Regen macht Santiago wirklich unangenehm, denn die Strassen verwandeln sich grossteils in Flüsse weil es so wenige Gullis gibt. Dann muss man sich auf den Bürgersteigen an die Hauswände drücken, wenn man nicht von den vorbeifahrenden Autos und Bussen geduscht werden will. In öffentlichen Gebäuden und Läden wird dann der Boden mit Sägemehl bestreut um den Matsch und das Wasser von den Schuhen zu binden und damit man nicht ausrutscht. Allerdings verwandelt sich diese Mischung schnell in einen fiesen Papp, den man dann überall hinträgt.
Regen in Santiago hat allerdings auch seine guten Seiten, denn er bedeutet Schnee in den Anden und seit einiger Zeit haben wir einen wirklich spektakulären Blick aus dem Fenster:
An den wenigen besonders kalten Abenden, wenn es nach Frost, Schnee und Rauch aus den Kaminen riecht, komme ich richtig in Weihnachtsstimmung. Das ist wirklich komisch: Wir zünden Kerzen an, essen Orangen, treffen und mit Freunden zum Glühwein trinken oder machen heissen Kakao, es wird früh dunkel und spät hell, aber weit und breit ist nichts von Weihnachten in Sicht. Meiner Meinung nach könnte man es hier aus stimmungstechnischen Gründen auf den 24. den Juni verlegen.
Wie gesagt, ist der Winter hier verglichen mit unserem sehr mild un dich habe mir keine Winterjacke gekauft, denn mit Pullover und Schal tut es auch die Sommerjacke. Allerdings habe ich auch noch nie in einem Winter so gefroren wie hier: und zwar DRINNEN! Draussen kann man es mit der erwähnten Kleidung gut aushalten, aber drinnen friert man sich den A... ab. Das liegt daran, dass die Häuser erstens lausigst isoliert sind und es zweitens kaum irgendwo eine (gescheite) Heizung gibt. Und wenn man ein Elektroöfchen anmacht ist das zwar schön und gut, aber die Wärme bleibt nicht lange weil die Fenster nicht 100% dicht sind und es an allen Ecken und Enden reinzieht. Und dabei wohnen wir in einem neuen Haus!!!
Also ist der wärmste Winter den ich erlebt habe auch der kälteste, nämlich in der Wohnung und das einzige was da hilft sind dicke Socken, Wollpullover, eine Extra-Decke zum schlafen und viiiiiiiiiiiel Tee.