Silvester ist in Chile ein ganz grosser Kindergeburtstag und richtig gefeiert wird nicht bis, sondern ab 0 Uhr: Erstmal treffen sich die Familien oder Freunde zum Essen. Eigentlich die Familien, aber die wohnen oft zu weit weg, weil Chile so lang ist, dann muessen die Freunde herhalten. Wir haben bei einer Freundin von Seba gegessen (fuer Mama: die beruehmte Quinti, im gruenen Pullover), wobei Seba auch ausser der Gastgeberin und einer anderen Ferundin niemanden kannte. Die anderen Freunde waren naemlich ueber die Feiertage alle auf "Heimaturlaub", also entweder in Puerto Montt (ca. 1200km suedlich) oder in Punta Arenas (ca. 3000km suedlich). Der Tisch sah schon stark nach Karneval aus, mit Luftschlangen, Konfetti und auf jedem Teller eine bunte Pappmaske fuer die Augen. Nun gut. Das Essen ist an Silvester richtig festlich, mit Vorspeise und allem drum und dran. Da wir in Chile sind, gab es als Vorspeise gefuellte Avocado auf Blattsalat und ich muss zugeben, dass das sehr lecker war. Als Hauptgericht Truthahn, allerdings nicht am Stueck, sondern in Stueckchen, denn alles andere haette die versammelte Mannschaft kochtechnisch ueberfordert ;-) Nach und beim Essen wurden sich sporadisch die Pappmasken aufgesetzt, deren naeheren Sinn mir allerdings keiner erklaeren konnte.
Nach dem Essen ging es los mit dem Bus nach Valparaiso (wir waren in Quilpue, das ist so wie Aachen und Wuerselen). Wir waren stolze Besitzer von Eintrittskarten fuer eine Party auf einer alten Mole, mit Live-Musik und frei trinken. Wir hatten lange ueberlegt, ob wir das Geld fuer diese Fete auf den Tisch legen, aber schliesslich sollte das neue Jahr ja gut anfangen. Also voller Erwartungen in den Bus und dort die Party gestartet. Irgendwer von den anderen Passagieren hatte Luftballons dabei, wir hatten Sektflaschen und dann stieg noch jemand mit Gitarre ein und fing an zu singen. Perfekt. In Valparaiso angekommen konnte ich meinen Augen nicht trauen, wie viele tausend Leute da mit Kind, Kegel und Luftschlangen um den Hals an den Uferpromenaden standen und auf 0 Uhr warteten. Das Feuerwerk von Valparaiso ist angeblich unter den fuenf groessten Silvesterfeuerwerken der Welt. Die Sache ist die, dass es hier seit einigen Jahren verboten ist, privat Feuerwerk zu machen, weil es immer so viele Unfaelle gab. Dafuer machen die Staedte offizielles Feuerwerk. Hier an der Kueste sind mehrere Staedte, wie z.B. Valparaiso und Viña del Mar zusammengewachsen und sie liegen in einem U, so dass man an acht stellen entlang der Kueste gleichzeitig Feuerwerk sehen kann.
Wir sind also stolz wie Oskar auf die Mole gestroemt um dann festzustellen dass das mit dem frei trinken nicht so der Renner war, weil es die Haelfte von dem, was wir bestellen wollten nicht gab. Es gab eigentlich nur harte Sachen oder Mix. KEIN BIER!!! Naja, davon haben wir uns nciht die Laune verderben lassen und iuns nach vorne an den Rand der Mole durchgeboxt, so dass wir kurz vor zwoelf ca. 10 Meter ueber und150 Meter im Pazifik standen. Und ich muss sagen: Das Feuerwerk von Valparaiso ist wirklich unglaublich toll!!! Leider stand ich nicht ganz vorne, so dass ich nicht die entlang der Kueste sehen konnte, sondern nur das von Valparaiso. Auf den Schultern von Seba konnte ich dann doch mal einen Blick darauf werfen...Wahnsinn!!!
Der Rest der Party war leider nicht so der Wahnsinn, denn abgesehen davon, dass es saukalt war (dafuer kann keiner was) war die Mole viel zu voll, die Bar schlecht und die Musik so schlecht ausgesteuert, dass man die Band, die wirklich supergut war (Cumbia-Musik, also eine Band mit 10-15 Leuten: ein Saenger, Blaeser, Bongos und Klanghoelzer; zum Merengue tanzen) kaum hoeren konnte. Alles in allem haben wir beschlossen naechstes Jahr an einem weniger schicken Ort, dafuer mit ausgewahlten Leuten und fuer den halben Preis mit doppelt so viel Stimmung zu feiern.