sábado, 10 de febrero de 2007

Was in Chile alles komisch ist II

Ich habe ja gesagt, die Liste von Dezember ist nicht koplett und inzwischen habe ich noch eine Dinge mehr entdeckt, die fuer den gemeinen Mitteleuropaeer hoechst bedenklich erscheinen:

Es gibt in den ganz normalen Supermaerkten (im Jumbo gibt es natuerlich alles) kein Colorwaschmittel. Hoechstens Waschmittel fuer empfindliche Waesche (seltener) und Weichspueler...Perwoll habe ich auch noch nicht gefunden. Ueberhaupt scheint die suedliche Welt fest im Griff von Ariel und vor allem OMO (stimmt´s, Sonja?) zu sein. Jeweils in der Standardvariante und man muss halt hoffen, dass die Waesche das mitmacht.

Linksabbieger bremsen nicht. Wenn es gar nicht anders geht und sie bremsen müssen, machen sie das Fenster auf und motzen.

In Medizinpackungen ist oft kein Beipackzettel, auch nicht in den "guten von Bayer". Der Arzt schreibt auf, wie oft man das Mittel nehmen muss und der Apotheker sagt einem das auch nochmal. Nebenwirkungen werden schon nicht so schlimm sein, schliesslich ist das Zeug ja zur Heilung da. Über Allergien und Wechselwirkungen macht man sich keine Sorgen, weil man dem Arzt das ja im Normalfall erzählt und der dann weiss, was man braucht. Ah ja. Und wenn man davon nichts weiss??? Oder wenn der Arzt in der entsprechenden Stunde in der Uni gefehlt hat?
In denn Faellen wo ein Beipackzettel existiert ist der auch im Durchschnitt nur halb so lang wie einer in Deutschland.
Loesung: immer schoen nachfragen.

In Chile werden nicht nur an Silvester total alberne Papphuetchen, Masken, Luftschlangen und Troeten verwendet, sondern auch auf Hochzeiten. Nach einigen alkoholhaltigen Getraenken und nachdem sich der Hochzeitswalzer nach anfaenglicher Ernsthaftigkeit in eine wilde Party verwandelt hat, werden die besagten Partyartefakte verteilt und alle tun in ihren schicken Klamotten so, als waeren sie 6 Jahre alt. Fotos könnt ihr hier sehen, aber wehe, einer lacht!!!
Ach ja, geheiratet wird entweder um 20:00 oder um 21:00 und zwar ohne Hochzeitsmesse, sondern nur als Trauung. Eigene Musik, Vortraege von Freunden usw. sind nicht ueblich: Der Pastor sagt was nettes, liest ein Evangelium, predigt und traut die beiden. Fertig, gesungen wird gar nicht. Ach ja, und von der Braut wird erwartet, dass sie zu spaet kommt, weil auch sonst keiner puenktlich kommt und es ja sehr peinlich ist, nach der Braut zu erscheinen. Wir waren gestern auf einer Hochzeit, die sollte um 20:00 sein. Wir kamen um 20:10 und waren mit die ersten in der Kirche und die Braut kam um 20:45. Essen gab es so gegen 22:30 und gefeiert wurde dann bis 5:30. Und ich habe keinen gesehen, der nicht getanzt haette, und zwar ohne Aufwaermzeit.
Fazit: Deutsche Hochzeitsmesse mit chilenischer Party = perfekt.

In Santiago sind fast alle Strassen Einbahnstrassen. Deswegen steht auf dem Schild mit dem Strassennamen jeweils ein Pfeil der besagt, in welche Richtung die Strasse zu befahren ist. Soweit so gut.

Ich habe aber die unheimliche Entdeckung gemacht, dass mir auf der Strasse neben dem Park, durch den ich zu Arbeit fahre, IMMER die Autos entgegen kommen. Morgens fahren alle nach Osten und abends nach Westen. Erst dachte ich, ich habe nicht richtig geguckt, aber nach einer Woche intensiver Feldforschung bestand kein Zweifel mehr. Noch grösser war die Überraschung, als ich festgestelt habe, dass die Strasse Sonntags in beide Richtungen befahren wird. Laut Seba gibt es für bestimmte Strassen Zeitpläne, weil morgens alle ins Zentrum rein und abends wieder rausfahren, so ibt es weniger Stau. Au weia... wenn das mal gut geht...anscheinend geht es gut, aber ich frage mich woran man sieht, welcher Zeitplan gerade ist oder wann die Richtung wechselt, wenn man nicht aus Santiago kommt und das auswendig weiss...

Die "Pequeña Gigante"

Am Freitag vor zwei Wochen ist in Santiago etwas ganz Wunderbares passiert: Ich kam wie immer mit dem Rad von der Arbeit und habe mich ziemlich gewundert, weil im Stadtzentrum, kurz vor unsere Wohnung noch viiiiiiiel mehr Leute unterwegs waren als sonst. Wirklich viele, alle Bürgersteige waren verstopft, vor allem mit Familien mit Kindern inklusive Oma, Opa, Popcorn und Eis fuer alle. Und alle stroemten in die gleiche Richtung und waren ziemlich aufgeregt. Hm, scheinbar hatte ich das was nicht mitbekommen.
Zu Hause angekommen fragte ich Seba, ob er weiss, warum so viele Leute in der Stadt herumlaufen. Die Antwort hat mich dann doch erst ziemlich dumm gucken und dann an seinem Verstand zweifeln lassen:

Ja, das ist wegen der "Pequeña Gigante" ("Kleine Riesin"), der ist ihr Rhinozeros abhanden gekommen. Das laeuft jetzt in der Stadt herum und macht alles kaputt. Es hat schon mehrere Busse einfach durch die Gegend geworfen. Die Pequeña Gigante hat versprochen, es bis Sonntag abend wieder einzufangen, damit es nicht ganz Santiago in Schutt und Asche legt.




Aaaaaaaaaaaaaha. Eine Riesin, die ihr Nashorn sucht. Alles klar. Da die Chilenen ganz prima im Geschichtenerfinden sind und einem mit bierernster Mine die unglaublichsten Sachen auftischen, habe ich kein Wort geglaubt und gefragt: Ok. Und was ist wirklich in der Stadt los? Ne, wirklich, sie sucht ihr Nashorn und alle wollen zuschauen. Es half alles nichts, er wollte nicht davon abgehen. Also habe ich irgendwann nichts mehr gesagt. Aber eine Riesenueberraschung erlebt. Wir waren naemlich spaeter gerade auf der Dachterasse des Nachbarhauses (25.Stock) von wo aus man einen guten Blick ueber die umliegenden Strassen hatte. Und abgesehen von massenhaft Leuten lief da wirklich von Musik und Polizeieskorte begleitet ein ca. 7m grosses Maedchen durch die Stadt!!!


Das kam so: Die Pequeña Gigante ist eine Produktion der franzoesichen Theatergruppe "Royal de Luxe" und es handelt sich dabei um eine 7m grosse Marionette. Royal de Luxe hat mehrere Geschichten um sie auf Lager und tourt damit um die Welt. Die Riesin ist wirklich beeindruckend: Sie wird an einem Gerüst aufrecht gehalten, dass an einem Trecker o.ä. befestigt ist. Von allen beweglichen Teilen gehen Seile ab und ueber ein geniales System von Flaschenzuegen wird die Puppe von ca. 20 Maennern bewegt, die sich dafuer richtig ins Zeug legen muessen. Das Tolle an der Kleinen Riesin ist, dass sie richtig lebensecht aussieht und sich auch so bewegt. Gar nicht wie eine Marionette. Sie bewegt auch die Augen, zwinkert mit den Wimpern, isst Eis (richtig mit der Zunge) usw. (siehe Videos).




Abends ging die Kleine Riesin in einem grossen Bett auf einem Platz schlafen und morgens hat sie sich geduscht und sogar gepinkelt, bevor sie weiter ihr Nashorn gesucht hat.


Das Schöne an der ganzen Sache war, dass alle Leute hier die Geschichte richtig ernst genommen haben. Für drei Tage war sie das Thema Nummer eins, jeder wollte sie sehen und ganz Santiago wurde aus seinem grauen Trott gerissen, weil ein Riesenkind sein Nashorn suchte. Sogar die härtesten Play-Station-Junkies blieben mit offenen Mündern am Strassenrand stehen. Am Sonntag Abend hat sie dann wirklich ihr Nashorn gefunden, mit einem Trick in einen Käfig gelockt und wieder mitgenommen. Leider konnte ich von dem Nashorn kein Foto auftreiben.
Jemand hat ein Schild aufgestellt: "Danke Kleine Riesin für drei Tage Phantasie".

domingo, 4 de febrero de 2007

Clínica Alemana

Das neue Jahr hat bei mir gaaanz toll angefangen, nämlich damit, dass mich am ersten Wochenende des Jahres, welches wir eigentlich wandernderweise auf einem Berg verbringen wollten, der für "solche Länder" eigentlich längst überfällige Durchfall erwischt hat. Hier kriegt man sowas aber nicht, wie in Guatemala vom Leitungswasser, das kann man prima trinken, sondern von fragwürdig frittierten Sopaipillas oder vom Gemüse.

Die Chilenen waschen erst ihr Gemüse, bevor sie es dann schälen. Ich hatte immer gedacht eins von beiden reicht und da ich kein Freund von geschälten Sachen (Möhren, Tomaten, sogar Pfirsische!!!) bin, habe ich es dann beim Waschen belassen. Dazu muss man wissen (was ich natürlich nicht wusste), dass bis vor einiger Zeit die Felder hier mit Abwasser gewässert wurden und deswegen alles was in Bodennähe wächst ziemlich ekelig war. Deswegen gibt es hier sogar ein Lebensmittel-Desinfektionsmittel, das tut man in das Wasser, mit dem man das Gemüse wäscht. Fragt sich nur, ob das nicht auch schädlich ist. Nunja, also am besten waschen und schälen. Beides ist angebracht, weil man beim Schälen ja die Schale anfasst und wenn die fies ist packt man dann mit den fiesen Fingern das Innere an und kriegt trotzdem Durchfall.

Das wässern mit Abwasser ist heutzutage verboten, aber ab und zu macht es doch noch einer und da man nie wissen kann, welche Möhre es erwischt hat, muss man alle schälen. Habe ich natürlich nicht gemacht und bumms, konnte ich zwischen Klo und Bett pendeln, statt wandern zu gehen. Das guckt man sich eine Weile an, aber nach drei Tagen wurde uns das zu bunt weil garnichts mehr ging, also ab zum Arzt. Leider passiert sowas immer Sonntags, also konnten wir nicht zum normalen Arzt, sondern mussten ins Krankenhaus. Da es hier eine Deutsche Klinik gibt, sind wir dahin gefahren, keine Ahnung was für Vorteile ich mir davon versprochen habe, aber es klang irgendwie vertrauenerweckend.

Bei der Klinik angekommen, sind wir durch die Notaufnahme rein, aber nicht so dramatisch, denn wie ich erfahren habe, kommt in Chile jeder, der keinen festen Termin gemacht hat, als "urgencia" rein, auch wenn man nicht mit dem Kopf unter dem Arm kommt und noch etwas warten kann. Weil ich das nicht wusste, habe ich vorher zu Seba gesagt, ich will nicht als "urgencia" rein, so dramatisch ist Durchfall ja nun nicht, sondern ich will in die "ambulancia". Daraufhin hat er mich ziemlich verständnislos angeschaut und meinte das sei erstens total übertrieben und zweitens viel zu teuer. Ah, klar, "ambulanica" ist nicht "Ambulanz", sondern Krankenwagen...

Von aussen ist die Clínica Alemana einschüchternd schick. Von innen, da wo man behandelt wird, weniger. Da sah es ganz normal aus und ich wurde von einem sehr netten Arzt, dem Akzent nach aus Kolumbien oder Ecuador, behandelt. Jedenfalls war er weder Chilene noch Deutscher. Der hat mit erstmal Fieber gemessen und so weiter und mir dann eine Salzinfusion verabreicht, weil ich wohl schon eine leichte Ähnlichkeit mit Dörrobst an den Tag gelegt habe. Dann Antibiotikum verschrieben und, oh graus, er hat mir einen einwöchigen Diätplan aufgebrummt mit so leckeren Sachen wie Tee, Wasser, trockenem Brot, trockenem Reis, trockenen Nudeln und gekochten Möhren...ihr könnt euch das Wochenende danach vorstellen, als ich wieder alles essen durfte: Erstmal ab in die Eisdiele!!!

Nunja, die Clinica Alemana war ja ganz nett, aber es gab nichtmal ein digitales Fieberthermometer und dafür, dass da sonst so schick sein sollte fand ich das schon komisch. Ausserdem sind die Preise da ganz schön gesalzen und es liegt am AdW, so dass ich beschlossen habe beim nächsten Mal lieber in eine nähere Klinik zu gehen, wo man auch "geholfen kriegt". Deutsch konnte eh keiner von den Leuten die ich da gesehen habe.

Am nächsten Tag nach der Arbeit musste ich allerdings noch mal zur Kontrolle hin. Das war ganz lustig, denn der Arzt vom Sonntag hatte frei und die diensthabende Ärztin hat erstmal recht ratlos auf meinen Zettel geschaut...Vera ist nämlich in Chile ein Nachname und Neeten ganz unbekannt, so dass sie erstmal nicht wusste, ob jetzt ein Mann oder eine Frau kommt. Dann hat sie nicht gewusst, mit was sie mich anreden soll, denn in Chile wird man meistens beim Vornamen genannt, auch wenn man gesiezt wird. Sie hat dann recht unsicher Neeten und Du zu mir gesagt, was meinerseits zu einem für meinen Bauch nicht so guten Lachanfall geführt hat... ne, ist schon schwierig. Ich stelle mit das so vor, als wenn in Deutschland "Ping Il Su" oder so aus China zum Artz muss.

Auf der Rückfahrt habe ich mal wieder gemerkt, wie riesig Santiago ist: Ich hab mich zum ersten Mal getraut, alleine einen Bus auf der Strasse anzuhalten und sogar geschnallt, welchen ich nehmen muss. Das ist nicht so einfach, denn die Busse haben meist keine Nummern, sondern Schilder im Fenster, wo draufsteht, wo sie langfahren. Wenn man die Strassen oder Viertel allerdings nicht kennt, nützt das wenig und selbst wenn, fahren sie manchmal so schnell, das man eh nicht alles lesen kann und dann hat man nicht gewunken und der Bus ist futsch.

Ich habe das auf jeden Fall schon mal geschafft und dann aus dem schickeren Ende bis ins Zentrum bzw. bis nach Hause mit dem Bus und zu Fuss 1,5 Stunden gebraucht!!! Das ist so, als wenn man zum Blutdruck messen von Aachen West nach Köln-Deutz fährt, nämlich völlig absurd. Irgendwie kriegt man hier ein andere Gefühl für Zeiten und Entfernungen und tut Dinge, die einem in Deutschland im Traum nicht einfallen würden.

Aber da ich ja jetzt immer brav alles wasche und schäle, passiert mir sowas hoffentlich nicht so bald nochmal.