Nachdem ich Weihnachten also mehr oder weniger gut ueberlebt hatte, habe ich die letzte Woche des Jahres damit verbracht, von Pontius nach Pilatus zu rennen. Ich musste ja imernoch mein Business-Ticket nach Argentinien loswerden und mein Geld dafuer zurueckerobern. Und nicht nur das, aber dazu spaeter.
Ich wollte mich also eines schoenen Abends nach Weihnachten mit einer Freundin aus Aachen treffen, die auch hier wohnt und gerade einen Chilenen geheiratet hat. Da das Iberia-Buero auf dem Weg lag und wir uns frueh treffen wollten, habe ich alles schoen zusammengesucht, eingesteckt und bin losgezogen den Kundendienst das Fuerchten zu lehren. Kundendienst-Mitarbeiter fuerchten sich naemlich hier vor den Kunden, denn Kunden bedeuten Arbeit und womoeglich wollen sie sogar so unverschaemte Dinge wie Information oder gar die Loesung eines Problems. Das ist nun wirklich zu viel verlangt! Diese Erfahrung hatte ich schon bei dem Versuch gemacht, mir ein Handy zu kaufen. Seba meinte dazu nur: "Willkommen im Land der Inkompetenz. ABER: Reg Dich nicht auf, die verdienen so wenig, da waerst du auch nicht nett." Toll. An diesem Tag hatte sich das Problem dann aber dadurch erledigt, dass ich um Punkt halb sechs mit einem klapprigen Paternoster, der von einem noch klapprigeren Aufzugwaerter (aber in Uniform!) bedient wurde, bei Iberia ankam und mir prompt die Tuer vor der Nase abgeschlossen wurde, weil Iberia um halb sechs zumacht. Alles andere drum herum macht erst um sieben zu, das war mal wieder Murphies Gesetz.
Am naechsten Morgen bin ich also frueh raus und wieder zu Iberia und habe dabei eine interessante Entdeckung gemacht: Wenn Santiago erwacht, was es fuer eine so grosse Stadt recht spaet (zwischen 9 und 10) tut, kommen aus allem Ecken Leute und bilden Schlangen vor allem, wo man irgendeine Dienstleistung bekommen kann und warten, dass geoeffnet wird: Banken, Notare, Anwaelte, Behoerden, Aerzte, Versicherungen usw. Und was fuer Schlangen: Keine wilden Haufen, sondern schoen einer hinter dem anderen und dass das ja nicht durcheinanderkommt. Bei Iberia war zum Glueck noch keine Schlange und diesmal war auch jemand da. Allerdings wie ich befuerchtet hatte, mit wenig Lust auf mich. Die Dame hat sich mein Problem angehoert um dann zu sagen: "Das geht nicht". Punkt aus, Problem fuer sie erledigt. Ich war do verdutzt, dass ich erstmal gar nichts gesagt habe. Dann fiel mir ein, dass ich vielleicht mal fragen sollte, warum das nicht geht. Daraus ergab sich der folgende Dialog:
"Weil das mit einer auslaendischen Kreditkarte bezahlt wurde." Problem schon wieder erledigt.
"Und???" - "Dann geht das nicht."
"Warum nicht?" - "Es geht eben nicht. Das ist so."
"Mir wurde das aber extra so empfohlen." - "Das geht aber nicht, wegen dem Ausland. Das muss man in Deutschland machen." Aha, da waeren wir schon einen Schritt weiter.
"Wie soll ich das jetzt in Deutschland machen? Ich bin ja hier." - "Das muss man von Deutschland aus machen."
"Und wie mache ich das?" - "Ja von Deutschland aus." Langsam fange ich an, aus den Ohren zu rauchen.
"ICH BIN ABER IN CHIIIIILE!!!" - "Dann muss man eine Mail schreiben." Ich frage mich, ob die Frau in Trance ist, denn sie verzieht keine Mine. Aha. Eine Mail.
"An wen denn?" - "An den Zustaendigen Iberia-Menschen in Duesseldorf." Juhu, eine Antwort!!!
Nach einer laengeren Diskussion, ob das nun zu Iberia muss, oder zu der Agentur wo ich das Ticket gekauft habe, hat die gute Frau tatsaechlich eine Email nach Duesseldorf geschickt und den dortigen Iberia-Menschen gefragt, was jetzt zu tun ist. Dieser hat mir dann geschrieben, dass ich mein Ticket per interner Post nach Duesseldorf schicken soll, worauf hin ich wieder zu Iberia musste, damit mein Ticket mit der Wekspost rausgeht. Das ging reibungslos, ich glaube die Frau hat gelernt, dass ich schneller wieder gehe, wenn sie mir hilft.
Von Iberia aus bin ich direkt zur GTZ gefahren, weil der Chef mich nochmal sprechen wollte und um mein Zertifikat abzuholen, dass ich da arbeiten werde. Das braucht man, um ein Visum zu beantragen, denn man muss ja schliesslich einen Grund haben, im Land zu sein. Mit dem Wisch und allem, aber auch wirklich allem anderen (Fotos, die im richtigen Format und in Farbe zu kriegen eine aehnlich lange Geschichte wie die von Iberia war, ich war glaube ich viermal beim Fotoladen; Kopien von Pass und Touristenvisum und allen Originalen) bin ich dann am naechsten Morgen ins Auslaenderamt. Dort fangen sie um neun Uhr an zu bedienen, ich war um acht Uhr da. Um halb acht fangen sie an, Nummern zu vergeben und als ich ankam waren schon ca. 50 Leute vor mir in der Schlange, plus diejenigen, die schon ihre Nummer hatten, weil sie wahrscheinlich vor der Tuer geschlafen hatten. Ausser zwei, drei Blonden waren die anderen fast alle Peruaner oder Bolivianer, die gekommen waren um sich zu legalisieren (also: Strafe zu zahlen), damit sie zum Jahreswechsel ausreisen koennen. Als ich dran war, hatte die Sachbearbeiterin eine verdaechtige Aehnlichkeit mit der Iberia-Frau und meine Befuerchtungen waren berechtigt: Sie hoerte sich halb schlafend an, was ich zu sagen hatte, schaute sich keine meiner Sachen an, sonden gab mir wortlos ein Formular. Darauf klebte sie ein Post-it und schrieb darauf, dass das Zertifikat nur gilt, wenn es von beiden Seiten vor einem Notar unterschrieben ist. Problem schon wieder erledigt. Ich war fassungslos, denn ich hatte alles gemacht, was im Internet gefordet wurde, aber von Notar stand da nichts. Sie meinte nur, Praktikantenvereinbarungen fallen unter keinen der vorgesehenen Faelle und deswegen "geht das nicht". Toll. Immerhin kann ich, wenn ich einmal beim Notar war und alles habe, die Sachen mit der Post schicken und muss nicht mehr Schlange stehen.
Und die Sache mit dem Notar ist eine andere Geschichte, wie das funktioniert, erfahrt ihr nach der naechsten Maus.
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1 comentario:
Hey Vera,
ich finde es super spannend deinen Blog zu lesen - und äußerst amüsant dazu - vorallem versuche ich aus jeder zweiten Zeile sachen zu entdecken, die mir auch in México über den Weg laufen könnten. =)
Danke für deinen Kommentar, besonders der zweite war sehr aufschlussreich =)
Zu meinem Spanisch: ich fall ins kalte Wasser, aber es solln ja schon viele Leute so schwimmen gelernt haben.. *jejejeje*
Am 20.1 geht es los... gaaaanz früh morgens nach D'dorf. Ich bin echt gespannt was mich erwartet.
Soweit,
ich hoffe es geht euch gut und deine Botengänge bleiben so erfolgreich!
Viele liebe Grüße,
auch an den mijito rico.
Deine Jana
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