Soooooo...nachdem ich den Blogg straeflich lange vernachlaessigt habe und schon so viele nachgefragt haben wie es denn an Weihnachten war, komme ich heute endlich mal wieder dazu ein bisschen was zu schreiben. Warum das so lange gedauert hat erfahrt ihr in den naechsten Posts, immer schoen der Reihe nach.
Dass Weihnachten hier nicht besonders weihnachtlich ist, hab ich ja schon mal erwaehnt. Man bemerkt es hauptsaechlich an der Musik auf denStrassen, dem Plastiktannenschmuck und der Werbung. Das besondere an der Werbung ist, dass sie verspricht, man koenne tolle Weihnachtsgeschenke jetzt kaufen und erst im Maerz in Raten bezahlen. Was nciht gesagt wird ist, dass man auf den Zinsen haengt, im Maerz auch nciht mehr Geld hat und naechstes Jahr Weihnachten noch nicht die Geschenke von diesem Jahr abbezahlt hat. Das ist wirklich ein Problem.
Was ich eine sehr schoene Aktion finde ist "Die Post hilft dem Weihnachtsmann": Kinder aus den armen Vierteln Santiagos schreiben einen Brief mit ihren wuenschen an den Weihnachtsmann. Die Briefe werden in der Zentralen Post gesammelt und jeder kann hingehen und die Briefe lesen. Man sucht sich einen Brief aus, kauft die Geschenke ein und die Post schickt die umsonst an das Kind. Seba hatte keine Zeit mit mir dahin zu gehen weil die Post um 7 Uhr zumacht (praktisch, dass wir quasi daneben wohnen). Aber er hat mich beauftragt, ein Kind zu suchen, dass sich einen Fussball wuenscht. Das Problem ist, dass diese Kinder wirklich an den Weihnachtsmann als Erfueller all ihrer unerreichbaren Traeume glauben. Deswegen stand in vielen Briefen ein Fahrrad oder ein Computer, nicht ganz unser Budget. Oder das betreffende Kind schreibt die Wuensche seiner acht Geschwister gleich mit auf. Manche Briefe sind auch echt krass, da wuenschen sie sich ein Weihnachtsessen oder Schuhe fuer den Vater, der den ganzen Tag durch die Stadt laeuft und Eis verkauft oder dass jemand die Stromrechnung der Oma bezahlt. Um fuenf vor sieben habe ich dann einen netten Brief von einem Jungen gefunden, der sich einen Fussball und was zum Anziehen fuer sich und eine Puppe fuer seine kleine Schwester wuenschte. Das war drin und es hat wirklich Spass gemacht, das zu kaufen.
Wir haben versucht, so viel Weihnachtsstimmung wie moeglich hinzukriegen, wenn es auch schwer war. Am Freitag vor Heiligabend gab es auf dem grossen Paltz bei uns um die Ecke das Ballett "Der Nussknacker" zu sehen, sogar ganz umsonst. Das war superschoen und im Abendlicht sah auch die Innenstadt gut aus. Ich habe zum ersten Mal gedacht, dass es auch sein Gutes hat, im Zentrum zu wohnen. Man ist halt immer mit der Nase dabei.
Die naechste Herausforderung war: Plaetzchen backen. Da Sebastiáns Mama zu seinem Bruder in den Sueden gefahren war, habe ich versprochen, das zu uebernehmen. Keine leichte Aufgabe, denn Sebas Mama hat das jahrelang professionell gemacht: Plaetzchen und Kuchen nach deutschen Rezepten gebacken und verkauft. Der erste Deampfer kam dann auch schon im Supermarkt, da ich die Haelfte der Zutaten nicht finden konnte: Saure Sahne ist unbekannt, Backpapier auch, Schoko-Kuvertuere gab es nur im Kilopack und das Mehl verkaufen sie teilweise mit dem Backpulver schon drin, da muss man hoellisch aufpassen. Ich sah nach drei Supermaerkten meine Platzchen schon ins Wasser fallen, da sind wir am naechsten Tag dann doch noch extra mit dem Auto in den Jumbo gefahren. Jumbo ist ein gigantischer Supermarkt, wo es einfach alles gibt, vor allem deutsche Produkte. So auch saure Sahne und Backpapier, sogar mit dem Importstempel aus Deutschland. Weil im Jumbo aber nur die Leute mit dem dicken Portemonaie einkaufen gehen, sind die Peise dementsprechend und vor allem sind die Filialen meist nicht mit oeffentlichn Verkehrsmitteln zu erreichen. Die Jumbo-Kunden fahren Auto. Nunja, die Plaetzchen waren gerettet und so habe ich mich am Tag vo Heiligabend bei ueber 30 Grad Aussentemperatur in der Kueche breitgemacht. Am Ende war es dann doch noch eine Gemeinschaftsproduktion: Ich habe Zimtbrezeln gebacken, Sebas Papa hat einen prima Zitronen-Zuckerguss gezaubert und die Nichten Isi und Cata (7 und 13) haben mit wachsender Begeisterung die Ausstechplaetzchen sehr kreativ angemalt. Ach ja, lecker waren sie auch und ziemlich schnell weg...ich wuerde sagen, ein voller Erfolg.
Heiligabend hat Sebas Schwester Susana damit verbracht was leckeres zu brutzeln waehrend Seba Diplomarbeit gemacht hat, sein Vater Holzbote geschnitzt hat um sie an Touristen zu verkaufen und ich mich mit den Kiddies im Planschbecken getummelt habe. SELTSAM!!! Am Abend gab es dann ein Weihnachtsessen mit Tannenbaum und Weihnachtsmusik aber laengst kein Vergleich mit Deutschland... Seba meint das liegt auch daran, dass seine Schwester da nicht so viel von weg hat. Danach sind wir in die Weihnachtsmesse gegangen bzw. mit dem Linienbus gefahren. Da war gerade erst die Sonne untergegangen, weil es hier die kuezeste Nacht des Jahres ist. Ich war ganz gespannt und am Anfang sah es auch vielversprechend aus, mit einer Art Krippenspuiel vorher. Dann kam der Pastor mit einer Jesuskind- Figur durch den Mittelgang und es wurde ein Weihnachtslied gesungen, dass ich in der Schule in spanisch gelernt habe... jaja, es lebe die Bildung! Das Problem war der Chor. Der bestand aus Leuten zwischen 6 und 20 Jahren, die zwar begeistert, aber schrecklich schief gesungen haben. Ueberhaupt bestand der Grossteil der Messe aus dem Singen von Weihnachtsliedern und noch eins und noch eins und manche auch doppelt. Der Pastor hat relativ wenig gesagt und das war nicht sehr gehaltvoll, kam aber von Herzen. Nunja. Vielleicht waeren wie lieber in die Kathedrale gegangen. Als wir zurueck kamen war der Weihnachtsmann schon da gewesen. Ups, da haetten Seba und ich fast noch eine Kinderwelt zerstoert: Isi glaubt noch an den Weihnachtsmann. Als wir am 23. 12. ankamen, kam sie angelaufen um uns schon auf der Strasse zu begruessen und wir hatten eine ganze Tuete voller Paeckchen mit. Sie hat nur geguckt und nichts gesagt, aber hinter der Stirn konnte man es rattern sehen. Wir haben dann gesagt, dass wegen der Zeitverschiebung der Weihnachtsmann zu den Deutschen zuerst kommt und er uns gesagt hat, wir sollen die Geschenke mitnehmen. Ok, das ist fadenscheinig, aber fuer dieses Jahr hat es gereicht.
Einen zweiten Feiertag gibt es in Chile nicht, deswegen muessen alle den ersten Weihnachtstag mindestens zu Haelfte dazu nutzen mit dem Bus wieder dahin zu fahren woher sie gekommmen sind, denn hier wohnen fast alle Familien irgendwie verstreut. Im Buss habe ich dann einen Heimwehanfall bekommen, weil das einfach so entgegen allem war, was ich mit Weihnachten verbinde. Dafuer haben wir es uns dann in Santiago noch mal nett gemacht: unsere Pflanze wurde gekonnt mit Teelichtern umgeben und mittels des Stiefels, den mir der hier nciht vorhandene Nikolaus dann am Nikolausabend doch noch gebracht hat (Seba ist echt suess) zum Weihnachtsbaum erklaert. Paeckchen drunter, schick machen, Mozart an, Wunderkerze an und fertig. Sehr behelfsmaessig aber um so romantischer.
Fazit: Weihnachten und die Zeit davor verbringt man lieber in Deutschland.
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