domingo, 17 de febrero de 2008

Einmal stempeln, bitte!

Nach Weihnachten in Puerto Montt und Silvester bei Freunden waren wir fit, um in 2008 zu starten. Schiefgehen konnte auch nicht viel, denn wir hatten unsere guten Wünsche am 1.1. auf bunte Zettelchen geschrieben, im Garten vergraben und darauf einen Baum gepflanzt. Die schlechten Sachen aus 2007 kamen auf schwarze Zettel und wurden verbrannt.

Bei mir ging 2008 erstmal damit los, dass ich mir einen neuen Job suchen musste, da meine Stelle (last hired, first fired) aus (meiner Ansicht nach total unvernünftigen) strategischen Gründen weggekürzt wurde. Schön, ich wollte eigentlich schon lange gekündigt haben, schliesslich hat es mir da nie sonderlich gefallen. Aber man ist ja so bequem, wenn man nicht muss... Morgen fange ich im Aussenhandelsbüro der Österreichischen Botschaft an, in einem schöneren Büro, mit schöneren Arbeitszeiten und einem schöneren Gehalt.

In der Zwischenzeit ergab sich aber wegen des nicht mehr vorhandenen Jobs das Problem, das damit auch das Visum innerhalb von 30 Tagen verfiel. Inzwischen hatte ich entdeckt, dass man als Hochschulabsolvent mit einem Jobangebot auch ohne Vertrag ein Visum bekommt, wenn man seinen Abschluss erst von der Deutschen Botschaft und dann vom chilenischen Aussenministerium legalisieren und übersetzen lässt. Wieso bin ich da nicht schon früher drauf gekommen? Die Rennerei von der Botschaft zum Ministerium und zurück und hin und zurück... inklusive Echtheitsbestätigung meines Magisterzeugnisses seitens meines Profs aus Aachen erspare ich euch jetzt mal, es war auf jeden Fall nicht in 30 Tagen zu machen und da man ein neues Visum nur beantragen kann, solange man legal im Land ist, mussten wir dann jetzt doch die Mendoza-Methode anwenden.

Die funktioniert so: Man kauft sich ein Busticket nach Argentinien, schaukelt mit dem Bus über die Anden, kommt nach zwei Tagen zurück und bekommt für 90 Tage ein Touristenvisum. Damit hat man dann alle Zeit der Welt, den nötigen Papierkram für ein neues Visum samt Arbeitserlaubnis zu sammeln. Buaaaah, mir wird doch schon bei den Serpentinen in der Eifel schlecht!!! Aber wat mott, dat mott.


Seba hat sich netterweise einnen Tag freigenommen, so dass wir die Tour zusammen machen konnten, Samstag bis Montag. Wir hatten viel von Mendoza gehört und tatsächlich ist es eine ziemlich nette Stadt, jedenfalls nach hiesigen Verhältnissen. Nach deutschen Massstäben ist das Zentrum von Mendoza so wie das einer stinknormalen mittelgrossen Einkaufsstadt ohne historischen Kern. Das Gute ist, dass im Vergleich zu Chile alles sehr günstig ist und dass die Argentinier unglaublich gute Schokolade machen. Wir haben uns Fahrräder ausgeliehen um die Stadt zu erkunden. Das Schlechte ist, das die meisten Autos in Mendoza lange vor mir und der Existenz irgendwelcher Umweltnormen das Licht der Welt erblickt haben und dementsprechend fiese bläuliche Abgase ausstossen, die die ganze Stadt einhüllen. Dagegen ist die Luft in Santiago echt klasse, ich stelle mir Santiago lieber nicht mit argentinischen Autos vor...

Montag morgen ging es wieder zurück und auf der Fahrt konnten wir dank guten Wetters den mit nicht ganz 7000m höchsten Berg Südamerikas, den Aconcagua, bestaunen. Diesmal wurde es an der Grenze aber ganz schön lang, denn Chile ist seit Jahren Fruchtfliegen-frei und soll es wegen der Exportwirtschaft auch bleiben. Das heisst, man darf absolut kein Obst, Tiere, Tierprodukte und dergleichen einführen und das wird streng kontrolliert und hart bestraft. Wir mussten also unsere Schinkenbrötchen schnell vor der Grenze aufessen. Dort angekommen: Alle raus aus dem Bus, in die Schlange, für den argentinischen Ausreisestempel. Danach: In die Schlange für den chilenischen Einreisestempel, dann alle wieder rein in den Bus. Währenddessen werden alle Koffer aus dem Bus ausgeladen und auf Obst, Frischware und Drogen kontrolliert. Nach ca. 3,5 Stunden mussten dann alle wieder aussteigen und sich samt Handgepäck vor niedrigen Metallbänken aufstellen. Über die wurde dann ein Drogen- oder Obsthund geschickt, der alle Passagiere und Taschen abschnüffelte. Nach 4 Stunden darf man endlich weiter die Serpentinen bergab, wenn der Hund nicht gebellt hat. Hat er zum Glück nicht.

Jetzt kenne wir die Anden auch von der anderen Seite, mir ist überraschenderweise nicht schlecht geworden und ich habe alle nötigen Stempel im Pass. Waren aber recht teuer, die Stempel. Danach waren wir erstmal urlaubsreif.

Weihnachten mit Peter Alexander

Pünktlich über einen Monat zu spät hier der Weihnachtsbericht, diesmal war es nicht ganz so unweihnachtlich wie letztes Jahr. Da wir bei Sebas Eltern im Süden feiern wollten und der Heiligabend auf einen Montag fiel ging der Stress ca. 2 Monate vorher damit los, diesen Tag frei zu bekommen, d.h. zu fragen, bevor es ein Kollege tut. Kaum war das geschafft, ging die Schlacht um die Bustickets los: Anscheinend wollte fast niemand Weihnachten in Santiago verbringen und so haben wir Ende Oktober so siemlich sie letzten freien Tickets abbekommen und das, obwohl die Chilenen sonst nicht gerade dafür bekannt sind, im Voraus zu planen...

Am Freitag vor Weihnachten sind wir wohlweislich eineinhalb Stunden bevor der Bus abfuhr aus dem Haus gegangen, nur um dann mit Sack und Pack an der Strassenecke, wo sonst die Taxis im Minutentakt vorbeikommen festzustellen, dass sie an diesem Tag genau so besetzt waren, wie die Busse. Ich sah uns schon alleine in unserer Hochhausbude hocken, aber wir haben es so gerade noch geschafft.

In Puerto Montt angekommen, wurde ich erst ins Auto und dann auf eine Fähre und damit auf die Insel Chiloé verfrachtet, das Kind muss ja die Umgebung kennenlernen. Chiloé ist eine sehr grosse und ziemlich eigenartige Insel. Hier leben vor allem Fischer und Bauern und es gibt unzählige Kartoffelarten. Die Chilotes meinen dann auch ernsthaft, das Beste an einem Grillabend im Sommer sei die Kartoffelbeilage. In Chiloé wimmelt es nur so von Sagen und Legenden und schaurigen Gestalten, so dass man Gänsehaut bekommen kann: Der "Trauco", ein hässlicher alter Gnom, der im Wald wohnt, kommt nachts im Traum zu jungen Mädchen, verhext sie dermassen, dass sie ihn unwiderstehlich finden und sich im Schlaf aus den Haus schleichen um sich vom Trauco schängern zu lassen... auch eine Methode uneheliche Kinder zu erklären...
Ausserdem gibt es diverse männerverschlingende Hexen, Meerjungfrauen und dergleichen, und in der Johannisnacht sollen angeblich die von Jahrhunderten von Jesuiten vergrabenen Schätze leuchten, so dass man sie finden kann. Nur findet sie nie einer, aber die Leute glauben das. Ach ja, in besagter Nacht, darf man auch nicht in den Spiegel schauen, weil man dann hinter sich den Teufel persönlich sieht. Ein anderes Markenzeichen von Ciloé sind die einzigartigen Holzkirchen undüberhaupt, die Holzarchitektur, die in ihrer Urform aus Mangel an Metal ohne Nägel und Schrauben auskam.

Am Tag vor Heiligabend hatten Seba und sein Bruder Pablo eine Wandertour zum nahem Volcan Calbuco geplant und damit ich auch ein bisschen weisse Weihnachten haben konnte, wollten wir es bis zur Schneegrenze schaffen. So bin ich dann bei strahlendem Sommerwetter doch noch an ein klitzekleines bisschen Weihnachtsstimmung gekommen. Klitzeklein.

Heiligabend war dann so eine Sache für sich. Abends sollte es Lamm geben, aber für Mittags stand nichts auf dem Plan. Also habe ich die Initiative ergriffen, die Küche erobert und Reibekuchen mit Apfelmus gemacht, natürlich mit dem verweis auf deutsche Weihnachtsmärkte und das alles zu der Musik fer Dresdener Chorknaben in der deutschen Welle. So weit, so gut. Dann die Frage nach der Christmette. Um neun uhr sollte das Lamm fertig sein, also konnten wir kaum um zehn Uhr hingehen. Wir sind schliesslich um sieben gegangen, und um nicht so einen grusligen Chor wie beim letzten Mal zu erwischen, vorsichtshalber in die Hauptkirche von Puerto Montt. Geholfen hat es nicht: Orgeln sind hier sowieso Mangelware, keine Messdiener, ein Pfarrer, ein Keyboardspieler und Kantor. Nicht sehr feierlich. Der Höhepunkt war für mich dann die eigentlich recht schöne Krippe mit einem Dönerbudenstern obendrauf, der die ganze Kirche in schöner Regelmässigkeit rot, grün, weiss und gelb leuchten liess. Der Keyboardspieler war ein so grauenhafter Kantor, dass sich Seba in Grund und Boden geschämt hat und sogar der Pastor hinderher meinte "zum Abschluss singen wie Stille Nacht, Heilige Nacht, jeder mit der Stimme, die Gott uns gegeben hat, es ist ja keiner perfekt..." Immerhin war die Predigt sehr schön.
Als wir nach einer Stunde wieder auf der Strasse standen, war es taghell, 25 Grad warm und die Stadt voller Leute. Die Geschäfte schlossen gegen 21 Uhr, damit auch der letzte noch ein Geschenk abbekommt und es wollte einfach nicht dunkel werden. Weihnachtlich is´ wirklich anders, auch wenn sie noch so viele Plastiktannenbäume aufstellen.

Wieder zu Hause wurde mir dann "Tante Ines" vorgestellt, eine alte Freundin der Familie, die immer zu Weihnachten kommt. Tante Ines ist eine der letzten Nachkommen der deutschen Einwanderer, die zu Hause noch deutsch gelernt haben und fragte mich ausführlich nach den Weihnachtsbräuchen und Liedern aus. Bei ihr zu Hause war, im Gegensatz zu den Chilenen, auch das Christkind gekommen, hier in Chile kommt der Weihnachtsmann, allerdings unter dem Namen "Viejito Pacuero", was man ungefährt mit "Alter Ostermann" übersetzen kann. Mit der Bezeichnung der Feiertage nimmt man es hier nicht so genau und so wird aus Weihnachten (Navidad) oftmals (auch im Fernsehen und Printmedien!!!) Pascua (Ostern) und niemand stört sich daran. Wenn man sichergehen will, dass man verstanden wird, wenn man Pascua sagt und wirklich Ostern meint, sollte man lieber "Semana Santa" (Karwoche) sagen. Alles klar?

Das Lamm war ganz lecker, aber wurde wie hier üblich, ohne Sosse serviert, und da ich auch nicht so unhöflich sein wollte, bein Weihnachtsessen meine Kartoffel in Ketchup zu baden, war das ganze dann doch eher etwas trocken für meinen Geschmack...
Für die richtige musikalische Untermalung hatte den ganzen Tag die Deutsche Welle gesorgt. Weil Sebas Mama aber beim Essen den Fernseher nicht anhaben wollte, wurde zu meinen Ehren deutsche Musik hervorgekramt...zwar keine Weihnachtsmusik, aber die Texte versteht ja sowieso niemand... Ich dachte, ok, warum nicht, mal sehen was sie hier so haben und wäre dann fast vom Stuhl gekippt: Wir sassen in einem kleinen Haus zwischen Anden und Pazifik und ich hatte die Wahl zwischen Peter Alexander und Freddy Quinn.

Fazit: Weihnachten in Chile is nix und ausserdem viel zu kurz. Mein Geschenk war allerdings ziemlich cool und hätte es so in Deutschland nicht gegeben... man kann halt nicht alles haben.