viernes, 19 de enero de 2007

Der Ernst des Lebens...


... hat am 02.01.2007 zum schaetzungsweise zum 10. Mal begonnen, denn jetzt schwinge auch ich mich jeden Morgen mehr oder weniger wach aus dem Bett um mich ins Berufsleben zu stuerzen...ok immer noch als Trainee, aber eigentlich gibt es nur zwei merkliche Unterschiede zu den anderen Angestellten: Erstens darf ich in alle Meetings des Chefs mit, um was zu lernen und alle wollen mir was beibringen und zweitens kriege ich nur ein winziges Gehaeltchen. Ok, ich liege deutlich ueber dem chilenischen Mindestlohn, aber wie man davon leben soll muss mir auch erst mal einer erklaeren..

Mein Dienstplan bei det GTZ sieht Folgendes vor: Erstmal alles von vorne lernen, d.h. Organigramme und Akten waelzen, in den Besprechungen vom Chef zuhoeren und ihn hinterher mit Fragen loechern und so weiter. Des weiteren soll ich in einem neu gestarteten (bwz. startenden) Porjekt, dem sog. Reformfonds mitmachen. Das ist so: Frueher einmal gab es viel Geld und man konnte grosse Projekte machen mit eigenem Buero, Budget fuer Reisen, Sekretariat usw.. Die Zeiten sind fuer Chile vorbei, weil das Land nicht mehr so arm ist wie z.B. Bolivien und deswegen muss man sich neue Wege der Zusammenarbeit einfallen lassen. .

Dazu muss ich sagen, dass die GTZ keine Entwicklungshilfe macht, sondern sozusagen Unternehmensberatung auf Staatsebene. Die GTZ ist eine Firma der BRD, deren groesster Kunde das Bundesministerium fuer Zusammenarbeit unter Frau Wizoschreck ;-) ist. Die GTZ sitzt nun in allen moeglichen Laendern und bietet den dortigen Regierungen Dienstleistungen an, z.B. Experten zur Beratung, Studienreisen, Fortbildungen usw. Die jeweilige Regierung muss das aber anfordern. D.h. die chilenische Regierung bzw. eine Regierungsstelle geht zur GTZ und sagt: Wir haben folgendes Problem, koennen wir das zusammen loesen? Dann guckt sich die oertliche GTZ das an und schreibt eine Mail nach Deutschland an die Zentrale mit der Frage: Haben wir dafuer Leute und Geld? Denn die GTZ im jeweiligen Land ist sozusagen der Vermittler fuer Experten, die koennen ja nicht schon alle da sein. Wenn die Zentrale sagt, dass das machbar ist, schreibt der Landeschef ein Angebot. Da muss in einem genauen Format drinstehen mit wem, warum, wofuer, wie lange, fuer wie viel Geld, nach welcher Ausgangslage und mit welchem erhofften Erfolg ein Projekt gemacht wird. Ausserdem muss drinstehen woran man den Erfolg des Projektes messen will und was das Ziel ist..

Beipiel: Es soll eine Sozialversicherungskultur aufgebaut werden. Indikator: In drei Jahren wissen alle Chilenen vom Kuestenfischer bis zum Manager, dass es eine Sozialversicherung gibt, wofuer das gut ist, was ihre Rechte und Pflichten sind und wo man das nachlesen kann. (Das ist nicht so einfach wie es klingt, im Moment weiss das naemlich fast keiner). Das Angebot kommt dann also in die Zentrale und wird da geprueft und an das Ministerium weitergegeben. Das Ministerium als Auftrag- und Geldgeber schreibt dann einen Auftrag an die Firma GTZ, das Angebot durchzufuhren und mit den angegeben Mitteln den gewuenschten Zweck zu erfuellen. Nach drei Jahren kommt ein Gutachter und guckt sich den Erfolg des Ganzen an. Soweit die Zuammenfassung von dem was sie mit in den ersten drei Tagen um die Ohren gehauen haben, allerdings nicht so schoen komprimiert wie ich das jezt mache ;-)

Bald bin ich auch Experte darin, was es hier fuer Ministerien gibt und was alles fuer Reformen warum am Start sind. Hier gibt es uebrigens auch eine Gesundheitsreform. So, jetzt aber zurueck zum Reformfonds. Das ist ein Topf mit 2,3 Mio Euro fuer drei Jahre, inkl. Computer, Bleistifte etc. und Personal. In diesem Fall eine Frau namens Ines, die von einem ausgelaufenen Projekt dahin gewechselt hat und mich. Der Reformfonds besteht also aus wenig Geld (Um was zu machen bleiben 1,5 Mio uebrig). Chilenische Institutionen, die eine wichtige Reform machen wollen koennen sich mit der Reform um Geld aus dem Fonds bewerben. Da das Projekt aber noch ganz neu ist, weiss keiner, dass es den Fond gibt. Also muessen Ines und ich bei den Fonds bekanntmachen, damit sich danach die Ministerien oder wer auch immer darum bewerben koennen. Dann wird das Geld aber nicht ueberwiesen, sondern in der Bewerbung muss genau drinstehen, was die von den
Deutschen erwarten, damit sie nicht von uns was geschenkt bekommen, was man in Chile gegen Geld haben kann, z.B. von einem Consulter. Die Idee ist, dass der chilenische Staat seine Reformen selber finanziert und mit dem Fonds nur der Ipunkt an zuendernder Idee oder Beratung zum Anschub bezahlt wird. Wenn das alles plausibel ist, kuemmern wir uns darum, dass der entsprechende Experte in Deutschland aufgetrieben und herverfrachtet wird, damit er ein paar Wochen Beratung gibt oder darum, dass der chilenische Minister in Deutshcland die entspechenden Kontakte kriegt damiter hinreist, um sich da schlau zu machen, wie es bei uns laeuft oder sowas. Eine Bewerbung kommt tatsaechlich von der Sozialreform, die moechte, dass eine Strategie entwickelt wird wie man in Chile eine Sozialversicherungskultur schafft, siehe oben. Das ist bisher die einzige Bewerbung weil die anderen noch nichts von dem Fonds wissen. Wir muessen den also schnell bekannt machen, damit Bewerbungen kommen, bevor das BMZ den Hahn wieder zudreht.

Im Moment lese ich mich aber groesstenteils ein und lerne alles kennen. Ach ja und ich soll noch eine Dokumentation machen ueber die duale Ausbildung in Chile und den Verdienst der GTZ. So eine Ausbildung wird naemlcih hier dringend benoetigt (es gibt sie, aber nicht wie bei uns standardmaessig, sondern nur einige Schulen und Betriebe machen das). Die Betriebe haben erkannt, dass das sinnvoll ist und es kann sein, dass demnaechst Nachfrage entsteht. Da Chile kein Entwicklungsland mehr ist, werden solche Projekte aber nicht mehr bezahlt. Die Idee ist, die GTZ als Know-How-Inhaber anzupreisen, damit Chile eventuell diese Dienstleistung bei der GTZ kauft. Da ist eine Dokumentation das richtige Werbematerial und das soll ich mal so nebenher machen.
So, jetzt wisst ihr Bescheid...oder auch nicht ;-) Und wem das noch nicht reicht, der kann ja in den Links nachschauen.

jueves, 18 de enero de 2007

Silvester in Valparaiso

Silvester ist in Chile ein ganz grosser Kindergeburtstag und richtig gefeiert wird nicht bis, sondern ab 0 Uhr: Erstmal treffen sich die Familien oder Freunde zum Essen. Eigentlich die Familien, aber die wohnen oft zu weit weg, weil Chile so lang ist, dann muessen die Freunde herhalten. Wir haben bei einer Freundin von Seba gegessen (fuer Mama: die beruehmte Quinti, im gruenen Pullover), wobei Seba auch ausser der Gastgeberin und einer anderen Ferundin niemanden kannte. Die anderen Freunde waren naemlich ueber die Feiertage alle auf "Heimaturlaub", also entweder in Puerto Montt (ca. 1200km suedlich) oder in Punta Arenas (ca. 3000km suedlich). Der Tisch sah schon stark nach Karneval aus, mit Luftschlangen, Konfetti und auf jedem Teller eine bunte Pappmaske fuer die Augen. Nun gut. Das Essen ist an Silvester richtig festlich, mit Vorspeise und allem drum und dran. Da wir in Chile sind, gab es als Vorspeise gefuellte Avocado auf Blattsalat und ich muss zugeben, dass das sehr lecker war. Als Hauptgericht Truthahn, allerdings nicht am Stueck, sondern in Stueckchen, denn alles andere haette die versammelte Mannschaft kochtechnisch ueberfordert ;-) Nach und beim Essen wurden sich sporadisch die Pappmasken aufgesetzt, deren naeheren Sinn mir allerdings keiner erklaeren konnte.

Nach dem Essen ging es los mit dem Bus nach Valparaiso (wir waren in Quilpue, das ist so wie Aachen und Wuerselen). Wir waren stolze Besitzer von Eintrittskarten fuer eine Party auf einer alten Mole, mit Live-Musik und frei trinken. Wir hatten lange ueberlegt, ob wir das Geld fuer diese Fete auf den Tisch legen, aber schliesslich sollte das neue Jahr ja gut anfangen. Also voller Erwartungen in den Bus und dort die Party gestartet. Irgendwer von den anderen Passagieren hatte Luftballons dabei, wir hatten Sektflaschen und dann stieg noch jemand mit Gitarre ein und fing an zu singen. Perfekt. In Valparaiso angekommen konnte ich meinen Augen nicht trauen, wie viele tausend Leute da mit Kind, Kegel und Luftschlangen um den Hals an den Uferpromenaden standen und auf 0 Uhr warteten. Das Feuerwerk von Valparaiso ist angeblich unter den fuenf groessten Silvesterfeuerwerken der Welt. Die Sache ist die, dass es hier seit einigen Jahren verboten ist, privat Feuerwerk zu machen, weil es immer so viele Unfaelle gab. Dafuer machen die Staedte offizielles Feuerwerk. Hier an der Kueste sind mehrere Staedte, wie z.B. Valparaiso und Viña del Mar zusammengewachsen und sie liegen in einem U, so dass man an acht stellen entlang der Kueste gleichzeitig Feuerwerk sehen kann.

Wir sind also stolz wie Oskar auf die Mole gestroemt um dann festzustellen dass das mit dem frei trinken nicht so der Renner war, weil es die Haelfte von dem, was wir bestellen wollten nicht gab. Es gab eigentlich nur harte Sachen oder Mix. KEIN BIER!!! Naja, davon haben wir uns nciht die Laune verderben lassen und iuns nach vorne an den Rand der Mole durchgeboxt, so dass wir kurz vor zwoelf ca. 10 Meter ueber und150 Meter im Pazifik standen. Und ich muss sagen: Das Feuerwerk von Valparaiso ist wirklich unglaublich toll!!! Leider stand ich nicht ganz vorne, so dass ich nicht die entlang der Kueste sehen konnte, sondern nur das von Valparaiso. Auf den Schultern von Seba konnte ich dann doch mal einen Blick darauf werfen...Wahnsinn!!!

Der Rest der Party war leider nicht so der Wahnsinn, denn abgesehen davon, dass es saukalt war (dafuer kann keiner was) war die Mole viel zu voll, die Bar schlecht und die Musik so schlecht ausgesteuert, dass man die Band, die wirklich supergut war (Cumbia-Musik, also eine Band mit 10-15 Leuten: ein Saenger, Blaeser, Bongos und Klanghoelzer; zum Merengue tanzen) kaum hoeren konnte. Alles in allem haben wir beschlossen naechstes Jahr an einem weniger schicken Ort, dafuer mit ausgewahlten Leuten und fuer den halben Preis mit doppelt so viel Stimmung zu feiern.