Oh, habe ich schon lange nicht mehr geschrieben...aber das hatte seinen guten Grund und der kann sich sehen lassen: Seit Anfang Mai gehöre ich nicht mehr zu jenen unglücklichen Wesen, die auf der Frage nach der RUT-Nummer verlegen zu Boden blicken müssen, weil sie keine haben. Ich bin jetzt stolzer Besitzer eines chilenischen Personalausweises samt besagter Nummer, die ich jetzt mein ganzes Leben lang behalten werde, egal wie oft und wie lange ich wieder aus Chile verschwinde. Ich bin jetzt also auch hier ein richtiger Mensch! ;-)
Und das war eine Menge Arbeit, obwohl es hier in Chile verglichen mit anderen Ländern noch extrem einfach ist, legaler Einwohner zu werden. Nicht zu verwechseln mit Staatsbürger, auf meinem Perso steht "Ausländer" und meine Nationalität drauf. Hier die Kurzversion des Thrillers "Wie legalisiere ich meinen Aufenthalt":
Man suche sich einen guten Grund im Land zu bleiben, BEVOR das Toruistenvisum abläuft. Verliebt sein zählt leider nicht, aber ich hatte ja zum Glück das Praktikum bei der GTZ ergattert. Dann fülle man ein Formular aus, lege den schriftlichen Beweis des Daseinsgrundes (natürlich notariell beglaubigt), 3 Passfotos, die Kopie von Ausweis und Touristenvisum bei und schicke es an die Ausländerbehörde. Dem geht selbstverständlich voraus, dass man sich vorher bei selbiger mittels Schlange stehen und Zettel lesen informiert hat, wie das geht. Dann heisst es warten, und zwar bis zu 4 Monate. Nach ca. 5 Wochen kommt ein Schrieb in dem steht, dass das Visum in Arbeit um man somit legal im Land ist. Wieder warten.
Dann kommt irgendwann ein Wisch, Brief kann man ihn nicht nennen, in dem man aufgefordert wird, mit dem Ausweis zum Stempeln zu kommen. Man stehe also so früh auf wie man nur kann, um als erster bei der Ausländerbehörde zum Stempeln anzustehen und dann festzustellen das ca. 50 Leute noch früher aufgestanden sind. Man ziehe ein Nümmerchen und warte 2 Stunden. Dann bekommt man von einem äusserst freundlichen Stemplebeamten einen Stempel in den Pass gedrückt und gesagt, dass man jetzt sich bei der Internationalen Polizei registrieren muss. Aha. Auf die Frage wo das denn sei, kriegt man mit etwas Glück einen Zettel mit der Adresse der Polizeistelle und noch einigen anderen Adressen, die weiteres Schlangestehen erahnen lassen. Man begebe sich also zu Internationalen Polizei und...richtig: ziehe eine Nümmerchen und warte 2-3 Stunden. Da das bei uns um die Ecke ist, bin ich erstmal zum Mittagessen und duschen nach Hause gegangen. Im Zentrum zu wohnen erweist sich immer wieder als vorteilhaft.
Bei der Polizei wird also das Visum im Pass begutachtet, man wird auf einer Registrierkarte erfasst (mit Foto, wer hinkommt und keins dabei hat, kann am nächsten Tag nochmal anstehen...allerdings sagen nicht alle Beamten, dass man noch ein Foto braucht...ich hatte Glück) und von dort zum Einwohnermeldeamt geschickt, um seinen Ausweis zu beantragen. Das Einwohnermeldeamt hat aber leider nur morgens auf, so dass man da dann an einem anderen Tag hindackeln darf.
Beim Einwohnermeldeamt musste man zu meinem grossen Erstaunen weder eine Nummer ziehen, noch ein Foto mitbringen. Es gab nur eine Schlange und das Foto für den Ausweis wurde direkt vom jeweiligen Sachbearbeiter an seinem Schreibtisch geschossen: "Bitte in die Kamera schauen, Augen geradeaus und nicht lachen." Zum krönenden Abschluss dann noch eine Hommage an Herrn Schäuble: Man muss ALLE ZEHN Fingerabdrücke dalassen. Da steht man dann hinterher auf der Strasse mit zehn schwarzen Fingern und kommt sich ziemlich bescheuert vor. Der Abdruck des rechten Daumens erscheint digitalisiert auf dem Ausweis und niemand findet etwas dabei.
Wenn man sich schön brav in die Verbrecherkartei hat aufnehmen lassen, kriegt man eine Bescheinigung ausgehändigt, auf der steht, dass zwei Wochen später der Ausweis fertig ist. Dann kommt man wieder, gibt sie ab und stellt ich in einen grossen Pulk von Leuten. Nach und nach werden dann alle aufgerufen und bekommen ihren Ausweis, der eher wie eine Scheckkarte aussieht. Allerdings muss man als Ausländer mit einem nicht-spanischen Namen höllisch aufpassen, damit man seinen Namen erkennt: Ich höre ihr auf etwas, das so ähnlich klingt wie "Berra Nittän".
Mein nächstes Visum ist auch schon gesichert (ja, ich darf die ganze Prozedur in ein paar Wochen nochmal machen, da mein Visum nur bis 30.06. geht). Ich habe nämlich tatsächlich einen Job ab 1.7. gefunden und bin somit keinen einzigen Tag arbeitslos!!! Das ist nicht die grosse Karriere, aber ein ganz netter Laden, über den es einen Extra-Eintrag gibt, wenn es soweit ist. Yeah, der Mai war ein ziemlicher Glücksmonat!!!
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3 comentarios:
Hey Caracolita,
das hört sich abenteurlich an... es lebe die Bürokratie!!! Hier in Mexico bestichst du die Leute einfach - hier lebt nämlich die Korruption =)
Wie geht es Euch denn so? Habe mich lang nicht mehr gemeldet, denke aber oft an Euch. Leider wird das aber woh lmit dem Chilebesuch nichts, weil ich seit meiner Karibiktour (Fotos sind übrigens online!!!) ziemlich abgebrannt bin. Aber so wie's ausschaut bleibste ja noch ein bisschen, was? =)
Ganz lieben Gruss, auch an Seba (Sag ihm mal ich kann jetzt tatsächlich Salsatanzen) :)
Fühl dich gedrückt und bis bald!
Jana
Hi Veralein,
herzlich willkommen in die Welt der ganzen Menschen, die eine personen-nummer haben (gehöre ja auch dazu).
Finde es super spannend zu lesen, was du in Chile machst und deine witzigen Berichte sind einfach spitze.
LG
Gitte (Cádiz)
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