen erneuern lassen muss. Das kostet je nach Autogrösse. Dieses Problem trifft eher die Mittelschicht und vor allem die untere Mittelschicht, die sich so grade eben ein Auto leisten kann, oder auch nicht. Die ärmeren Leute haben entweder sowieso kein Auto...oder sie sind durch den Besitz eines Autos so verschuldet, dass es auf die Plakette auch nicht mehr ankommt.

Damit kommen wir zum eigentlichen Problem: Ein grosser Teil der Chilenen ist bis über beide Ohren verschuldet. Das widerum liegt daran, dass es hier unglaublich einfach ist, an Kredite zu kommen. Nicht bei der Bank, nein, aber überall wo man was kaufen kann. Ich habe noch nie im Leben so agressive Werbung für Leben auf Pump gesehen, ich würde mal sagen, die Hälfte der Fernsehwerbung geht für Kredite drauf. Da sehen dann die Leute Dinge, die sie sich nicht leisten können und jemand Nettes kommt und erzählt ihnen wie einfach es auch für sie jetzt ist durch eine Kundenkarte, Kauf auf Raten (sogar Klamotten und Essen kann man auf Raten kaufen) oder Sofortkredite am Konsum der Reichen und Schönen teilzuhaben; man muss einfach nur um Geld bitten und schon fliesst es. Das an sich lässt sich ja noch vertreten, sollte man meinen, denn die Leute sind ja erwachsen und informiert genug, um zu wissen, was sie kaufen können und was nicht. Weit gefehlt, denn wenn der alte Pinochet eins geschafft hat, dann seine Leute dumm zu halten. Eine Informationskultur steckt hier noch in den Kinderschuhen, eine neue Generation (die Pinguine) fängt gerade erst wieder an, die Dinge zu hinterfragen und Bücher sind immer noch Mangelware. So fallen gerade die Leute, die es sich am wenigsten erlauben können (die "bildungsfernen Schichten" würde man in Deutschland sagen) kritiklos auf die Kundenjäger herein, ohne zu wissen dass das Ganze mit Zinsen und Provisionen einhergeht, die sich gewaschen haben. Dazu kommen die attraktiven Punktesammel-Programme, bei denen man für soundsoviel Punkte ein Extraprodukt geschenkt bekommt usw. Schön und gut, aber hier trifft das Ganze auf eine völlig unvorbereitete Bevölkerung, die im Moment dabei ist, konsumtechnisch viele Jahre viel zu schnell nachzuholen und absolut anfällig für jede Art der Werbung ist.

Ein ganz grosses Problem sind in diesem Zusammenhang die Weihnachtsgeschenke: Man kauft sie auf Raten und die Raten fangen erst im März an zu laufen...das ist von Weihnachten aus weit weg und man kann ja so tolle Sachen kaufen und dann ist man ja auch wer. Die teuren Sachen kann man 36 Monate abstottern...dann gab es aber schon wieder zwei neue Weihnachten, die teuer werden...so weit denken aber viele erst, wenn der März da ist. Und dann kriegen sie Marzitis. Und das tut weh!

Das Problem ist natürlich landesweit bekannt, auch bei den Kreditgebern. Die bieten wahnsinnig günstige Kredite an, damit die Leute über den März kommen. Und die Kaufhausketten kassieren für im März gekaufte Sachen erst im Mai, damit sie nicht auch darunter leiden. Und die Leute sind verzweifelt oder dumm genug, das auch noch mitzumachen. Und wenn sie nicht sehr aufpassen, weitet sich die Marzitis zu einem nicht operablen Tumor aus und geht in Ganzjahresitis über.

lunes, 26 de marzo de 2007

Amerikanische Betten

Vor zwei Wochen mussten wir ein neues Bett kaufen. Das alte hat den Geist aufgegeben. Nein, nicht wie die Leute mit der dreckigen Phantasie jetzt denken, sondern einfach beim draufsetzen (Seba war´s). Das lag wohl daran, dass die Seitenteile aus Furnierholz waren, es schon mehrfach auseinander und wieder zusammen gebaut und auch schon diverse Male mit einigen zusätzlichen Nägeln halbwegs gerettet worden war. Chilenische Qualität aus den frühen 60ern...

Nunja, eines Samstag morgens war es halt einfach hin und nicht mehr zu reparieren. Ich hab mich ganz heimlich gefreut, denn nun musste ja ein neues her und wir brauchten nicht mehr auf dem ollen Rückenzerstörer mit der Schafwollmatraze (ebenfalls aus den frühen 60ern) schlafen. Habe aber ganz echt Entsetzen geheuchelt ;-)

So weit, so gut, nur musste noch am selben Tag ein bezahlbares Bett her. Also erstmal im Internet die Kaufhäuser abgeklappert, aber das war nicht soooo überzeugend. Ich habe mir einmal mehr IKEA gewünscht. Dann hat ein Freund uns geraten, zu einem Fabrikverkauf auf einer Ausfallstrasse von Santiago zu fahren. Also los, ab in die Metro und von da zu einem Überlandbus, oh wie schoen sind kleine Städte bwz. der Besitz eines Autos.

Und jetzt muss ich erklären, dass man hier in Chile fast nur "amerikanische Betten" kaufen kann. Klar, wir sind ja auch in Amerika. Was das ist, wusste ich bis dahin nicht, aber ich hatte mich wohl gewundert, dass alle Leute (ausser den Eltern von Seba) scheinbar keine Betten hatten. In allen Schlafzimmern das gleiche Bild (das weiss ich so genau, weil man meist das Schlafzimmer durchqueren muss um ins Bad zu gehen) : Zwei ziemlich hohe, aufeinandergelegte Matrazen, von denen die obere ein Spannlaken aufgezogen hatte und die untere nichts. Seltsam.

Im Möbelhaus wurde mir dann erklärt, dass das "Amerikanische Betten" sind: Unten eine Art Holzkiste, die mit dem Stoff der Matraze bezogen ist. in der Holzkiste befindet sich je nach Preis ein mehr oder weniger gutes Federungssystem, die teuersten haben diese Metallspiraldinger und heissen dann Box-Spring. Darauf liegt dann die eigentliche Matraze. Wenn jemand sein Bett ordentlich mit den hier üblichen Tagesdecken macht, sicht man die untere "Matraze" nicht und man braucht also keinen Holzrahmen.


Damit es doch etwas mehr nach Bett aussieht, kann man Kopfteile in verschiedenen Designs kaufen, die dann hinten zwischen Wand und Bett gesteckt werden. Geschmacksache.

Nunja, diese Betten sind also hier der Normalfall und das was wir kennen (also ein Holz- oder Metallgestell mit Latten) ist für Doppelbetten der Inbegriff von altmodisch, nur Kinderbetten werden so gemacht. Die amerikanischen Betten haben aber einen entscheidenden Nachteil: Man kann nichts drunter- oder reintun. Da das bei unserer Wohnungsgrösse aber sein muss, hatten wir uns im Bus darauf geeinigt, ein "europäisches Bett" zu kaufen. Allerdings gab es in der Fabrik mangels Nachfrage nur ein einziges Modell, sozusagen für die exotischen Kunden. Das war ganz schön und auch nicht so teuer, aber ganz sicher waren wir nicht. Leider hatten wir uns das mit dem Platz aber erst im Bus überlegt und so die Internetseiten gar nicht nach diesen Beten abgesucht. Also: Watt nu?

Wir wollten unbedingt vergleichen und dafür in die nächste Mall fahren. Leider kam kein Bus und auch kein Taxi, so dass wir diese Idee schon fast wieder begraben wollten, als uns eine nette Frau, die unser Gespräch mitgehört hatte, mitgenommen hat. Sowas funktioniert hier echt gut.

In der Mall haben wir alle Läden abgeklappert, die in irgendeiner Form Möbel verkaufen. Das hätten wir uns auch sparen können, denn die Verkäufer schauten uns an wie die Autos, manche wussten erstmal gar nicht, was wir wollten. Nach Sebas blumiger Beschreibung ("Sie wissen schon, so ein Bett wie es die früher gab, so mit Holzlatten und so...") guckten sie meist noch komischer und ein wenig mitleidig.

Ok, also sind wir wieder zurück gefahren (Taxi) und haben (wie immer) das erste Modell gekauft. Und standen damit vor dem nächsten Problem: Der Lieferservice der Fabrik würde uns das Bett in 4 Tagen bringen und der private Lieferservice, den man vor der Tür anheuern kann war erstens teuer und zweitens gerade mit jemand anderem weggefahren. Da hatten wir schon wieder Glück, denn einer der Verkäufer arbeitete nach Feierabend als Taxifahrer und hatte sein Taxi vor der Tür. Allerdings war es ihm verboten, während der Arbeitszeit als Verkäufer gegen Geld Möbel zu befördern. Also war es doch gut, dass wir in der Mall waren, denn so kamen wir genau richtig zum Feierabend zurück und wurden dann 10 Min später zum Super-Extra-Sonderpreis mit Bett und Matraze auf dem Dach nach Hause gefahren. Fazit: super gelaufen! Und das neue Bett ist so bequem, das man am besten morgens gar nicht aufsteht.

Ach ja, nochwas: Man muss sich immer wieder an die Grössenverhältnisse hier gewöhnen: Es gibt Betten mit einem Platz, 1,5 oder 2 Plätzen. Und das reguläre Ehebett mit 2 Plätzen misst standardmässig ganze 1,90x1,50!!! Allerdings darf es auch keine deutschen Ausmasse haben, denn die Schlafzimmergrösse der Otto-Normalbürger hier geht von 2,50x2,70 über 2,70x2,70 bis hin zu extremen 2,70x3,00 Metern!!! (Juhu, wir verbessern uns bald von 2,70x2,70 auf 2,70x3,00.) Stellt euch da mal ein 2x2 Meter-Bett drin vor...
Von den Picknick-, äh, Bettdecken, mit denen hier geaschlafen wird, den lebensgefährlichen losen Bettlaken und dergleichen mehr erzählt demnächst eine andere Maus.

jueves, 22 de marzo de 2007

Die eigenen Grenzen


Den Satz "Ich kann nicht mehr" habe ich, zumindest was physische Anstrengungen angeht, vorlaeufig aus meinem Wortschatz gestrichen. Das ist jetzt auch schon wieder drei Wochen her und kam so:

Ein (chilenischer) Freund von Seba, den er beim Austausch in Aachen kennen gelernt hat (obwohl beide aus Puerto Montt kommen), hat sich in Aachen eine Schweizer Freundin (Dani) angelacht, mit der er immer noch zusammen ist. Die ist gerade zu Besuch und dieses Wochenende wird der Freund (Gustavo) mit ihr in die Schweiz fliegen und da bleiben. Und weil er dann die Anden gegen die Alpen austauschen muss und deswegen nicht mehr weit über 4000m kommen kann, aber ein begeisterter Bergsteiger ist, wollte Gustavo eine Abschiedsbergtour machen und hat uns dazu eingeladen. Er wollte vor seiner Abreise noch auf den Cerro Plomo, den mit ca. 5400m höchsten Berg der Region Santiago, steigen. Also haben wir uns erstmal getroffen um die Tour zu planen, die an nur einem Wochenende schon ziemlich krass werden wuerde. Gustavo wollte auf den Gipfel steigen (mit Eispickel und so weiter) und als gemeinsames Gruppenziel haben wir die Ankunft im Basislager (4300m) definiert. Von da aus jeder, wie er meint. Ich dachte, Mensch, wenn Du schon so nah dran bist, kannst du auch gleich bis oben... das sollte sich aber als fataler Irrtum erweisen, denn ich bin und bleibe doch Niederrheiner...



Freitags abends sind wir zu viert mit Sack und Pack mit Gustavos Auto Richtung Anden gedüst, immer hoeher und hoeher, bis zu einem Punkt, wo wir das Auto stehen lassen mussten, um zu Fuss zum ersten Zeltplatz zu gehen. Dabei ist der Zeltplatz einfach ein Platz, wo man zeltet, wo es auf Grund des eben Bodens moeglich ist, ein Zelt aufzustellen. Hat mit Zeltplatz nichts zu tun, Wasser kommt aus den Bergen und das Klo ist jeweils hinter dem groessten Felsbrocken. Als wir am Parkplatz (3450m) ankamen, war es leider schon dunkel, so dass wir nur mit Mondlicht und nachher, als der Mond weg war, mit Taschenlampe gehen mussten. Und das auf einem ca. 50cm breiten Trampelpfad mitten durch die Anden und auch mal durch nen Bach. Immerhin weiss ich jetzt, dass Karl May zumindest in dem Punkt nicht gelogen hat und man bei Vollmond verdammt gut sehen kann.Trotzdem ist mir im Nachhinein noch anders geworden, als ich den Weg im Hellen gesehen habe...


Nach knapp zwei Stunden kamen wir dann an den ersten Zeltplatz (3150m) in einem Tal und haben nur noch Zelte aufgebaut, ein Brötchen reingeschoben, uns ins Bett gelegt...und erbärmlich gefroren. Dazu kam, dass man beim Umdrehen, was im Schlafsack ja nicht so einfach ist, gemerkt hat, dass die Luft schon duenn war: Man schnappt und schnappt nach Luft und es kommt irgendwie nix in die Lunge.
Am naechsten Morgen haben wir erstmal gesehen, dass wir nicht alleine waren, es gab noch andere Zelte, Kühe, und Pferde (weiss der Kuckuck, wie die von den drei Grashalmen da leben). Und das Beste: Wir hatten das Ziel jetzt vor Augen. Sah gar nicht so weit aus, laut Informationen auf einer Trecking-Seite 4-6 Stunden zu Fuss.


Ok, also los. Oje, nach ein paar hundert Metern wollte ich schon das erste Mal sagen, "ich kann nicht mehr" und der Berg kam gar nicht naeher. Irgendwann kamen Kopfschmerzen dazu und der Rucksack wurde schwerer, aber die Fuesse liefen immer weiter. Komischerweise hatten wir gar keinen Hunger und so gab es auch keine Hoffnung auf einen leichteren Rucksack. Ich weiss nicht, wie oft ich mich gefragt habe, warum man auf die Idee kommt, sowas freiwillig zu machen und das auch noch Freizeitbeschaeftigung zu nennen. Noch dazu ist es so weit oben nichtmal besonders schön, denn es wächst absolut nichts und wo kein Schnee ist, sind nur Steine und es sieht aus wie auf dem Mond. Langsam habe ich auch bereut, vorher so grosse Töne gespuckt zu haben, von wegen "Wenn man schon mal so nah dran ist..." und verzweifelt versucht, nicht den Anschluss zu verlieren, obwohl die anderen schon öfters gewartet haben. Jaja, man muss halt mal das schwächste Glied in der Kette sein, um etwas bescheidener zu werden. Eigentlich war die Strecke nicht weit und 6 Stunden zu wandern ist auch nicht so das Ding, aber es ging halt immer bergauf. Über die "ich-kann-nicht-mehr-Phase" war ich irgendwann hinaus, weil ich nämlich gemerkt habe, dass man eigentlich doch immer noch weiter kann, man muss nur den Schweinehund überwinden und weitermachen. Das Basislager, in wo wir schlafen wollten (wieder nur eine ebene Steinflaeche) war bei 4300 Metern in einem Gebirgskessel. Das heisst, am Ende ging es nochmal 150m steil bergauf, um über den Kesselrand zu kommen. Auf dem oberen Foto ist das der kleine Hügel links neben den grossen Gletscher. Davor gab es aber eine kleine Hochebene, auf der viele Zelte standen. Ich wäre fast vor Erleichterung geplatzt, denn die letzten 200m hatte ich schon mit den Tränen gekämpft. Dann sagten mir die anderen, das sei nicht unser Basislager und zeigten auf den oberen Kesselrand. Oh nein!!! Ich wollte lieber unten campen, aber es stand drei gegen eins. Also noch mal das Letzte mobilisieren. Ich habe mich noch nie im Leben so seltsam gefühlt, denn ich habe meinen ganzen Körper nicht mehr gespuert. Normalerweise, wenn man nicht mehr kann, kann man es auf ein Körperteil schieben, oder auf den Rucksack oder darauf, dass irgendwas weh tut. Aber da war nichts dergleichen. Der Rucksack nicht mehr zu merken, kein Schmerz, keine Muedigkeit, nichts. Nur einfach das Gefuehl, dass alle Grenze ueberschritten sind. Nach ein paar Schritten Richtung Kessel war ich schon weit zurueck. Die Jungs haben mir unter Protest den Rucksack abgenommen, damit ich ohne schneller weiterkomme. aber es lag nicht am Rucksack. Nach weiteren 20m ohne Rucksack wusste ich genau, dass ich fuer nichts in der Welt mehr einen Schritt weiter gehen KANN, auch wenn ich will (ich wollte ja). Bin stehengeblieben und habe vor Erschöpfung geheult wie ein Schlosshund.

Ich schreibe das alles so genau, weil mir sowas noch nie im Leben untergekommen ist, nicht beim Fahrrad fahren, nicht beim Wandern, Zirkeltraining und auch nicht beim Klettern. Da haette ich noch gekonnt, war aber meistens zu faul. Ich fand die Vorstellung, jetzt wirklich meine eigenen Grenzen zu kennen einerseits fürchterlich, weil die anderen alle noch konnten und andererseits wunderbar, weil das Gefuehl, oder besser gesagt, Nicht-Gefuehl so einzigartig ist. Weil ich nun wirklich nicht mehr weiter zu bewegen war, haben wir unten auf "nur" 4150m gezeltet und das war gut so, denn wie sich nachher herausstellte, was das das eigentliche Basislager, wo es auch Wasser gab und weiter oben war nur ein einzelnes Zelt und es war noch viel windiger. Wir haben dann unsere wohlverdienten Spaghetti gekocht und viel Tee, und sind dann schleunigst im Zelt verschwunden, denn sobald die Sonne da oben Weg ist und der Wind pfeifft, gibt es Temperaturen um die Null Grad (zumindest ist der Bergbach ueber Nacht eingefroren). Dafür wird man tagsüber erbarmungslos gegrillt.

Gustavo wollte sich um 3 Uhr nachts Richtung Gipfel aufmachen, um morgens zurueck zu sein und auch weil nachmittags da oben immer Wolken aufziehen und es dann gefaerhlich werden kann. Seba und ich waren am Abend etwas hoehenkrank und mussten erstmal Paracetamol nehmen. Seba hat sich dann frueh am Morgen doch noch aufgerafft und hat es bis auf 4600m geschafft...und das mit der schlechtesten Ausruestung von allen! Dani und ich wollten später wenigstens bin zum Kessel steigen, aber im Endeffekt habe ich das Lager gehuetet, denn mir war immer noch schwummrig und allein die Vorstellung diesen steilen Weg hochzulaufen, hat mir fast den Magen umgedreht.

Immerhin habe ich was gelernt: Man kann weiter, als man denkt. Irgendwann kann man trotzdem nicht mehr und: Bei Sachen, von denen man keine Ahnung hat, sollte man einfach mal die Klappe halten und keine grossen Töne spucken.

Als alle wieder heile im Lager waren, haben wir uns auf den Rueckweg gemacht, wobei runter nicht viel leichter ist als rauf, weil es total auf die Knie geht. Am Ende habe ich mich sowas von auf Santiago gefreut...man lernt doch zu schaetzen, was man hat.

Natürlich haben wir da oben schöne Fotos geschossen, die findet ihr hier.
Ach ja: Ich würde jederzeit wieder eine Bergtour machen. Der Mensch ist schon ein verrücktes Tier.

jueves, 15 de marzo de 2007

Auf ewig gestapelt

Vor ein paar Wochen, am Wochenende, habe ich Seba mal mit seiner Diplomarbeit alleine gelassen und mit einem Nachbarn und Freund (Felipe) einen Fahrradausflug an einen etwas ungewöhnlichen Ort gemacht: Auf den Zentralfriedhof von Santiago. Ich hatte ja schon das Vergnügen auf einem guatemaltekischen Friedhof und aus spanischen Filmen kannte ich die dortige Bestattungsart und so war der Kulturschock nicht ganz so gross. Ich sage: Nicht ganz so gross, denn gewöhnungsbedürftig war der Friedhof hier dann doch und das ist ganz bestimmt nicht der erste Ort der Wahl an dem ich einst bestattet werden möchte. Wo wir bei Guatemala und spanien waren: Der hier war so eine Mischung aus beiden. Von den Spaniern haben sie auf jeden Fall das Stapeln. Ist ja eigentlich auch logisch: Viele Leute leben in Santiago gestapelt, sprich in Hochhäusern. Wenn man tot ist, wird man halt auch gestapelt. Das spart Platz, Blumen und Arbeit. Aber ob das schön ist?

Etwas weiter hinten auf dem Friedhof stossen wir auf die älteren Gräber, so ab 200 Jahre alt würde ich tippen. Das sind riesige Gruften. Einige mit grossen Toren davor, andere mit Kellereingängen, die sogar offen waren. Da haben wir uns aber nicht reingetraut. Diese Gruften sind entweder von sehr reichen alten Familien, teilweise von ehemaligen Präsidenten, Nationalhelden aus dem Unabhängigkeitskampf... oder aber von Gewerkschaften. Diese sind dann nicht so alt, aber dafür noch grösser. Es gibt z.B. jeweils eine Gruft der Vereinigten Zeitungsausträger, Milchmänner, Feuerwehr, Metzger, Journalisten und so weiter. Die unterscheiden sich von einer normalen Grabwand dadurch, dass sie begehbar sind, ein Tor und teilweise einen Innenhof haben und vergleichsweise gut in Schuss sind.



Wenn man ein Nationalheld war, dann kriegt man so ein tolles Monument gesetzt. Dafür sind Nationalhelden meistens nicht an Altersschwäche gestorben...

Auf der anderen Seite gibt es wiederum Gräberfelder, die eine gewisse Ähnlichkeit mit dem haben, was wir kennen. Allerdings fällt dabei auf, dass alle verdammt schlecht in Stand gehalten sind. Es sind zwar über und über Blumen, Fahnen vom Fussballclub, Kuscheltiere, Privatsachen und Fotos drauf, aber auch schon nach wenigen Jahren die Randsteine nach innen gekippt, die Deckel eingefallen und es gibt grosse offene Löcher, in die ich lieber nicht so genau reinschauen wollte...dann vielleicht doch lieber die Einmauermethode... Ausserdem sind die alle so dicht aneinander, dass man dazwischen höchstens auf Zehenspitzen laufen kann. Soweit ich das gesehen habe, gibt es auch sehr selten Blumenbepflanzung. Entweder stellen die Leute Vasen hin, oder künstliche Blumen. Damit die Blumen in den Vasen nicht so schnell verwelken, spannen sich über vielen Gräbern abenteuerliche Dachkonstruktionen. Jeder baut und stellt halt hin, was er will, was er schön findet und was praktisch und billig ist. Ob das zusammenpasst, ist völlig egal. So spiegelt sich Santiago in seinem Friedhof.

Felipe war die ganze Zeit auf der Suche nach den Grab von Victor Jara. Victor Jara war ein kommunistischer Liedermacher, der auch heute noch, auch unter Nicht-Kommunisten, sehr beliebt ist (ich kenne seine Lieder auch schon auswendig). Victor Jara wurde ein paar Tage nach Pinochets Putsch mit vielen anderen im Fussballstadion von Santiago erschossen, wohin die Putschisten alle kommunismusverdächtigen verschleppt hatten. Weil er so eine Art Heldenstatus hat, dachten wir, wir würden ein riesiges Denkmal vorfinden. Pustekuchen. Auf die Frage, wo das denn nun sei, wurden wir an die hinterletzte Mauer geschickt. Auf dem Weg dahin kamen wir über ein paar besonders trostlose Felder: Keine Namen, nur eine Menge verbogener, verrosteter Kreuze, teilweise Löcher, keine eigenen Blumen. Auf einem Feld hatte jemand an ca. 200 Kreuzen je eine Plastikrose befestigt. Felipe meinte, das müsste das Feld der Verschwundenen sein. Ob da wirklich Leute begraben sind oder einfach nur symbolisch Kreuze aufgestellt wurden für die, die man nie gefunden hat, weiss ich nicht. Dahinter, in der letzten Mauer, finden wir endlich Victor Jara. Von wegen Denkmal. Sein "Loch" ist immerhin rot angemalt und hat die meisten Blumen. Ausserdem gibt es ein Hinweisschild auf eine besondere Persönlichkeit, wo kurz die Geschichte aufgeführt ist. Das Unheimliche an der letzten Wand, und deswegen ist es wahrscheinlich auch die letzte und so gut versteckt, ist, dass alle Todesdaten aus der gleichen Woche stammen: Mitte September 1973. Am 11.09.1973 war der Putsch. Deswegen hat der elfte September hier eine ganz andere Bedeutung, niemand denkt dabei an New York. In dieser Wand finden sich also die wieder, die nicht genehm waren, oder zur falschen Zeit mit den falschen Leuten am falschen Ort, oder nicht gut genug versteckt.


Ach ja... man kann übrigens auf dem Friedhof ohne Probleme Eis, Lotterielose und kalte Getränke kaufen...nur keine Blumen, die kauft man am Eingang.


miércoles, 21 de febrero de 2007

Temperatursturz

Letzten Freitag ging es mir richtig gut. Ich habe ich mich hier richtig wie zu Hause gefühlt, oder auch wie in Aachen: Es war je nach Tageszeit zwischen acht und zwölf Grad kalt und hat den ganzen Tag ununterbrochen geregnet. Freundlicherweise hat es genau zu Dienstschluss damit aufgehört. ;-) Das war super, bekanntes Klima, die Luft war frisch und klar und sauber und vor allem: Es gab so gut wie KEINE FUSSGÄNGER die mich beim Radfahren stören!!! Nunja, die wenigen, die es dann doch gab, haben eher eine komische Figur gemacht: Der gemeine Bewohner Santiagos scheint nämlich nicht auf Regen ausgelegt zu sein und so kommt es, dass sie mit einem Regenschirm etwa so geschickt umgehen, wie ein Europäer mit Essstäbchen. An den Strassenrändern sammelt sich das Wasser und wenn jemand eine Ampel überqueren möchte, tippt er erst mit dem Fuss in die Pfütze, stellt fest, dass sie zu tief ist, bleibt unschlüssig stehen und rafft dann die Hosenbeine hoch, um an einer weniger tiefen Stelle das Abenteuer Pfütze zu wagen oder dieses unbekannte Wesen weiträumig zu umrunden. Allergings sind vor allem die Frauenschuhe (Pfennigabsätze, offen) da ganz und gar nicht für geeignet, hihi. Auf dem Rückweg von der Arbeit wollte ich mich in einem Sportcenter anmelden. Das hatte schon zu, Murphies Gesetz, aber dafür musste ich einen anderen Weg nehmen und habe eine schöne Überraschung erlebt: Da es in Santiago den ganzen Tag geregnet hat, hat es in den höheren Höhen geschneit. Normalerweise habe ich auf der Heimfahrt die Anden im Rücken und fahre auch nirgendwo lang, wo man sie sehen kann, habe also gar nicht an sowas gedacht. Gucke unvermittelt in eine Strasse Richtung Osten und, tadaaaaaa, wie aus dem Boden gewachsen stehen da die Anden hinter den Häusern, ganz nah und voller Schnee. Wahnsinn.

Abends bin ich dann erstmal mit Seba auf das Dach gestiegen, um einen guten Blick zu haben und ich muss sagen, das hat sich wirklich gelohnt:


Blick nach NORDEN: Die Wolken hängen noch unter den kleineren Gipfeln. Rechts im Bild der Cerro San Cristobal.


Blick nach OSTEN: Die Anden sind voller Schnee und die Wolken liegen auf den höheren Stadtvierteln.


Blick nach SÜDEN: Man sieht noch ein bisschen Sonne.


Blick nach WESTEN: Sonnenuntergang der Luxusklasse...

Der Sonnenuntergang taucht den OSTEN in ein wunderschönes Licht, Santiago beginnt zu glänzen...


... während die Sonne verschwindet...

...kommt das wahre Gesicht von Santiago wieder zum Vorschein, aber die Anden leuchten noch rosa.

martes, 20 de febrero de 2007

Oder doch nicht raus hier?

Man kann ja nicht jedes Wochenende in den Anden rumturnen oder an die Küste fahren (man fährt ja auch nicht für einen Tag von Köln an die Nordsee, zumindest nicht jede Woche). Also haben wir uns mal in Santiago näher umgeschaut und man muss echt sagen, das Zentrum hat so seine Vorzüge. Man ist nämlich nah am Cerro San Cristobal, dem Stadtberg und auf dem kann man sich fühlen, als hätte man Garten oder einen Wald vor der Tür.


Wir haben also an einem Sonntag kurzerhand ein bisschen Gemüse und ein paar Steaks eingepackt, sind mit dem Rad auf den Berg und haben uns da einen Storch gebraten anstatt in der kleinen Bude zu hocken. Es gibt nämlich da extra Picknick-Zonen mit Grill und allem drum und dran, siehe Fotos. Komischerweise war das gar nicht überfüllt, obwohl Sonntag war und Ferien sind. Mittagessen mal anders und danach wieder schön fleissig gewesen (Seba: Diplomarbeit und ich: Bude aufräumen).

Raus hier!!!

Das sagt man sich so alle paar Wochen mal, denn Santiago ist ja nunmal nicht das schönste Fleckchen Erde, aber drumherum gibt es eine ganze Menge wunderschöner Orte. Also sind wir eines schönen Samstag morgens los, um in Ermangelung eines Autos mit öffentlichen Verkehrsmitteln die Anden zu stürmen...
Das Ergebnis davon war unter anderem, dass wir jetzt die Aussenbezirke von Santiago ziemlich gut kennen, denn der Busfahrer war so nett und hat uns eine einstündige Tour dich die südlichen Ausläufer spendiert und dabei an jeder Strassenecke angehalten. Allerdings nicht, weil es da so interessant war, sondern um Horden von Leuten mit Sack und Pack aufzunehmen. Wenigstens hat das Ganze dazu geführt, dass wir jetzt ein bisschen lieber im Zentrum wohnen, das ist allemal besser als am AdW in Südsantiago.

Nach dieser Tour ging es dann endlich los ins so genannte Cajón del Maipo, ein Andental, das an Santiago anschliesst und eigentlich in seinem Verlauf nicht sooo spektakulär ist, aber ganz nett. Und es sind da keine Menschenmassen und nachts ist der Sternenhimmel einfach unglaublich schön. Am Ende des Tals erreicht man den Nationalpark Cerro Morado und die zusätzlichen zwei Stunden Schaukelei über Serpentinen ohne Federung und nachher auch ohne Asphalt in Tempo 100 sind vergessen:


Am Fuss des Berges, der über 500m hoch ist, versteckt sich ein Gletscher unter ganz viel Moränenschutt, so dass man ihn erst sieht, wenn man davorsteht. Wir waren erst ziemlich enttäuscht weil wir den Gletscher nicht gefunden/erkann haben (man stellt sich sowas ja weiss vor und nicht schwarz und voller Steine) und nach der Entdeckung um so glücklicher. Alle Fotos vom Cerro Morado findet ihr hier.
Ach ja, ich sollte wohl noch dazu sagen, dass euch viele Fotos nicht so spektakulär und fotowürdig vorkommen werden. Die habe ich für mein Bruderherz geschossen, der Geographie studiert und die bestimmt super findet ;-) (und wehe wenn nicht).

Für die Mädels...

...und Bastian ;-) : Ich habe eine absolut wirkungsvolle Gesichtsmaske entdeckt. Nivea, Balea und was es sonst noch gibt können einpacken, die hier sieht zwar wiederlich aus, ist aber dafür kostengünstig und macht Haut wie ein Babypopo ;-) Also, ab zum Gemüsehändler, das Rezept ist wie folgt:

  • eine halbe Avocado (sehr reif: aussen schwaz, innen weich)
  • 1 EL Honig
  • 2 EL Zitronensaft
  • Die halbe Avocado mit einer Gabel zermatschen und mit Honig und Zitronensaft mischen. Ins Gesicht schmieren, 10 -15 Minuten einwirken lassen und dann mit warmem Wasser abwaschen.

Ein Rezept reicht für ca. vier Anwendungen und danach fühlt man sich wie ein neuer Mensch!!! Die restliche Masse im Kühlschrank aufbewahren. Wenn sie nach ein paar Tagen dunkel und hart wird, einfach vor der nächsten Anwendung mit warmem Wasser vermischen.

Viel Spass!!!

sábado, 10 de febrero de 2007

Was in Chile alles komisch ist II

Ich habe ja gesagt, die Liste von Dezember ist nicht koplett und inzwischen habe ich noch eine Dinge mehr entdeckt, die fuer den gemeinen Mitteleuropaeer hoechst bedenklich erscheinen:

Es gibt in den ganz normalen Supermaerkten (im Jumbo gibt es natuerlich alles) kein Colorwaschmittel. Hoechstens Waschmittel fuer empfindliche Waesche (seltener) und Weichspueler...Perwoll habe ich auch noch nicht gefunden. Ueberhaupt scheint die suedliche Welt fest im Griff von Ariel und vor allem OMO (stimmt´s, Sonja?) zu sein. Jeweils in der Standardvariante und man muss halt hoffen, dass die Waesche das mitmacht.

Linksabbieger bremsen nicht. Wenn es gar nicht anders geht und sie bremsen müssen, machen sie das Fenster auf und motzen.

In Medizinpackungen ist oft kein Beipackzettel, auch nicht in den "guten von Bayer". Der Arzt schreibt auf, wie oft man das Mittel nehmen muss und der Apotheker sagt einem das auch nochmal. Nebenwirkungen werden schon nicht so schlimm sein, schliesslich ist das Zeug ja zur Heilung da. Über Allergien und Wechselwirkungen macht man sich keine Sorgen, weil man dem Arzt das ja im Normalfall erzählt und der dann weiss, was man braucht. Ah ja. Und wenn man davon nichts weiss??? Oder wenn der Arzt in der entsprechenden Stunde in der Uni gefehlt hat?
In denn Faellen wo ein Beipackzettel existiert ist der auch im Durchschnitt nur halb so lang wie einer in Deutschland.
Loesung: immer schoen nachfragen.

In Chile werden nicht nur an Silvester total alberne Papphuetchen, Masken, Luftschlangen und Troeten verwendet, sondern auch auf Hochzeiten. Nach einigen alkoholhaltigen Getraenken und nachdem sich der Hochzeitswalzer nach anfaenglicher Ernsthaftigkeit in eine wilde Party verwandelt hat, werden die besagten Partyartefakte verteilt und alle tun in ihren schicken Klamotten so, als waeren sie 6 Jahre alt. Fotos könnt ihr hier sehen, aber wehe, einer lacht!!!
Ach ja, geheiratet wird entweder um 20:00 oder um 21:00 und zwar ohne Hochzeitsmesse, sondern nur als Trauung. Eigene Musik, Vortraege von Freunden usw. sind nicht ueblich: Der Pastor sagt was nettes, liest ein Evangelium, predigt und traut die beiden. Fertig, gesungen wird gar nicht. Ach ja, und von der Braut wird erwartet, dass sie zu spaet kommt, weil auch sonst keiner puenktlich kommt und es ja sehr peinlich ist, nach der Braut zu erscheinen. Wir waren gestern auf einer Hochzeit, die sollte um 20:00 sein. Wir kamen um 20:10 und waren mit die ersten in der Kirche und die Braut kam um 20:45. Essen gab es so gegen 22:30 und gefeiert wurde dann bis 5:30. Und ich habe keinen gesehen, der nicht getanzt haette, und zwar ohne Aufwaermzeit.
Fazit: Deutsche Hochzeitsmesse mit chilenischer Party = perfekt.

In Santiago sind fast alle Strassen Einbahnstrassen. Deswegen steht auf dem Schild mit dem Strassennamen jeweils ein Pfeil der besagt, in welche Richtung die Strasse zu befahren ist. Soweit so gut.

Ich habe aber die unheimliche Entdeckung gemacht, dass mir auf der Strasse neben dem Park, durch den ich zu Arbeit fahre, IMMER die Autos entgegen kommen. Morgens fahren alle nach Osten und abends nach Westen. Erst dachte ich, ich habe nicht richtig geguckt, aber nach einer Woche intensiver Feldforschung bestand kein Zweifel mehr. Noch grösser war die Überraschung, als ich festgestelt habe, dass die Strasse Sonntags in beide Richtungen befahren wird. Laut Seba gibt es für bestimmte Strassen Zeitpläne, weil morgens alle ins Zentrum rein und abends wieder rausfahren, so ibt es weniger Stau. Au weia... wenn das mal gut geht...anscheinend geht es gut, aber ich frage mich woran man sieht, welcher Zeitplan gerade ist oder wann die Richtung wechselt, wenn man nicht aus Santiago kommt und das auswendig weiss...

Die "Pequeña Gigante"

Am Freitag vor zwei Wochen ist in Santiago etwas ganz Wunderbares passiert: Ich kam wie immer mit dem Rad von der Arbeit und habe mich ziemlich gewundert, weil im Stadtzentrum, kurz vor unsere Wohnung noch viiiiiiiel mehr Leute unterwegs waren als sonst. Wirklich viele, alle Bürgersteige waren verstopft, vor allem mit Familien mit Kindern inklusive Oma, Opa, Popcorn und Eis fuer alle. Und alle stroemten in die gleiche Richtung und waren ziemlich aufgeregt. Hm, scheinbar hatte ich das was nicht mitbekommen.
Zu Hause angekommen fragte ich Seba, ob er weiss, warum so viele Leute in der Stadt herumlaufen. Die Antwort hat mich dann doch erst ziemlich dumm gucken und dann an seinem Verstand zweifeln lassen:

Ja, das ist wegen der "Pequeña Gigante" ("Kleine Riesin"), der ist ihr Rhinozeros abhanden gekommen. Das laeuft jetzt in der Stadt herum und macht alles kaputt. Es hat schon mehrere Busse einfach durch die Gegend geworfen. Die Pequeña Gigante hat versprochen, es bis Sonntag abend wieder einzufangen, damit es nicht ganz Santiago in Schutt und Asche legt.




Aaaaaaaaaaaaaha. Eine Riesin, die ihr Nashorn sucht. Alles klar. Da die Chilenen ganz prima im Geschichtenerfinden sind und einem mit bierernster Mine die unglaublichsten Sachen auftischen, habe ich kein Wort geglaubt und gefragt: Ok. Und was ist wirklich in der Stadt los? Ne, wirklich, sie sucht ihr Nashorn und alle wollen zuschauen. Es half alles nichts, er wollte nicht davon abgehen. Also habe ich irgendwann nichts mehr gesagt. Aber eine Riesenueberraschung erlebt. Wir waren naemlich spaeter gerade auf der Dachterasse des Nachbarhauses (25.Stock) von wo aus man einen guten Blick ueber die umliegenden Strassen hatte. Und abgesehen von massenhaft Leuten lief da wirklich von Musik und Polizeieskorte begleitet ein ca. 7m grosses Maedchen durch die Stadt!!!


Das kam so: Die Pequeña Gigante ist eine Produktion der franzoesichen Theatergruppe "Royal de Luxe" und es handelt sich dabei um eine 7m grosse Marionette. Royal de Luxe hat mehrere Geschichten um sie auf Lager und tourt damit um die Welt. Die Riesin ist wirklich beeindruckend: Sie wird an einem Gerüst aufrecht gehalten, dass an einem Trecker o.ä. befestigt ist. Von allen beweglichen Teilen gehen Seile ab und ueber ein geniales System von Flaschenzuegen wird die Puppe von ca. 20 Maennern bewegt, die sich dafuer richtig ins Zeug legen muessen. Das Tolle an der Kleinen Riesin ist, dass sie richtig lebensecht aussieht und sich auch so bewegt. Gar nicht wie eine Marionette. Sie bewegt auch die Augen, zwinkert mit den Wimpern, isst Eis (richtig mit der Zunge) usw. (siehe Videos).




Abends ging die Kleine Riesin in einem grossen Bett auf einem Platz schlafen und morgens hat sie sich geduscht und sogar gepinkelt, bevor sie weiter ihr Nashorn gesucht hat.


Das Schöne an der ganzen Sache war, dass alle Leute hier die Geschichte richtig ernst genommen haben. Für drei Tage war sie das Thema Nummer eins, jeder wollte sie sehen und ganz Santiago wurde aus seinem grauen Trott gerissen, weil ein Riesenkind sein Nashorn suchte. Sogar die härtesten Play-Station-Junkies blieben mit offenen Mündern am Strassenrand stehen. Am Sonntag Abend hat sie dann wirklich ihr Nashorn gefunden, mit einem Trick in einen Käfig gelockt und wieder mitgenommen. Leider konnte ich von dem Nashorn kein Foto auftreiben.
Jemand hat ein Schild aufgestellt: "Danke Kleine Riesin für drei Tage Phantasie".

domingo, 4 de febrero de 2007

Clínica Alemana

Das neue Jahr hat bei mir gaaanz toll angefangen, nämlich damit, dass mich am ersten Wochenende des Jahres, welches wir eigentlich wandernderweise auf einem Berg verbringen wollten, der für "solche Länder" eigentlich längst überfällige Durchfall erwischt hat. Hier kriegt man sowas aber nicht, wie in Guatemala vom Leitungswasser, das kann man prima trinken, sondern von fragwürdig frittierten Sopaipillas oder vom Gemüse.

Die Chilenen waschen erst ihr Gemüse, bevor sie es dann schälen. Ich hatte immer gedacht eins von beiden reicht und da ich kein Freund von geschälten Sachen (Möhren, Tomaten, sogar Pfirsische!!!) bin, habe ich es dann beim Waschen belassen. Dazu muss man wissen (was ich natürlich nicht wusste), dass bis vor einiger Zeit die Felder hier mit Abwasser gewässert wurden und deswegen alles was in Bodennähe wächst ziemlich ekelig war. Deswegen gibt es hier sogar ein Lebensmittel-Desinfektionsmittel, das tut man in das Wasser, mit dem man das Gemüse wäscht. Fragt sich nur, ob das nicht auch schädlich ist. Nunja, also am besten waschen und schälen. Beides ist angebracht, weil man beim Schälen ja die Schale anfasst und wenn die fies ist packt man dann mit den fiesen Fingern das Innere an und kriegt trotzdem Durchfall.

Das wässern mit Abwasser ist heutzutage verboten, aber ab und zu macht es doch noch einer und da man nie wissen kann, welche Möhre es erwischt hat, muss man alle schälen. Habe ich natürlich nicht gemacht und bumms, konnte ich zwischen Klo und Bett pendeln, statt wandern zu gehen. Das guckt man sich eine Weile an, aber nach drei Tagen wurde uns das zu bunt weil garnichts mehr ging, also ab zum Arzt. Leider passiert sowas immer Sonntags, also konnten wir nicht zum normalen Arzt, sondern mussten ins Krankenhaus. Da es hier eine Deutsche Klinik gibt, sind wir dahin gefahren, keine Ahnung was für Vorteile ich mir davon versprochen habe, aber es klang irgendwie vertrauenerweckend.

Bei der Klinik angekommen, sind wir durch die Notaufnahme rein, aber nicht so dramatisch, denn wie ich erfahren habe, kommt in Chile jeder, der keinen festen Termin gemacht hat, als "urgencia" rein, auch wenn man nicht mit dem Kopf unter dem Arm kommt und noch etwas warten kann. Weil ich das nicht wusste, habe ich vorher zu Seba gesagt, ich will nicht als "urgencia" rein, so dramatisch ist Durchfall ja nun nicht, sondern ich will in die "ambulancia". Daraufhin hat er mich ziemlich verständnislos angeschaut und meinte das sei erstens total übertrieben und zweitens viel zu teuer. Ah, klar, "ambulanica" ist nicht "Ambulanz", sondern Krankenwagen...

Von aussen ist die Clínica Alemana einschüchternd schick. Von innen, da wo man behandelt wird, weniger. Da sah es ganz normal aus und ich wurde von einem sehr netten Arzt, dem Akzent nach aus Kolumbien oder Ecuador, behandelt. Jedenfalls war er weder Chilene noch Deutscher. Der hat mit erstmal Fieber gemessen und so weiter und mir dann eine Salzinfusion verabreicht, weil ich wohl schon eine leichte Ähnlichkeit mit Dörrobst an den Tag gelegt habe. Dann Antibiotikum verschrieben und, oh graus, er hat mir einen einwöchigen Diätplan aufgebrummt mit so leckeren Sachen wie Tee, Wasser, trockenem Brot, trockenem Reis, trockenen Nudeln und gekochten Möhren...ihr könnt euch das Wochenende danach vorstellen, als ich wieder alles essen durfte: Erstmal ab in die Eisdiele!!!

Nunja, die Clinica Alemana war ja ganz nett, aber es gab nichtmal ein digitales Fieberthermometer und dafür, dass da sonst so schick sein sollte fand ich das schon komisch. Ausserdem sind die Preise da ganz schön gesalzen und es liegt am AdW, so dass ich beschlossen habe beim nächsten Mal lieber in eine nähere Klinik zu gehen, wo man auch "geholfen kriegt". Deutsch konnte eh keiner von den Leuten die ich da gesehen habe.

Am nächsten Tag nach der Arbeit musste ich allerdings noch mal zur Kontrolle hin. Das war ganz lustig, denn der Arzt vom Sonntag hatte frei und die diensthabende Ärztin hat erstmal recht ratlos auf meinen Zettel geschaut...Vera ist nämlich in Chile ein Nachname und Neeten ganz unbekannt, so dass sie erstmal nicht wusste, ob jetzt ein Mann oder eine Frau kommt. Dann hat sie nicht gewusst, mit was sie mich anreden soll, denn in Chile wird man meistens beim Vornamen genannt, auch wenn man gesiezt wird. Sie hat dann recht unsicher Neeten und Du zu mir gesagt, was meinerseits zu einem für meinen Bauch nicht so guten Lachanfall geführt hat... ne, ist schon schwierig. Ich stelle mit das so vor, als wenn in Deutschland "Ping Il Su" oder so aus China zum Artz muss.

Auf der Rückfahrt habe ich mal wieder gemerkt, wie riesig Santiago ist: Ich hab mich zum ersten Mal getraut, alleine einen Bus auf der Strasse anzuhalten und sogar geschnallt, welchen ich nehmen muss. Das ist nicht so einfach, denn die Busse haben meist keine Nummern, sondern Schilder im Fenster, wo draufsteht, wo sie langfahren. Wenn man die Strassen oder Viertel allerdings nicht kennt, nützt das wenig und selbst wenn, fahren sie manchmal so schnell, das man eh nicht alles lesen kann und dann hat man nicht gewunken und der Bus ist futsch.

Ich habe das auf jeden Fall schon mal geschafft und dann aus dem schickeren Ende bis ins Zentrum bzw. bis nach Hause mit dem Bus und zu Fuss 1,5 Stunden gebraucht!!! Das ist so, als wenn man zum Blutdruck messen von Aachen West nach Köln-Deutz fährt, nämlich völlig absurd. Irgendwie kriegt man hier ein andere Gefühl für Zeiten und Entfernungen und tut Dinge, die einem in Deutschland im Traum nicht einfallen würden.

Aber da ich ja jetzt immer brav alles wasche und schäle, passiert mir sowas hoffentlich nicht so bald nochmal.