Der elfte September ist in Chile ein besonderer Tag, aber die wenigsten denken dabei an den Ground Zero. Am 11. September 1973 fand nämlich hier der Militärputsch von Pinochet gegen den Präsidenten Salvador Allende statt.
An diesem Tag (bzw. am nächstgelegenen Wochenende) erinnern die Hinterbliebenen Pinochet-Opfer traditionell daran, dass noch immer niemand für die Verbrechen dieser Zeit bestraft wurde. Sie (zusammen mit Sozialisten, Kommunisten, Gewerkschaften etc.) organisieren dann Erinnerungsmärsche und fragen immer wieder, wo ihre Leute geblieben sind, denn viele sind bis heute nicht offiziell tot, sondern nur "verschwunden". Da wir die Strasse zum Hauptfriedhof, wo Salvador Allende begraben ist und es ein riesiges Denkmal für alle Verschwundenen gibt, von unserem Balkon aus sehen können, haben wir am Sonntag schon einiges mitbekommen. Leider waren (wie immer) einige Idioten und Krawallschläger im Zug, so dass es am Sonntag auf dem Friedhof ein ziemliches Chaos gab.
Für heute hatte Seba mir geraten, lieber nicht mit dem Rad zu fahren, für den Fall dass es Krawalle gibt, also bin ich brav mit der U-bahn zur Arbeit und wir haben auch alles verrammelt, wegen möglichem Tränengas.
Auf der Arbeit habe ich dann von nichts was mitbekommen und alles sah auch aus wie immer. Heute abend in den Nachrichten haben sie dann gesagt, dass dies der ruhigste 11. September seit dem Putsch war. Es gab Demonstrationen vor dem Regierungspalast, denn dort steht das Allende-Denkmal (Seba arbeitet direkt davor und konnte alles mitbekommen). Die Gegend war absolut abgeriegelt und die Polizei hat immer nur jede Demonstrationsgruppe für eine begrenzte Zeit an das Denkmal gelassen und dann die nächste. Einige Ausschreitungen gab es dann doch, in den Wohngegenden ausserhalb des Zentrums und auf einer wichtigen Strasse, aber laut der Leute hier war im Vergleich zu sonst alles sehr ruhig.
Das wirklich seltsame an der ganzen Sache war für mich die Berichterstattung und wie geteilt die Gesellschaft immernoch ist (zumindest kommt es so herüber). Im Fernsehen nimmt niemand das Wort Diktator in den Mund, wenn er von Pinochet spricht (die Fernsehsender sind bis auf einen alle leicht rechts angehaucht, ebenso die grossen Zeitungen (Berlusconi lässt grüssen). Es wurden heute auch zwei Messen gefeiert: Eine für Allende und die Pinochet-Opfer, unter Teilnahme der Präsidentin Bachelet und vieler Politiker. Die andere im High-End Santiagos in Erinnerung an den "grossen General Pinochet", den viele noch verehren, weil er das Land angeblich vor den Kommunismus und dem Zerfall gerettet hat.
Patrioten sind sie hier alle, nur versteht das jede Gruppe anders und es geht immernoch ein tiefer Riss durch die Gesellschaft, im normalen Leben gut zugeklebt und abgedeckt. Das ist eine Frage von Macht, Geld und Weltbildern und wird sich auch so schnell wohl nicht ändern.
martes, 11 de septiembre de 2007
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