Man soll es ja nicht glauben, aber ich habe die Meeresfrüchte für mich entdeckt und in einer Woche so viele Meeresbewohner verschlungen, wie davor mein ganzes Leben lang nicht. Allerdings nicht ganz ohne ein bisschen Nachhilfe:
Unser Freund und Nachbar Felipe hatte uns samt meiner GTZ-Kollegin Antje aus Rostock, die gerade zu einem Praktikum angekommen war, zu seinem Geburtstag in das Haus seiner Eltern in einen Vorort von Valparaíso eingeladen. Das kleine neue Häuschen war gerammelt voll und auf dem noch kahlen Betonhof brannte in Feuer, aber nicht zum Grillen, sondern mit einem riesigen Topf drauf. Und in dem Befand sich meine Weltpremiere im Meeresfrüchte-Essen: "Curanto". Für ein gutes Curanto befülle man den grossen Topf in verschiedenen Lagen mit: Hühnchen, geräucherten Würstchen, Schweinefleisch, Speck, Miesmuscheln (die hier riesig sind), Jakobsmuscheln, Krebsen und noch zwei weiteren Muschelarten, die ich nicht übersetzen kann und Kartoffeln. Dann wird alles mir Kappesblättern abgedeckt, mit Literweise Weiswein begossen und so auf dem Feuer gekocht. Das Ergebnis ist allerleckerstens!!! Das liegt bestimmt auch daran, dass das meiste Getier am Morgen der besagten Feier noch im Pazifik geschwommen ist.
Zur Vorspeise gab es zu meinem nur sehr kurz währenden Entsetzen einen Salat aus rohem Lachs mit Zwiebeln und Zitrone (Seviche), mit Shrimps gefüllte Avocados und Brot mit Pebre. Die absoluten Vitamin- und Omega-3-Bomben.
Bei so einer netten Einladung und so viel Arbeit seitens der kochenden Eltern kann man sich ja essenstechnisch nicht anstellen und siehe da: Ich mochte alles!!! Am nächsten Tag haben wir mit Antje eine Tour durch Valparaíso (siehe Fotos) gemacht und sind zum Mittagessen schnurstrackts in ein von Seba heiss empfohlenes Fischlokal gelaufen...mnjam!
Bevor wir allerdings den nächsten Tag Valpo ansehen konnten, stand noch die typische chilensiche Feier bevor. Zumnindest, was die Chilenen angeht, die ich kenne. Die sind nämlich alle grosse Musiker vor dem Herrn und ich kenne im Ernst fast keinen, der nicht singen kann, und zwar richtig gut und das nicht auch gerne, oft und laut tut. So ein Geburtstag bietet sich dazu an und so sassen bald alle mit Schal, Mütze und Glühwein (wir sind hier gerade zwischen Herbst und Winter) um das Feuer und sangen lauthals, mehrstimmig und sehr gut Volkslieder. Sowas finde ich immer sehr romantisch und wunderbar und so auch diesmal, bis Antje und ich uns überlegten, wie es wohl wäre, solche Feiern in Deutschland zu machen: Man stelle sich eine Gruppe von Leuten zwischen 25 und 35 vor, die die Steroanlage ausschaltet um Volkslieder zu singen, mit Gitarre und Flöte. Dem am nächsten kommt man bei uns noch bei den Pfadfindern oder in anderen Ferienlagern, aber eine Woche später bot sich auf Sebas Geburtstagsfeier in unserer Hochhauswohnung das gleiche Bild: Gitarre, Flöte und Volkslieder. Eigentlich schade, dass die bei uns so gut wie ausgestorben sind.
Als ob die Chilenen Gedanken lesen könnten, kam dann irgendwann der Moment, in dem es hiess, Antje und ich sollen was auf deutsch singen. Au Backe. Nach einer Schrecksekunde versuchten wir dann, uns damit rauszureden, dass ja keiner unsere Lieder auf der Gitarre begleiten kann und wir keine Gitarre spielen. Keine Wirkung. Dann mussten wir feststellen, dass ich, der katholische Niederrheiner und Antje, die in Rostock zur Jugendweihe gegangen ist, so gut wie kein gemeinsames Liedgut aufweisen konnten (Juni, Juli etc. und die Ärtze klingen ja ohne Band nicht und konnten wir auch nicht auswendig) . Letztendlich haben wir dann "Über den Wolken" gesungen...mit genug Glühwein für Passion und Lautstärke und ein bisschen Heimweh in der Stimme waren die Chilenen auch ohne Gitarre begeistert.
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1 comentario:
Wie, keine gemeinsamen Lieder gefunden? Kleine Gedankenstütze:
Der Mond ist aufgegangen
Kein schöner Land
Das Wandern ist des Müllers Lust
Im Frühtau zu Berge
Ein Jäger aus Kurpfalz
Lustig ist das Zigeunerleben
Alle Vögel sind schon da
Komm lieber Mai und mache
Bunt sind schon die Wälder
Sah ein Knab ein Röslein stehn
Dat du min Leevsten büst
Horch, was kommt von draußen rein
Muß i denn zum Städtele hinaus
Hab mein Wage vollgelade
Grün, grün, grün sind alle meine Kleider
Auf der Mauer, auf der Lauer
Die Gedanken sind frei
Was wollen wir trinken
Ich weiß nicht, was soll es bedeuten
Guten Abend, Gute Nacht
Schlaf, Kindlein, schlaf
...
Da ist doch bestimmt was gemeinsam bekanntes dabei fürs nächste Mal. Mir jedenfalls sind wenigstens die Melodien bekannt, falls Du das auf die Herkunft schieben willst. Und wenn die Texte mal auf Lalala hinauslaufen, dann nennt man das eine moderne Interpretation...
Antje kann vielleicht noch "Kleine weiße Friedenstaube", "Ich trage eine Fahne" oder "Katjuscha" beisteuern? ;)
Liebe Grüße,
Flo
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