Nunja, eines Samstag morgens war es halt einfach hin und nicht mehr zu reparieren. Ich hab mich ganz heimlich gefreut, denn nun musste ja ein neues her und wir brauchten nicht mehr auf dem ollen Rückenzerstörer mit der Schafwollmatraze (ebenfalls aus den frühen 60ern) schlafen. Habe aber ganz echt Entsetzen geheuchelt ;-)
So weit, so gut, nur musste noch am selben Tag ein bezahlbares Bett her. Also erstmal im Internet die Kaufhäuser abgeklappert, aber das war nicht soooo überzeugend. Ich habe mir einmal mehr IKEA gewünscht. Dann hat ein Freund uns geraten, zu einem Fabrikverkauf auf einer Ausfallstrasse von Santiago zu fahren. Also los, ab in die Metro und von da zu einem Überlandbus, oh wie schoen sind kleine Städte bwz. der Besitz eines Autos.
Und jetzt muss ich erklären, dass man hier in Chile fast nur "amerikanische Betten" kaufen kann. Klar, wir sind ja auch in Amerika. Was das ist, wusste ich bis dahin nicht, aber ich hatte mich wohl gewundert, dass alle Leute (ausser den Eltern von Seba) scheinbar keine Betten hatten. In allen Schlafzimmern das gleiche Bild (das weiss ich so genau, weil man meist das Schlafzimmer durchqueren muss um ins Bad zu gehen) : Zwei ziemlich hohe, aufeinandergelegte Matrazen, von denen die obere ein Spannlaken aufgezogen hatte und die untere nichts. Seltsam.
Im Möbelhaus wurde mir dann erklärt, dass das "Amerikanische Betten" sind: Unten eine Art Holzkiste, die mit dem Stoff der Matraze bezogen ist. in der Holzkiste befindet sich je nach Preis ein mehr oder weniger gutes Federungssystem, die teuersten haben diese Metallspiraldinger und heissen dann Box-Spring. Darauf liegt dann die eigentliche Matraze. Wenn jemand sein Bett ordentlich mit den hier üblichen Tagesdecken macht, sicht man die untere "Matraze" nicht und man braucht also keinen Holzrahmen.

Damit es doch etwas mehr nach Bett aussieht, kann man Kopfteile in verschiedenen Designs kaufen, die dann hinten zwischen Wand und Bett gesteckt werden. Geschmacksache.
Nunja, diese Betten sind also hier der Normalfall und das was wir kennen (also ein Holz- oder Metallgestell mit Latten) ist für Doppelbetten der Inbegriff von altmodisch, nur Kinderbetten werden so gemacht. Die amerikanischen Betten haben aber einen entscheidenden Nachteil: Man kann nichts drunter- oder reintun. Da das bei unserer Wohnungsgrösse aber sein muss, hatten wir uns im Bus darauf geeinigt, ein "europäisches Bett" zu kaufen. Allerdings gab es in der Fabrik mangels Nachfrage nur ein einziges Modell, sozusagen für die exotischen Kunden. Das war ganz schön und auch nicht so teuer, aber ganz sicher waren wir nicht. Leider hatten wir uns das mit dem Platz aber erst im Bus überlegt und so die Internetseiten gar nicht nach diesen Beten abgesucht. Also: Watt nu?
Wir wollten unbedingt vergleichen und dafür in die nächste Mall fahren. Leider kam kein Bus und auch kein Taxi, so dass wir diese Idee schon fast wieder begraben wollten, als uns eine nette Frau, die unser Gespräch mitgehört hatte, mitgenommen hat. Sowas funktioniert hier echt gut.
In der Mall haben wir alle Läden abgeklappert, die in irgendeiner Form Möbel verkaufen. Das hätten wir uns auch sparen können, denn die Verkäufer schauten uns an wie die Autos, manche wussten erstmal gar nicht, was wir wollten. Nach Sebas blumiger Beschreibung ("Sie wissen schon, so ein Bett wie es die früher gab, so mit Holzlatten und so...") guckten sie meist noch komischer und ein wenig mitleidig.
Ok, also sind wir wieder zurück gefahren (Taxi) und haben (wie immer) das erste Modell gekauft. Und standen damit vor dem nächsten Problem: Der Lieferservice der Fabrik würde uns das Bett in 4 Tagen bringen und der private Lieferservice, den man vor der Tür anheuern kann war erstens teuer und zweitens gerade mit jemand anderem weggefahren. Da hatten wir schon wieder Glück, denn einer der Verkäufer arbeitete nach Feierabend als Taxifahrer und hatte sein Taxi vor der Tür. Allerdings war es ihm verboten, während der Arbeitszeit als Verkäufer gegen Geld Möbel zu befördern. Also war es doch gut, dass wir in der Mall waren, denn so kamen wir genau richtig zum Feierabend zurück und wurden dann 10 Min später zum Super-Extra-Sonderpreis mit Bett und Matraze auf dem Dach nach Hause gefahren. Fazit: super gelaufen! Und das neue Bett ist so bequem, das man am besten morgens gar nicht aufsteht.
Ach ja, nochwas: Man muss sich immer wieder an die Grössenverhältnisse hier gewöhnen: Es gibt Betten mit einem Platz, 1,5 oder 2 Plätzen. Und das reguläre Ehebett mit 2 Plätzen misst standardmässig ganze 1,90x1,50!!! Allerdings darf es auch keine deutschen Ausmasse haben, denn die Schlafzimmergrösse der Otto-Normalbürger hier geht von 2,50x2,70 über 2,70x2,70 bis hin zu extremen 2,70x3,00 Metern!!! (Juhu, wir verbessern uns bald von 2,70x2,70 auf 2,70x3,00.) Stellt euch da mal ein 2x2 Meter-Bett drin vor...
Von den Picknick-, äh, Bettdecken, mit denen hier geaschlafen wird, den lebensgefährlichen losen Bettlaken und dergleichen mehr erzählt demnächst eine andere Maus.