lunes, 7 de mayo de 2007

Ab in den Süden...

...dem Regen hinterher!

Nachdem die letzten Wochen mit Diplomarbeit fertigschreiben (Seba) bzw. Visum hinterherlaufen, Bestimmungen lesen, informieren und Bewerbungen schreiben (meine Wenigkeit) und Pläne schmieden (beide) doch ziemlich an die Nerven gegangen sind, haben wir uns den 30.04. freigenommen und sind am Freitagabend vorher einfach mal ein paar Tage verschwunden. Aus Santiago zumindest. Da Sebas ganze Sippschaft aus Chiles grünem Süden kommt, war das Ziel schon klar, denn dort war sicher, dass wir gefüttert werden und ein trockenes Plätzchen zum Schlafen kriegen würden. Die Campingsaison ist dann doch vorläufig vorbei, es sei den man steht auf Schnupfen und Frostbeulen oder hat Zeit und Geld um gaaaaaanz weit in den Norden zu fahren.

Also ab in den Nachtbus und 11 Stunden absitzen bis Puerto Varas (das könnt ihr jetzt mal im Atlas suchen!!!). Dabei muss ich immer wieder sagen, dass die Reisebusse hier echt erste Sahne sind: Man kriegt Kopfkissen, Decken, Filmchen und Morgens Kaffee und Kekse. Für den Fall dass einer an Bord eine Seuche weiterverbreitet werden von allen Passagieren die Telefonnummern eingesammelt, damit man sie zur Not anrufen und zum Arzt schicken kann. Ist angeblich mal vorgekommen und seitdem machen sie das auf Fahrten, die länger als 4 oder 5 Stunden dauern.

Am ersten Tag sind wir erstmal mit Apfelstrudel und gebratenem Fisch verwöhnt worden und haben dann am zweiten in einem Mietauto die Flucht ergriffen, um die Gegend von Hornopirén (das ist WIRKLICH der AdW!!!) genauer unter die Lupe zu nehmen. Ich bin mal wieder zu dem Hüsch-Ergebnis gekommen: Schön, sehr schön, aber wohnen möchte ich da nicht. Im Süden auf dem Land wohnen die Leute nämlich in Holzhäusern von denen viele Ähnlichkeit mit deutschen Gartenhäuschen haben, aber schlechter in Schuss sind. Die Häuser sind hier fast alle aus Holz, die Aussenwände bestehen aus einer Art Sperrholzplatten, auf die dann zur Isolierung Styropor kommt. Darüber dann die äussere Holzplattenschicht und fertig, zu bewundern im Fotoalbum. Da es hier auch so gut wie keine Handwerksausbildung gibt (wofür denn, ein bisschen hämmern, sägen und pinseln kann ja jeder), könnt ihr euch vorstellen, wie doll vor allem die älteren Häuser sind. Gut die Hälfte der Häuser steht auch noch auf Stelzen oder sowas, weil ein Fundament aus Beton teuer ist und ein Holzboden auf der Wiese schnell weggammelt...von unten ziehts also auch noch. Isolierung usw. kann man total vergessen und das bei der Kälte im Winter. Ausserdem regnet es hier immer und es gibt keine Heizung...Feueröfen sind ja romantisch, aber auf Dauer, nunja. Manche Gegenden sind auch so abgelegen, dass es entweder gar keinen Strom gibt, oder pro Dorf ein Dieselgenerator rattert, was die Sache teuer macht. Noch dazu kamen wir ausserhalb jeder Saison in Hornopirén an, so dass man nicht übernachten und nur mit sehr viel Mühe etwas Essbares finden konnte. Wo wir schliesslich doch noch was gefunden haben, mussten wir uns beeilen, weil das ganze Dorf zum Pferderennen ging und die Besitzerin des Restaurants natürlich nicht fehlen wollte.
So, damit ihr nicht denkt, dass der Süden von Chile ein totales Desaster ist, jetzt zu den schönen Dingen: Die Landschaft!!!


Um Puerto Varas herum sieht es exakt aus wie am Niederrhein, die haben sogar die gefleckten Kühe. Der Unterscheid ist der, dass sich eben diese die Wiesen mit Ñandus (eine Art Vogelstrauss) teilen und ab und zu immer mal wieder ein schneebedeckter Vulkan aus dem Boden wächst, nämlich dann, wenn die Regenwolken wegziehen und die Sicht freigeben. Das ist dann immer wieder ein Aha-Effekt. Die Gegend um Hornopirén ist voller Wald, kalter Regenwald. Das sind richtige Urwälder und man kann davon ausgehen, dass da abseits einiger Wanderwege selten bis nie ein Mensch hingetreten hat. Unterwegs findet man immer wieder Wasserfälle, verstreute Holzhütten und Fischerbuchten und die Fjorde kann man mit Autofähren überqueren.Da ist es wirklich wund-der-schön!

Hier werden auch viele Lachse gezüchtet, das ist superinteressant, weil die runden Lachsbecken, die im Meer abgetrennt sind, nachts beleuchtet werden, damit die Lachse denken, es sei immer Tag und sich schnell fettfuttern. Diese Lichter unter Wasser sehen aus wie Szenen aus Akte X oder sowas.

Am nächsten Tag haben wir die Pläne geändert, das Mietauto abgegeben und sind dafür bei strömendem Regen mit Sebas Eltern und seinem Bruder Pablo plus Familie an den Lago Puyehue gefahren und haben und dort Hütten mit Seeblick gemietet. Dann bin ich erstmal mit Pablo und den Seinen im nah gelegenen Thermalbad verschwunden (ein Becken heisses Wasser für 9 Euro, nix Karolus-Thermen!) während Seba, der nicht sooooo gerne nass wird, das nötige tote Tier fürs abendliche Grillen herbeigeschafft hat... Das war mal Entspannung, erst im heissen Wasser tummeln, und dann auf der Veranda mit Blick auf den See in einer alten Schubkarre Fleisch brutzeln. Noch dazu einen Pisco Sour und ein Bierchen und Santiago ist vergessen. Am nächsten Morgen haben wir dann mit den Kiddies Mariana, 11 Jahre und Alvaro, 7 Jahre (Hilfe, sie nennen mich Tante!!!) das Gelände erkundet und ein paar Prachtexemplare von Fliegenpilzen gefunden. Nach einem letzten Trip in den Wald mussten wir leider am Dienstag abend wieder rein in den Bus und ab nach Santiago, wo wir dann um 7:30 morgens angekommen sind...und um 9 Uhr auf der Arbeit waren (gähn!). Aber es hat sich gelohnt.

PS: Sorry, ich habe wirklich keine Ahnung, warum die Schrift manchmal schön und manchmal eng erscheint...habe alles versucht und gehe jetzt schlafen. Falls jemand einen HTML-Code für 1,5-fachen Zeilenabstand oder sonst eine Lösung kennt, bitte melden.

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