domingo, 21 de enero de 2007

Noch mehr Kulinarisches

Da Südamerika ja die Heimat des Maises ist und der gerade Saison hat, habe ich in den letzten Wochen ein paar neue Gerichte kennen gelernt. Die Beschreibungen sind ohne Gewaehr, ich gebe die Zutaten wieder, die ich entdecken konnte und ansonsten, was ich aus Seba und anderen bezueglich der Herstellung herausquetschen bzw. in der Kueche mithoeren konnte.

Crema de Choclo (Maiscreme-Suppe)
...braucht eigentlich keine Saison haben, denn es gibt sie in praktischen Maggi-Tueten :-) Was soll ich dazu weiter sagen... wie Spargelcreme-Suppe, nur mit Maisgeschmack.





Humitas
Humitas sind schon eine Nummer schwieriger: Es handelt sich dabei wohl um ein Gericht der suedamrikanischen Indianer, welcher auch immer. Wenn ich das richtig verstanden habe, wird Maismehl mit Zwiebeln, Basilikum und anderen Gewuerzen vermischt und (vielleicht auch mit Milch???) zu einem Teig verarbeitet. Der Teig wird dann in Maisblätter eingewickelt und ziemlich lange gekocht. Humitas werden als Vorspieise oder Beilage gegessen oder einfach gegen den kleinen Hunger zwischendurch.

Pastel de Choclo (Mais-Auflauf)
Da habe ich nun wirklich keine Ahnung wie man das macht und was genau da drin ist, aber es ist seeeeehr lecker: Eine Art Maisbrei auf Hühnchenfleisch im Ofen gebacken. Wer Lust hat, kann ja mal nachforschen, ich bestell´ es hier beim Profi ;-)




Sopaipillas
Sopaipillas sind eines der typischen einheimischen Fast-Food-Gerichte, die man an jeder Strassenecke kaufen kann. In Santiago vor allem Im Zentrum und in Parks oder Ecken, wo die Leute zum Vergnuegen hingehen, aber der Geldbeutel nicht sehr voll ist. Denn Sopaipillas sind guenstig und machen satt: Eine Masse Mehl wird mit Schmalz, Salz und gekochtem, gemahlenem Kuerbis (wenn ich das richtig verstanden habe) vermischt und dann in heissem Fett frittiert. Und da liegt der Hase im Pfeffer, denn bei den Strassenverkäufern weiss man nie, wie lange das Fett schon recycelt wird... Eigentlich sind die Sopaipillas eher geschmacksneutral, aber mit dem entsprechenden Dipp richitg lecker. Man fühlt sich schon nach ein bis zwei Stueck total WOPP und so kann man mit Sopaipillas mit ganz wenig Geld eine ganz grosse Familie satt kriegen, was hier manchen Leuten sehr zugute kommt. Aber eben mit Vorsicht zu geniessen.

Pebre
Pebre ist die tägliche Vitaminzufuhr der Chilenen: Ein Dipp aus gehackten Tomaten, gruenen Chilis, Zwiebeln, Knoblauch, Petersilien, Basilikum, Zitronensaft und noch einigen Kraeutern mehr. In Restaurants und Kantinen gibt es Pebre vor jedem Essen mit Brot, so sicher wie die Pizzabroetchen in Italien. Bei Selbstbedienung kann man sich den Pebre auch als Salatsosse nehmen. Je nach dem, wer ihn gemacht hat, ist er tomatenlastig (rot) oder chililastig (gruen) und deswegen mal lecker, mal extrem scharf. Aber immer sehr gesund.

Faaaaaaaaahrrad fahren in Santiago

In Santiago gibt es mehrere Moeglichkeiten, was fuer seine Fitness zu tun und die meisten haben einen Haken:
  1. Man geht joggen. Wenn man da nicht seeeehr frueh aufsteht, kriegt man dabei die ganzen Abgase des Berufsverkehrs zielgenau in die Lunge geblasen. Ausserdem war joggen noch nie so mein Ding.
  2. Man hat das Geld, um sich in einem Tennisclub oder Fitness-Studio anzumelden. Der Eintritt in ein Schwimmbad betraegt nebenbei bemerkt acht bis zehn Euro, schliesslich soll ja nicht Hinz und Kunz das Becken belagern.
  3. Man kauft sich einen Fussball oder ein Beach-Ball-Spiel und geht damit in einen Park. Das haben wir schon gemacht.
  4. Man investiert in ein Fahrrad.

Wir haben also in ein zweites Fahhrad investiert, damit ich nicht immer das des Nachbarn nehmen muss. Mit dem Rad kann man prima auf den Cerro San Cristobal fahren (siehe Eintrag "Santiago de Chile"), das ist schon eine Herausforderung fuer so einen Niederrheiner wie mich, aber durchaus machbar.

Ich habe allerdings beschlossen, mich taeglich zu bewegen und das geht am besten, wenn ich "einfach" mit dem Rad zur Arbeit fahre. Ich habe auch ausgerechnet, dass ich so, weil ich nicht mit der Metro fahre, fast genau das Geld spare, was ein Fitness-Studio mit Schwimmbad im Monat kostet. Gesagt, getan, die Krise gekriegt. Man muss wissen, dass fuer den Otto-Normal-Chilenen ein Fahrrad entweder ein Kinderspielzeug oder ein Sportgeraet, aber keinesfalls ein Fortbewegungsmittel ist. Das schlaegt sich zunaechst mal darin nieder, dass man nur Mountainbikes, Kinderraeder und mit viel Glueck noch Rennraeder kaufen kann. Alle serienmaessig OHNE: Klingel, Schutzblech, Licht und Gepaecktraeger. Hauptsache, es hat dicke Reifen und viele Gaenge. Man kann ein Fahrrad allerdings auch schlecht als Transportmittel, z.B. zum Einkaufen verwenden, denn abgesehen davon, dass es selbstverstaendlich in ganz Santiago nicht einen oeffentlichen Fahrradstaender gibt, wird ein herrenlos vor dem Supermarkt stehendes Fahrrad sofort von wohlmeinenden Mitmenschen in ihre Obhut genommen, sprich: geklaut.

Das groesste Problem liegt aber darin, dass man in Santiago bzw. in Chile generell Fahrradwege meist vergeblich sucht und auf der Strasse zu fahren einem Selbstmordversuch recht nahe kommt. Man soll es nicht glauben, aber Frisur hin, Frisur her, ich habe mir erstmal einen Fahrradhelm zugelegt und trage ihn auch fleissig, wer haette das in der 7. Klasse gedacht ;-) Ich habe das Glueck, dass ganz bei uns in der Naehe eine lange Reihe Parks beginnt, die sich zwischen den zwei Richtungen einer Hauptverkehrsachse ueber mehrere Stadtviertel hinziehen. Ich kann also ziemlich weit durch die Parks radeln. Fuer den Rest der Strecke habe ich mir eine Strasse rausgesucht, auf der morgens nur wenige Leute unterwegs sind und fahre eben ganz dreist auf dem Buergersteig, aber das machen viele so. Anders kommt man als Radfahrer hier zu nix.

Ausser den Autos, die einen totfahren wollen oder das zumindest in Kauf nehmen, um nicht bremsen zu muessen, gibt es noch das Problem, dass es nur ganz sporadisch mal abgesenkte Buergersteige gibt und die dann noch mit Fussgaengern vollgestopft sind, die vor einer Ampel warten. Die Fussgaenger hier haben nicht das allergeringste Verstaendnis dafuer, dass es Mitmenschen geben koennte, die gerne Rad fahren und tun ihr moeglichstes um sich breit zu machen, langsam zu gehen die am besten befahrbaren Stellen zu belagern und einen bei jeder Gelegenheit boese anzugucken oder anzumotzen. Das Schlimmste ist, dass die Fussgaenger morgens zu glauben scheinen, sie seien ganz alleine auf der Welt: Jeder troedelt in seinem Trott vor sich hin, alleine oder in Gruppen, keiner guckt links oder rechts, sondern entweder zum Gespraechspartner oder irgendwo in die Luft oder in die Zeitung. Man naehert sich mit dem Rad und denkt: "Der muss mich sehen, der muss mich sehen, ich bin bunt, ich bewege mich, ich bin gross..." Komplette Fehlanzeige. Im letzten Augenblick bemerkt einen der Fussgaenger, macht einen unberechenbaren Sprung oder bleibt einfach wie angewurzelt stehen. Eine Sache habe ich mir also bei den anderen Radfahrern hier abgeschaut: Absolute Ruecksichtslosigkeit. Wenn man die nicht hat, kann man gleich schieben, denn Santiago wimmelt morgens nur so von Fussgaengern und Autos und man kommt auf keinen gruenen Zweig, wenn man sich nicht vordraengelt.

Ich habe mich jedenfalls dran gewoehnt und bewege mich jezt jeden morgen eine halbe Stunde hin und eine halbe Stunde zurueck per Fahrrad. In einer deutschen Stadt wuerde man die gleiche Strecke in der halben Zeit schaffen, aber egal, mit der Metro ist man auch nicht schneller und schwitzen tut man genau so, weil es morgens zwischen acht und neun keinen nennenswerten Unterschied zwischen der Metro und einer Sardinenbuechse gibt.