Die nächste Maus ist schon was länger vorbei und ich wollte ja die Sache mit dem Notar erklären. Also ich war da stehengeblieben, dass die mehr oder weniger freundliche Dame vom Amt mir sagte, mein Vertrag muss von beiden Seiten vor einem Notar unterschrieben sein, sonst kann ich kein Visum beantragen. Also habe ich das so an die GTZ weitergegeben und die nette Verwaltungsleiterin (Anette) hat zwar ein bisschen die Stirn gerunzelt, weil ihr sowas noch nicht untergekommen ist, ist aber dann in Kenntnis der chilenischen Ordnungsfimmeligkeit (oder soll man sagen: Obrigkeitshörigkeit) mit mir zum Notar gedackelt.
Ein Notar, so stellte sich dann heraus, ist auch nicht überall gleich. Ich kenne wenige Leute, die in Deutschland schon mal bei einem Notar waren und dann für wirklich wichtige Sachen, wie Hauskauf oder sowas. Ich stelle mir das auch so vor, dass man einen Termin macht und der Notar sich dann das Anliegen anhört und die Sache dann nach einem Gespräch geregelt wird. Falls es jemand von den Lesern besser weiss, bitte melden. Beim chilenischen Notar mach man keinen Termin, sondern man geht hin und findet sich vor einer langen Theke wieder. Hinter der Theke befindet sich eine Reihe Schreibtische, jeweils von einer Sekretärin besetzt, über deren Kopf eine Nummer baumelt. Am Eingang zieht man eine Nummer, so wie beim Einwohnermeldeamt. Irgendwann leuchtet dann die gezogene Nummer auch auf und man kann dann zu der jeweils freien Sekreaerin gehen. Diese sieht dann alle Unterlagen durch und laesst sich den Ausweis zeigen. Dann unterschreibt man das Dokument und dann kommt der Hammer: Unterschreiben genuegt nicht, wie ich auch schon beim Abschluss meiner Krankenversicherung feststellen musste: Damit man auch ja man selber ist, muss man seinen rechten Zeigefinger mit Kohle beschmieren und auf das Dokument stempeln!!!
Wenn das alles erledigt ist, verschwindet die Sekretaerin mit Dokumenten und Ausweis in einem Glaskasten weiter hinter der Theke. Dort drin hockt wie die Spinne um Netz der Notar und wartet auf seine fette Beute, denn jede Unterschrift kostet umgerwechnet ca. 4,50 Euro. Ok, der Job ist todlamgweilig, aber ueber schlechte Bezahlung kann sich zumindest der Notar nicht beschweren. Dazu kommt (ich habe mal rechts und links geschaut und auch ein bisschen rumgefragt), dass man in Chile eigentlich fast gar nichts ohne Notar machen kann. Willst Du deine Arbeit kuendigen? Geh zum Notar. Willst Du deinen Kindern eine Reiseerlaubnis geben? Geh zum Notar. Und so weiter und so fort. Ich habe ja den Verdacht, dass die Notare das so eingerichtet haben, um Geld zu machen und da die Chilenen an alles glauben was die Sachen irgendwie offizieller aussehen (wenn auch nicht besser funktionieren) laesst, haben sie damit offene Tueren eingerannt.
So, nun zu meinem Fall. Das waere ja schon alles kompliziert genug gewsen, aber neine, ich bin ja Auslaender und habe keine RUT. RUT ist sowas wie in Spanien DNI. Die Nummer deines Lebens, die Dich ueberallhin begleitet. Die RUT steht auf dem Ausweis und die Chilenen koennen sich nicht vorstellen wie man in Deutschland einfach nur mit seinem Namen existieren kann. Fehlt nur noch, dass man den Leuten einen Strichcode in den Arm taetowiert oder auf dem Friedhof die RUT auf die Steine schreibt. Man braucht die RUT fuer alles, aber auch wirklich alles, vom Bankkonto ueber die Reklamierung, die Schulanmeldung, sogar wenn man in der Disko seine Jacke abgibt muss man manchmal seine RUT angeben. Ich armes Wesen habe keine RUT, bin also eigentlich gar kein Mensch. Deswegen muss ich mich da, wo andere Leute ihre RUT angeben, mit meinem Reisepass identifizieren. Mein Perso gilt hier garnichts. So auch beim Notar, wo ich natuerlich keinen Reisepass dabeihatte und deswegen am neachsten Tag wiederkommen musste. Alle Beteuerungen, ich waere doch die gleiche Person, mit oder ohne Pass und der Ausweis sei mein offizielles Dokument zu Identifizierung haben rein goa nischt geholfen.
Die einzige Stelle, wo ich prima ohne RUT bekommen habe was ich wollte, war bei der Krankenversicherung. Die kriegen ja auch Geld von mir.
Naja...wenn das Visum durch ist, kriege ich einen Chilenischen Auslaenderpass mit RUT. Mal sehen, ob man dadurch ein besserer Mensch wird...ich habe da Zweifel ;-)
lunes, 29 de enero de 2007
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