domingo, 17 de febrero de 2008

Einmal stempeln, bitte!

Nach Weihnachten in Puerto Montt und Silvester bei Freunden waren wir fit, um in 2008 zu starten. Schiefgehen konnte auch nicht viel, denn wir hatten unsere guten Wünsche am 1.1. auf bunte Zettelchen geschrieben, im Garten vergraben und darauf einen Baum gepflanzt. Die schlechten Sachen aus 2007 kamen auf schwarze Zettel und wurden verbrannt.

Bei mir ging 2008 erstmal damit los, dass ich mir einen neuen Job suchen musste, da meine Stelle (last hired, first fired) aus (meiner Ansicht nach total unvernünftigen) strategischen Gründen weggekürzt wurde. Schön, ich wollte eigentlich schon lange gekündigt haben, schliesslich hat es mir da nie sonderlich gefallen. Aber man ist ja so bequem, wenn man nicht muss... Morgen fange ich im Aussenhandelsbüro der Österreichischen Botschaft an, in einem schöneren Büro, mit schöneren Arbeitszeiten und einem schöneren Gehalt.

In der Zwischenzeit ergab sich aber wegen des nicht mehr vorhandenen Jobs das Problem, das damit auch das Visum innerhalb von 30 Tagen verfiel. Inzwischen hatte ich entdeckt, dass man als Hochschulabsolvent mit einem Jobangebot auch ohne Vertrag ein Visum bekommt, wenn man seinen Abschluss erst von der Deutschen Botschaft und dann vom chilenischen Aussenministerium legalisieren und übersetzen lässt. Wieso bin ich da nicht schon früher drauf gekommen? Die Rennerei von der Botschaft zum Ministerium und zurück und hin und zurück... inklusive Echtheitsbestätigung meines Magisterzeugnisses seitens meines Profs aus Aachen erspare ich euch jetzt mal, es war auf jeden Fall nicht in 30 Tagen zu machen und da man ein neues Visum nur beantragen kann, solange man legal im Land ist, mussten wir dann jetzt doch die Mendoza-Methode anwenden.

Die funktioniert so: Man kauft sich ein Busticket nach Argentinien, schaukelt mit dem Bus über die Anden, kommt nach zwei Tagen zurück und bekommt für 90 Tage ein Touristenvisum. Damit hat man dann alle Zeit der Welt, den nötigen Papierkram für ein neues Visum samt Arbeitserlaubnis zu sammeln. Buaaaah, mir wird doch schon bei den Serpentinen in der Eifel schlecht!!! Aber wat mott, dat mott.


Seba hat sich netterweise einnen Tag freigenommen, so dass wir die Tour zusammen machen konnten, Samstag bis Montag. Wir hatten viel von Mendoza gehört und tatsächlich ist es eine ziemlich nette Stadt, jedenfalls nach hiesigen Verhältnissen. Nach deutschen Massstäben ist das Zentrum von Mendoza so wie das einer stinknormalen mittelgrossen Einkaufsstadt ohne historischen Kern. Das Gute ist, dass im Vergleich zu Chile alles sehr günstig ist und dass die Argentinier unglaublich gute Schokolade machen. Wir haben uns Fahrräder ausgeliehen um die Stadt zu erkunden. Das Schlechte ist, das die meisten Autos in Mendoza lange vor mir und der Existenz irgendwelcher Umweltnormen das Licht der Welt erblickt haben und dementsprechend fiese bläuliche Abgase ausstossen, die die ganze Stadt einhüllen. Dagegen ist die Luft in Santiago echt klasse, ich stelle mir Santiago lieber nicht mit argentinischen Autos vor...

Montag morgen ging es wieder zurück und auf der Fahrt konnten wir dank guten Wetters den mit nicht ganz 7000m höchsten Berg Südamerikas, den Aconcagua, bestaunen. Diesmal wurde es an der Grenze aber ganz schön lang, denn Chile ist seit Jahren Fruchtfliegen-frei und soll es wegen der Exportwirtschaft auch bleiben. Das heisst, man darf absolut kein Obst, Tiere, Tierprodukte und dergleichen einführen und das wird streng kontrolliert und hart bestraft. Wir mussten also unsere Schinkenbrötchen schnell vor der Grenze aufessen. Dort angekommen: Alle raus aus dem Bus, in die Schlange, für den argentinischen Ausreisestempel. Danach: In die Schlange für den chilenischen Einreisestempel, dann alle wieder rein in den Bus. Währenddessen werden alle Koffer aus dem Bus ausgeladen und auf Obst, Frischware und Drogen kontrolliert. Nach ca. 3,5 Stunden mussten dann alle wieder aussteigen und sich samt Handgepäck vor niedrigen Metallbänken aufstellen. Über die wurde dann ein Drogen- oder Obsthund geschickt, der alle Passagiere und Taschen abschnüffelte. Nach 4 Stunden darf man endlich weiter die Serpentinen bergab, wenn der Hund nicht gebellt hat. Hat er zum Glück nicht.

Jetzt kenne wir die Anden auch von der anderen Seite, mir ist überraschenderweise nicht schlecht geworden und ich habe alle nötigen Stempel im Pass. Waren aber recht teuer, die Stempel. Danach waren wir erstmal urlaubsreif.

Weihnachten mit Peter Alexander

Pünktlich über einen Monat zu spät hier der Weihnachtsbericht, diesmal war es nicht ganz so unweihnachtlich wie letztes Jahr. Da wir bei Sebas Eltern im Süden feiern wollten und der Heiligabend auf einen Montag fiel ging der Stress ca. 2 Monate vorher damit los, diesen Tag frei zu bekommen, d.h. zu fragen, bevor es ein Kollege tut. Kaum war das geschafft, ging die Schlacht um die Bustickets los: Anscheinend wollte fast niemand Weihnachten in Santiago verbringen und so haben wir Ende Oktober so siemlich sie letzten freien Tickets abbekommen und das, obwohl die Chilenen sonst nicht gerade dafür bekannt sind, im Voraus zu planen...

Am Freitag vor Weihnachten sind wir wohlweislich eineinhalb Stunden bevor der Bus abfuhr aus dem Haus gegangen, nur um dann mit Sack und Pack an der Strassenecke, wo sonst die Taxis im Minutentakt vorbeikommen festzustellen, dass sie an diesem Tag genau so besetzt waren, wie die Busse. Ich sah uns schon alleine in unserer Hochhausbude hocken, aber wir haben es so gerade noch geschafft.

In Puerto Montt angekommen, wurde ich erst ins Auto und dann auf eine Fähre und damit auf die Insel Chiloé verfrachtet, das Kind muss ja die Umgebung kennenlernen. Chiloé ist eine sehr grosse und ziemlich eigenartige Insel. Hier leben vor allem Fischer und Bauern und es gibt unzählige Kartoffelarten. Die Chilotes meinen dann auch ernsthaft, das Beste an einem Grillabend im Sommer sei die Kartoffelbeilage. In Chiloé wimmelt es nur so von Sagen und Legenden und schaurigen Gestalten, so dass man Gänsehaut bekommen kann: Der "Trauco", ein hässlicher alter Gnom, der im Wald wohnt, kommt nachts im Traum zu jungen Mädchen, verhext sie dermassen, dass sie ihn unwiderstehlich finden und sich im Schlaf aus den Haus schleichen um sich vom Trauco schängern zu lassen... auch eine Methode uneheliche Kinder zu erklären...
Ausserdem gibt es diverse männerverschlingende Hexen, Meerjungfrauen und dergleichen, und in der Johannisnacht sollen angeblich die von Jahrhunderten von Jesuiten vergrabenen Schätze leuchten, so dass man sie finden kann. Nur findet sie nie einer, aber die Leute glauben das. Ach ja, in besagter Nacht, darf man auch nicht in den Spiegel schauen, weil man dann hinter sich den Teufel persönlich sieht. Ein anderes Markenzeichen von Ciloé sind die einzigartigen Holzkirchen undüberhaupt, die Holzarchitektur, die in ihrer Urform aus Mangel an Metal ohne Nägel und Schrauben auskam.

Am Tag vor Heiligabend hatten Seba und sein Bruder Pablo eine Wandertour zum nahem Volcan Calbuco geplant und damit ich auch ein bisschen weisse Weihnachten haben konnte, wollten wir es bis zur Schneegrenze schaffen. So bin ich dann bei strahlendem Sommerwetter doch noch an ein klitzekleines bisschen Weihnachtsstimmung gekommen. Klitzeklein.

Heiligabend war dann so eine Sache für sich. Abends sollte es Lamm geben, aber für Mittags stand nichts auf dem Plan. Also habe ich die Initiative ergriffen, die Küche erobert und Reibekuchen mit Apfelmus gemacht, natürlich mit dem verweis auf deutsche Weihnachtsmärkte und das alles zu der Musik fer Dresdener Chorknaben in der deutschen Welle. So weit, so gut. Dann die Frage nach der Christmette. Um neun uhr sollte das Lamm fertig sein, also konnten wir kaum um zehn Uhr hingehen. Wir sind schliesslich um sieben gegangen, und um nicht so einen grusligen Chor wie beim letzten Mal zu erwischen, vorsichtshalber in die Hauptkirche von Puerto Montt. Geholfen hat es nicht: Orgeln sind hier sowieso Mangelware, keine Messdiener, ein Pfarrer, ein Keyboardspieler und Kantor. Nicht sehr feierlich. Der Höhepunkt war für mich dann die eigentlich recht schöne Krippe mit einem Dönerbudenstern obendrauf, der die ganze Kirche in schöner Regelmässigkeit rot, grün, weiss und gelb leuchten liess. Der Keyboardspieler war ein so grauenhafter Kantor, dass sich Seba in Grund und Boden geschämt hat und sogar der Pastor hinderher meinte "zum Abschluss singen wie Stille Nacht, Heilige Nacht, jeder mit der Stimme, die Gott uns gegeben hat, es ist ja keiner perfekt..." Immerhin war die Predigt sehr schön.
Als wir nach einer Stunde wieder auf der Strasse standen, war es taghell, 25 Grad warm und die Stadt voller Leute. Die Geschäfte schlossen gegen 21 Uhr, damit auch der letzte noch ein Geschenk abbekommt und es wollte einfach nicht dunkel werden. Weihnachtlich is´ wirklich anders, auch wenn sie noch so viele Plastiktannenbäume aufstellen.

Wieder zu Hause wurde mir dann "Tante Ines" vorgestellt, eine alte Freundin der Familie, die immer zu Weihnachten kommt. Tante Ines ist eine der letzten Nachkommen der deutschen Einwanderer, die zu Hause noch deutsch gelernt haben und fragte mich ausführlich nach den Weihnachtsbräuchen und Liedern aus. Bei ihr zu Hause war, im Gegensatz zu den Chilenen, auch das Christkind gekommen, hier in Chile kommt der Weihnachtsmann, allerdings unter dem Namen "Viejito Pacuero", was man ungefährt mit "Alter Ostermann" übersetzen kann. Mit der Bezeichnung der Feiertage nimmt man es hier nicht so genau und so wird aus Weihnachten (Navidad) oftmals (auch im Fernsehen und Printmedien!!!) Pascua (Ostern) und niemand stört sich daran. Wenn man sichergehen will, dass man verstanden wird, wenn man Pascua sagt und wirklich Ostern meint, sollte man lieber "Semana Santa" (Karwoche) sagen. Alles klar?

Das Lamm war ganz lecker, aber wurde wie hier üblich, ohne Sosse serviert, und da ich auch nicht so unhöflich sein wollte, bein Weihnachtsessen meine Kartoffel in Ketchup zu baden, war das ganze dann doch eher etwas trocken für meinen Geschmack...
Für die richtige musikalische Untermalung hatte den ganzen Tag die Deutsche Welle gesorgt. Weil Sebas Mama aber beim Essen den Fernseher nicht anhaben wollte, wurde zu meinen Ehren deutsche Musik hervorgekramt...zwar keine Weihnachtsmusik, aber die Texte versteht ja sowieso niemand... Ich dachte, ok, warum nicht, mal sehen was sie hier so haben und wäre dann fast vom Stuhl gekippt: Wir sassen in einem kleinen Haus zwischen Anden und Pazifik und ich hatte die Wahl zwischen Peter Alexander und Freddy Quinn.

Fazit: Weihnachten in Chile is nix und ausserdem viel zu kurz. Mein Geschenk war allerdings ziemlich cool und hätte es so in Deutschland nicht gegeben... man kann halt nicht alles haben.

domingo, 2 de diciembre de 2007

Infusion statt Torte

Ich hinke schon wieder den Ereignissen hinterher, dieser Berich hätte vor zwei Monaten erscheinen sollen...nunja.
Mein Geburtstag stand dieses Jahr unter keinem guten Stern: Erst einmal hatte ich tagelang überlegt ob ich überhaupt feiern soll. Würde jemand kommen? Wenn ja, mehr als zwei Leute? Nach einigem hin und her hat Seba mich dann überredet zu feiern, und halbwegs überzeugt, dass bestimmt alle kommen würde, denn inzwischen hätten sie mich ja hier in den Freundeskreis adoptiert.

Die zweite Sache war, dass ich mir ja in San Pedro de Atacama derart den Magen und anhängende Organe verdorben hatte, dass an Essen nicht zu denken war. Also erstmal Party von Freitag, 21. auf Samstag, 22. verschoben. An meinem Geburtstag sollte ich für den Fall der Fälle dass sich keine Besserung einstellt, noch einmal zum Arzt kommen.
Natürlich hat sich keine Besserung eingestellt und ich habe den Abend meines Geburtstags mit Hunger, Bauchweh und nicht allzuguter Laune von 7.00 bis 11:00 im Krankenhaus verbracht. Seba hat die Situation lieberweise gerettet, indem er mit dem Laptop und "Oliver Twist" aus der Videothek erschienen ist, so dass es nich so langweilig war.
Als Gebutstagsgeschenk hat mir der Arzt dann am Ende einen Zettel überreicht, auf dem stand was ich in der folgenden WOche essen durfte: Reis ohne alles, Hühnersuppe, Haferbrei, trockene Kekse, Wackelpudding, Wasser, Tee. WOW!!!

Ich nutze die Gelegenheit um mich ein wenig über das Gesundheitssystem aufzuregen:
(Ich habe eine gute KV keine Sorge Mama, aber trotzdem kann ich mich nicht daran gewöhnen, immer mit Geld zum Arzt zu gehen). Das erste, was man in der Notaufnahme sieht, ist eine grosse Preistafel. Da ist man dann schon fast wieder gesund. Die KV bezahlt hier immer nur einen Teil der Kosten (je nach dem, 70-90%), und das schliesst Material nicht mit ein. Infusionen, Verbände usw. bezahlt man also selbst. Es sei denn, man wird eingeliefert und bleibt über Nacht, dann ist alles eingeschlossen. Es lohnt sich also eher, richtig krank zu werden ;-)
Wenn man zum Arzt geht, wird an an der Rezeption darüber informiert, wie viel die KV abdeckt und gebeten, den Rest zu bezahlen, das heisst einen "Bono" zu kaufen. Wenn der Azt danach noch weitere Untersuchungen anordnet, kauft man dafür neue Bonos. Beispiel: Eine normale Untersuchung kostet 25-30 Euro, die KV bezahlt 70%, d.h. der Patient kauft erst einen Bono für 30%, bevor er vorgelassen wird. Wenn es "etwas mehr wird", z.B. bei einer OP, muss man einen Blankoscheck als Garantie dalassen, sonst wird man nicht behandelt.
Zahnarzt ist übrigens in keiner KV enthalten, das wäre zu teuer... Die KVs haben aber eigenen Zahnärzte, bei denen man dann für die Hälfte vom regulären Preis behandelt wird. Es gibt auch ganz skurrille Verbindungen: Lade Deine Metro-Fahrkarte für mehr als 4 Euro auf und Du bekommst 55% Rabatt bei dem und dem Zahnarzt oder 25% für eine Behandlung von Übergewicht!
Zum Glück haben die KVs einen Katastophenplan: Wenn man sich was wirklich teures zuzieht, bezahlt man bis zu einem festgelegten Betrag (x-mal seinen Monatsbeitrag) und alles andere zahlt die KV, auch wenn dann die 90% überschritten werden.
Es beschwere sich also niemand mehr über die Gesundheitsreform und die 10 Euro in Deutschland!!!

Ok, genug gemeckert, ich könnte mich noch seitenweise über das Gesundheitssystem auslassen (wir nutzen nämlich ein praktisches Hintertürchen, damit ich für meine teure KV nur ganz wenig bezahlen muss), aber das würde ewig dauern...
Zurück zum Geburtstag: Ich hatte also Essverbot und am nächsten Tag sollte die Party sein. Ich wollte schon alles hinschmeissen, aber Seba meinte nee, jetzt haben wir schon alle eingeladen, jetzt können wir nicht mehr ausladen. Ok, laso am Samsatg morgen ab in den Supermarkt und Partyeinkauf tätigen: Bier, Cola, Chips, Schoki, Pizza etc. Das schlimmste war noch für die Rasselbande Kuchen zu backen ohne den Teig naschen zu dürfen!!!
Trotzdem war dieser Geburtstag ein voller Erfolg: Nach und nach tummelten sich über 20 Leute auf unseren 15qm Wohnzimmer-Küche, sie haben mich mit Schokolade für die nächsten 2w Monate aysgestattet, brav alles aufgegessen und lauthals Happy Birthday gesungen. als ich erwähnt habe, dass ich dachte es kommt keiner, hätten sie mich fast verhauen. So gegen 2:30 nachts bin ich dann hungrig und nüchtern mit einem Haufen angeheiterter und teilweise recht peinlicher (weil totaaal luschtiger) Gestalten losgezogen, zum Salsa tanzen...
Ich würde sagen,das war meine bis dahin beste Geburtstagsfete!

sábado, 20 de octubre de 2007

Fiestas Patrias zwischen Sand und Salz


Das wichtigste Fest in Chile, noch vor Weihnachten, ist der 18. September, der Nationalfeiertag. Der 19. September ist auch Feiertag, der Tag der glorreichen Armee (oder so ähnlich) und dieses Jahr hat die Regierung das Meisterstück fertiggebracht, den 17. September immer dann zum Feiertag zu machen, wenn er auf einen Montag fällt, so dass man 5 Tage in Folge frei hat. Das ist in Chile wichtig, denn viele Familien wohnen hier weit verstreut und man hat nur Gelegenheit sich zu besuchen, wenn es ein langes Wochenende gibt.

Die Nationalfeiertage zeichnen sich dadurch aus, dass erstmal elles blau-weiss-rot geschmückt wird. Per Gesetz muss an jedem Haus eine chilenische Flagge hängen. Dann werden "Fondas" aufgebaut, das sind Hütten aus Zweigen, in denen dann die Cueca, der Nationaltanz, getanzt und gegrillt wird. Tanzen, singen, grillen, tanzen, singen, grillen... man ernährt sich fast nur von Fleisch in diesen Tagen.


Da wir noch keinen Urlaub kriegen und ich gerne mehr von Chile sehen wollte, habe ich Seba überzeugt, über die Feiertage in den Norden zu fahren, nach San Pedro de Atacama. Hier ein kleiner Reisebericht:

Tag 1) Wir stehen mitten in der Nacht auf, ich habe noch einen Kater von der "Vor-18.-Betriebsfeier", und fahren zum Flughafen. Gut eingepackt, denn in Santiago ist es noch frisch. Wir fliegen nach Calama, dem nächsten Flughafen an San Pedro, wo uns eine von Sebas ca.1000 Cousinen abholt. Den Tag verbringen wir bei der Familie in der angeblich hässlichsten stadt Chiles.
Hm... Ok, sie ist mitten in der Wüste, aber aufgeräumt und sauber. Nicht spektakulär, aber es gibt Schlimmeres. Das besondere an Calama ist, dass diese Stadt eigentlich nur existiert weil dort Chuquicamata liegt, die grösste Kupfermine der Welt. Praktisch alle die dort leben, arbeiten in der Mine und die wenigen anderen sind deren Bäcker, Frisöre, Ärzte usw. Die Angestellten der Mine verdienen sehr gut, und damit die Leute in die Wüste kommen, lässt sich die Firma nicht lumpen: Sie stampft ganze Stadtviertel hübscher gleicher Häusschen aus dem Boden und subventioniert sie, so dass die Angestellten für wenig Geld ein schönes Eigenheim bekommen. Dabei sind die Viertel nach Gehaltsklassen getrennt: Die LKW-Fahrer kriegen ein einfacheres Modell, die Mechaniker ein paar Quadratmeter mehr und die Ingenieure noch ein grösseres.
Nach einem Tag in Calama verlassen wir abends die wirklich supernette Familie von Sebas Cousine Miriam (die drei Mädels wollten uns gar nicht gehen lassen).
In San Pedro angekommen haben wir dann abends erstmal die dortigen Fondas erkundet und unsere ersten Fleischspiesschen verdrückt, immer umrundet von Hunden mit Hundeblick die auch gerne eins gehabt hätten. Die Fondas von San Pedro waren allerdings nicht der Renner, wegen Holzmangel waren sie eher aus Plastikplanen und viel getanzt wurde auch noch nicht. Dafür zogen Musikgruppen dirch die Strassen, so dass wir an einer staubigen Ecke doch noch eine schöne Cueca und dazu Wein gratis abbekommen haben.

Tag 2) Ausschlaaaaaaaafen!!! San Pedro erkunden, lecker essen und Ausflug machen, wie sich das im Urlaub gehört. San Pedro hat ca.1800 Einwohner und ist sehr überschaubar. Die Häuser sind aus Lehmziegeln und die Strassen haben keinen Asphalt (siehe FOTOS). Echt schnuckelig. Die Häuser von San Pedro dienen vier verschiedenen Zwecken: a) Hostal, b) Reiseagentur, die Touren in die Umgebung veranstaltet c) Restaurant/Bar und d) Souvenirgeschäft.
Wir haben uns dann nachmittags einer Tour zur Lagune "Cejar" angeschlossen. Die liegt ganz nah bei San Pedro und ich eigentlich ein Wasserloch mitten in einen Salzgebiet. Das Besondere daran ist, dass unterirdisch heisses Süsswasser zuströmt, während oben kaltes Salzwasser ist und das heisse Wasser nicht aufsteigen lässt. Wir waren drin schwimmen und haben oben vor Kälte gebibbert und uns unten die Füsse fast verbrannt. SELTSAM!!!
Dazu ist der Salzgehalt so hoch, dass man auf dem Wasser treibt wie im Toten Meer. Leider habe ich es wegen der Kälte oben nur 10 min ausgehalten und konnte das nicht richtig geniessen.

Tag 3) Ausflug zu den Lagunas Altiplanicas: Um 6 Uhr morgens ab in den Touri-Bus zum Flamingos anschauen und Hochlandlagunen besichtigen...schaut euch besser die FOTOS an statt viel zu lesen.

Tag 4) Wieder ausschlaaaaaaaafen. Abgesehen davon mussten wir noch "nebenbei" die Bewerbung für Sebas Doktorprojekt weitermachen, das bis zum 28.09.fertig sein musste. Nachmittags haben wir dann ein Fahrrad ausgeliehen und sind damit ins berühmte "Valle de la Luna" gafahren, um den Sonnenuntergang anzusehen, der da besonders schön ist, weil die ganze Gegend die Farben wechselt, wenn die Sonne weg ist.
Abends bin ich dann noch krank geworden, weil wir den "Fehler" gemacht hatten, anstatt Fleisch zu Abwechslung mal Salat zu essen, der aber mit Leitungswasser gewaschen war, was im Norden von eher zweifelhafter Qualität ist.
Der Rückflug am nächsten Tag war dementsprechen fürchterlich und als Ergebnis des Ganzen war ich drei Tage krank und habe meinen Geburtstag beim Arzt verbracht.
Aber ansonsten: Der Norden ist echt eine Reise wert, wir werden wiederkommen müssen, weil wir längst nicht alles gesehen haben.

martes, 11 de septiembre de 2007

9/11 mal anders

Der elfte September ist in Chile ein besonderer Tag, aber die wenigsten denken dabei an den Ground Zero. Am 11. September 1973 fand nämlich hier der Militärputsch von Pinochet gegen den Präsidenten Salvador Allende statt.
An diesem Tag (bzw. am nächstgelegenen Wochenende) erinnern die Hinterbliebenen Pinochet-Opfer traditionell daran, dass noch immer niemand für die Verbrechen dieser Zeit bestraft wurde. Sie (zusammen mit Sozialisten, Kommunisten, Gewerkschaften etc.) organisieren dann Erinnerungsmärsche und fragen immer wieder, wo ihre Leute geblieben sind, denn viele sind bis heute nicht offiziell tot, sondern nur "verschwunden". Da wir die Strasse zum Hauptfriedhof, wo Salvador Allende begraben ist und es ein riesiges Denkmal für alle Verschwundenen gibt, von unserem Balkon aus sehen können, haben wir am Sonntag schon einiges mitbekommen. Leider waren (wie immer) einige Idioten und Krawallschläger im Zug, so dass es am Sonntag auf dem Friedhof ein ziemliches Chaos gab.
Für heute hatte Seba mir geraten, lieber nicht mit dem Rad zu fahren, für den Fall dass es Krawalle gibt, also bin ich brav mit der U-bahn zur Arbeit und wir haben auch alles verrammelt, wegen möglichem Tränengas.

Auf der Arbeit habe ich dann von nichts was mitbekommen und alles sah auch aus wie immer. Heute abend in den Nachrichten haben sie dann gesagt, dass dies der ruhigste 11. September seit dem Putsch war. Es gab Demonstrationen vor dem Regierungspalast, denn dort steht das Allende-Denkmal (Seba arbeitet direkt davor und konnte alles mitbekommen). Die Gegend war absolut abgeriegelt und die Polizei hat immer nur jede Demonstrationsgruppe für eine begrenzte Zeit an das Denkmal gelassen und dann die nächste. Einige Ausschreitungen gab es dann doch, in den Wohngegenden ausserhalb des Zentrums und auf einer wichtigen Strasse, aber laut der Leute hier war im Vergleich zu sonst alles sehr ruhig.

Das wirklich seltsame an der ganzen Sache war für mich die Berichterstattung und wie geteilt die Gesellschaft immernoch ist (zumindest kommt es so herüber). Im Fernsehen nimmt niemand das Wort Diktator in den Mund, wenn er von Pinochet spricht (die Fernsehsender sind bis auf einen alle leicht rechts angehaucht, ebenso die grossen Zeitungen (Berlusconi lässt grüssen). Es wurden heute auch zwei Messen gefeiert: Eine für Allende und die Pinochet-Opfer, unter Teilnahme der Präsidentin Bachelet und vieler Politiker. Die andere im High-End Santiagos in Erinnerung an den "grossen General Pinochet", den viele noch verehren, weil er das Land angeblich vor den Kommunismus und dem Zerfall gerettet hat.
Patrioten sind sie hier alle, nur versteht das jede Gruppe anders und es geht immernoch ein tiefer Riss durch die Gesellschaft, im normalen Leben gut zugeklebt und abgedeckt. Das ist eine Frage von Macht, Geld und Weltbildern und wird sich auch so schnell wohl nicht ändern.

jueves, 9 de agosto de 2007

Endlich!

Der Seba ist jetzt offiziell Inschenjör, und an der Universidad Técnica Federico Santa María geht das so:
Der Kandidat macht sich schick und hält einen schlauen Diplomvortrag, den
ausser der Prüfungskomission niemand versteht. Die muss allerdings genügend beeindruckt werden.

Die Prüfungskommission war begeistert und vergab 100% mit Extra-Lob!!!

Danach darf man sich gebührend gratulieren und fotografieren lassen... und Mama und Papa sind stolz auf den Junior. In Chile ist ein erfolgreiches Studium ein Verdienst der ganzen Familie und auch der Freunde, denn die Unis sind sch...teuer und Bafög gibt es nicht. Da müssen sich alle unter die Arme greifen.

Dann ist die Diplom-Krawatte dran. Seba hatte dummerweise nicht daran gedacht und seine Beste angezogen :-(

Der neue Ingeniuer muss getauft werden... im Schwimmbecken der Uni, das sich praktischerweise mitten im Innenhof befindet.

Ein Fläschchen Sekt darf natürlich nicht fehlen und bevor nicht angestossen ist, darf der begossene Pudel sich auch nicht umziehen. Nur gut, dass das Wetter mitgespielt hat, obwohl Winter ist.

Während er sich danach umzieht, fabrizieren die angereisten Freunde schnell ein Plakat mit Namen, Titel und Note, auf das alle einen Gruss schreiben können. Die abgeschnittene Krawatte wird da draufgeklebt und das Ganze im Schaukasten des Fachbereichs aufgehängt.
Die nächsten paar Tagen kann jeder, der vorbeikommt und den Absolventen kennt, noch seine Grüsse hinterlassen. Danach wird es abgenommen und von den Freunden per Post geschickt.
Am Schluss noch ein letzte Foto vor der "U" (so nennen sie hier die Uni) und dann ab zum wohlverdienten Mittagessen in einem von Valparaisos berühmt-berüchtigten Fischlokalen. Ich möchte noch lobend erwähnen, dass ich mich für dieses Foto auf dem Boden gewälzt habe ;-)

sábado, 14 de julio de 2007

Winter spielen

Seit einigen Wochen befinden wir uns mitten im chilenischen Winter. An manchen Tagen merkt man das auch und wir haben nachts ein paar Grad unter null, an anderen Tagen ist es fast sommerlich. Auf jeden Fall spielen die Chilenen Winter, packen sich in dicke Jacken, Schals und Mützen und leiden ungemein. Wenn es noch dazu regnet gibt es kein anderes Thema als den ach-so-strengen Winter.
Regen macht Santiago wirklich unangenehm, denn die Strassen verwandeln sich grossteils in Flüsse weil es so wenige Gullis gibt. Dann muss man sich auf den Bürgersteigen an die Hauswände drücken, wenn man nicht von den vorbeifahrenden Autos und Bussen geduscht werden will. In öffentlichen Gebäuden und Läden wird dann der Boden mit Sägemehl bestreut um den Matsch und das Wasser von den Schuhen zu binden und damit man nicht ausrutscht. Allerdings verwandelt sich diese Mischung schnell in einen fiesen Papp, den man dann überall hinträgt.

Regen in Santiago hat allerdings auch seine guten Seiten, denn er bedeutet Schnee in den Anden und seit einiger Zeit haben wir einen wirklich spektakulären Blick aus dem Fenster:






An den wenigen besonders kalten Abenden, wenn es nach Frost, Schnee und Rauch aus den Kaminen riecht, komme ich richtig in Weihnachtsstimmung. Das ist wirklich komisch: Wir zünden Kerzen an, essen Orangen, treffen und mit Freunden zum Glühwein trinken oder machen heissen Kakao, es wird früh dunkel und spät hell, aber weit und breit ist nichts von Weihnachten in Sicht. Meiner Meinung nach könnte man es hier aus stimmungstechnischen Gründen auf den 24. den Juni verlegen.
Wie gesagt, ist der Winter hier verglichen mit unserem sehr mild un dich habe mir keine Winterjacke gekauft, denn mit Pullover und Schal tut es auch die Sommerjacke. Allerdings habe ich auch noch nie in einem Winter so gefroren wie hier: und zwar DRINNEN! Draussen kann man es mit der erwähnten Kleidung gut aushalten, aber drinnen friert man sich den A... ab. Das liegt daran, dass die Häuser erstens lausigst isoliert sind und es zweitens kaum irgendwo eine (gescheite) Heizung gibt. Und wenn man ein Elektroöfchen anmacht ist das zwar schön und gut, aber die Wärme bleibt nicht lange weil die Fenster nicht 100% dicht sind und es an allen Ecken und Enden reinzieht. Und dabei wohnen wir in einem neuen Haus!!!

Also ist der wärmste Winter den ich erlebt habe auch der kälteste, nämlich in der Wohnung und das einzige was da hilft sind dicke Socken, Wollpullover, eine Extra-Decke zum schlafen und viiiiiiiiiiiel Tee.